Amazon.com bald ein Sanierungsfall? Wall Street reagiert frustriert

Online-Händler frustriert Anleger und Investoren mit anhaltenen Verlusten

Montag, 27. Oktober 2014 13:38
Amazon

(IT-Times) - Amazon.com musste im jüngsten Quartal den höchsten Verlust seit 14 Jahren ausweisen. Die Wall Street reagiert frustriert, hatte Amazon.com schon in den vorgegangenen Quartalen enttäuscht. Immer mehr Anleger und Investoren fragen sich, ob sich Amazon-Gründer Jeff Bezos mit den jüngsten Investitionsvorhaben nicht verzockt hat.

Smartphone-Abenteuer entwickelt sich zum Disaster
Vor allem der Ausflug in den Smartphone-Markt entwickelte sich für Amazon.com zum Desaster. Im jüngsten Quartal verzeichnete Amazon.com allein durch das Fire Phone Verluste von 170 Mio. US-Dollar, so Amazon-Finanzchef Tom Szkutak. Und Amazon.com sitzt nach wie vor auf unverkaufte Lagerbestände in Höhe von 83 Mio. Dollar im Zusammenhang mit seinem Smartphone, wie CNET berichtet.

Marktbeobachter glauben nicht, dass Amazon.com (Nasdaq: AMZN, WKN: 906866) das Blatt in diesem Bereich nochmals wenden kann. Zu negativ fielen viele Kundenkritiken über das Fire Phone aus, zudem ist die Konkurrenz mit Apple (iPhone 6) und Samsung (Galaxy-Reihe) einfach zu stark - diese Realität sollte auch Amazon-Chef Jeff Bezos anerkennen.

Content-Ausgaben sollen weiter steigen
Neben dem „Millionengrab“ Fire Phone investiert Amazon.com kräftig in den Ausbau seines Video- und Musikangebots. Amazon Prime Mitglieder können dadurch auf ein umfangreiches Video-Angebot zurückgreifen. Doch der Wettbewerb mit Netflix & Co verschlingt viel Geld.

Allein in diesem Jahr sollen die Content-Ausgaben für Musik- und Video-Inhalte 2,0 Mrd. Dollar erreichen, im Jahr 2015 dann 2,5 Mrd. US-Dollar, rechnet Wedbush Securities Analyst Michael Pachter vor.

Hier gibt es einen ersten Lichtblick. Die Eigenproduktion „Transparent“, eine rabenschwarze Comedy-Serie, ist ein Hit bei den Zuschauern. Auch die im April vorgestellte Streaming-Box Fire TV kommt gut bei den Konsumenten an. Die Zahl der Spiele und Apps für die TV-Box hat sich inzwischen verdreifacht, heißt es bei Amazon.com.

Verluste im Weihnachtsquartal nicht vermittelbar
Doch an der Wall Street herrscht dennoch Frustration über die anhaltenden Verluste, zumal Amazon.com auch im geschäftsträchtigen vierten Quartal, in dem der Online-Händler für gewöhnlich immer einen deutlichen Gewinn erzielt, nunmehr auch einen Verlust von bis zu 570 Mio. Dollar für möglich hält.

Ein absolutes No-Go für viele Investoren. Auch Amazon-Finanzchef Szkutak gesteht ein, dass die Möglichkeiten nicht mehr unbegrenzt sind und Amazon.com künftig sehr selektiv vorgehen muss, will das Unternehmen nicht seine Zukunft aufs Spiel setzen. Denn sollte sich das Wachstum weiter verlangsamen und keine Verbesserung hinsichtlich der Profitabilität gelingen, könnte Amazon.com sehr schnell zum Sanierungsfall werden.

Kurzportrait

Die in Seattle ansässige Amazon.com öffnete seine virtuellen Einkaufstüren im Jahre 1995. Als Online-Buchhändler an den Start gegangen, entwickelte sich das Unternehmen im vergangenen Jahrzehnt zu einem universellen Online-Kaufhaus, das nicht nur Bücher, sondern auch Musik-CDs, Videos, DVDs, Spielzeug, Computerspiele, Elektronikgeräte, Küchenzubehör, Lebensmittel (Amazon Fresh) und vieles mehr anbietet. Insgesamt ist das Internet-Unternehmen in mehr als 220 Ländern weltweit aktiv und betreut über 100 Millionen Kunden weltweit. Allein der Express-Lieferservice Amazon Prime zählt inzwischen über 10 Millionen Mitglieder.

Dabei operiert Amazon.com heute aus zwei Kerngeschäftsbereichen heraus: Nordamerika und International. Neben dem eigentlichen Online-Produktangebot, bietet Amazon.com aber auch Auktionen und E-Commerce Plattformen (zShops) für Geschäftskunden an Mit seiner Einheit Amazon Web Services (AWS) ist Amazon.com inzwischen auch im Cloud Computing Markt vertreten. Über die Einheit Amazon.com Anywhere will das Unternehmen den Markt für mobiles E-Commerce erschließen. Mit seinem Online-Buchshop joyo.com ist Amazon.com auch in China präsent.

Niederlassungen in Asien und in Lateinamerika ergänzen den globalen Auftritt von Amazon.com. Ende 2007 brachte Amazon seinen eBook-Reader Amazon Kindle auf den Markt. Mit Audible, Shelfari, AbeBooks.com, Withoutabox, Fabric.com und dem Spielespezialisten Reflexive wurden weitere Zukäufe getätigt. Nach der Übernahme von SnapTell, übernahm Amazon.com in 2009 den Online-Schuhhändler Zappos.com. Zudem kündigte Amazon.com mit AmazonBasics eine eigene Produktlinie an. Im Herbst 2010 verstärkte sich Amazon.com durch die Übernahme von BuyVip.com. Anfang 2011 übernahm Amazon.com den europäischen DVD-Verleiher Lovefilm vollständig. Im Herbst 2011 stellte Amazon mit dem Kindle Fire seinen ersten Tablet PC vor. Mitte 2012 gründete Amazon mit den Amazon Game Studios sein eigenes Entwicklerstudio. Anfang 2013 schnappte sich Amazon.com den Softwarespezialisten IVONA Software, später folgte die Übernahme von TenMarks Education. Anfang 2014 schluckte Amazon.com den Spielespezialisten Double Helix Games, kurze Zeit später wurden mit Iconology und Twitch zwei weitere Firmen aufgekauft.

Der visionäre Unternehmensgründer Jeff Bezos, welcher gleichzeitig als CEO der Gesellschaft fungiert, hält zusammen mit seiner Familie etwa ein Drittel der Anteile am Unternehmen.

Markt und Wettbewerb

Der weltweite E-Commerce-Markt dürfte im Jahr 2014 ein Volumen von 1,5 Billionen US-Dollar erreichen und im Jahr 2016 die Marke von 2,0 Billionen US-Dollar überschreiten (Quelle: eMarketer).

Amazon.com gilt als weltweit größtes Online-Kaufhaus als dominierender Marktführer im Bereich Online-Einzelhandel. Mit seinem Angebot konkurriert Amazon.com insbesondere mit dem traditionellen Buchhändler Barnes & Noble.

Meldung gespeichert unter: E-Commerce

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