Solar Millennium - die Wüste ruft

Dienstag, 21. Juli 2009 13:45
Solar Millennium

(IT-Times) - Das Milliardenprojekt Desertec sorgte zuletzt für heftige Kurssprünge beim Erlanger Solarspezialisten Solar Millennium AG (WKN: 721840). Das Unternehmen soll eine führende Rolle bei der Realisierung des Mega-Solarprojekts in der Sahara spielen.

Noch ist jedoch wenig Konkretes über das Mammut-Projekt bekannt. Am Montag fand zunächst ein Gründungstreffen statt, wobei sich alle Beteiligten naturgemäß optimistisch über die Realisierung des Vorhabens äußerten. 400 Mrd. Euro soll der Bau von solarthermischen Großkraftwerken in der Wüste von Nordafrika kosten, wobei deutsche Firmen bis 2050 rund zwei Billionen Euro verdienen könnten, so eine verheißungsvolle Studie des Wuppertaler Instituts für Klima. Auftraggeber war die Umweltschutzorganisation Greenpeace und der Club of Rome.

Parabolrinnen-Kraftwerke vs Solarzellen
Während sich die deutschen Solarlobbyisten bereits die Hände reiben, warnen Experten vor übertriebenen Optimismus. SPD-Bundestagsabgeordnete und Solarexperte Hermann Scheer bezeichnete die Wüstenpläne als „Fata Morgana“. Scheer, der gleichzeitig Träger des Alternativen Nobelpreises ist, verweist auf Solarzellen auf deutschen Dächern, die schon bald genügend Strom billiger bereitstellen könnten.

Hintergrund ist der Umstand, dass sich die Preise für Solarzellen zuletzt im freien Fall befanden. Gleichzeitig steigt auch der Wirkungsgrad der Zellen durch die Optimierung von Produktionsabläufen. Daneben arbeiten junge Firmen wie die amerikanische Nanosolar an neuen kostengünstigen Methoden, wie Solarzellen und Solarmodule zum Bruchteil der heutigen Kosten hergestellt werden können.

Auch Vattenfall-Vorstand Lars Göran Josefsson hält das Desertec-Projekt für zu teuer und zu gefährlich. Der Manager verweist dabei auf das Risiko, wonach die Kraftwerke sehr schnell zum bevorzugten Anschlagsziel etwaiger Terroristen avancieren können. Schon heute sind Anschläge auf Ölpipelines in Nigeria praktisch an der Tagesordnung, wobei derartige Meldungen sich oft unmittelbar in einem steigenden Ölpreis niederschlagen.

Desertec wirft viele offene Fragen auf
Auch lässt sich heute wenig erahnen, wie sich die politische Situation in den jeweiligen Ländern wie Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen in den nächsten Jahren entwickeln wird. Eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist zwischen den beteiligten Ländern jedoch erforderlich, damit das Projekt funktioniert. Dass dies nicht immer einfach ist, beweist der Fall Russland und die Ukraine. Immer wieder liegen beide Länder im Klinsch, wenn es um die Gas-Durchleitung geht.

Auch wenn sich das Projekt technologisch, wirtschaftlich und politisch realisieren lässt, bleibt die Frage offen, wie viel unter dem Strich für Firmen wie Solar Millennium übrig bleibt. Sollten die Projektrealisierungskosten deutlich höher ausfallen als geplant, könnten die Gewinne für das Unternehmen so schnell zusammenschmelzen, wie Eis unter der Wüstensonne…

Kurzportrait

Die in Erlangen ansässige Solar Millenium AG wurde ursprünglich im Jahre 1998 gegründet. Im Jahre 1999 folgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. Das Unternehmen hat sich dabei vor allem auf Technologien rund um Parabolrinnen-Kraftwerke spezialisiert. Daneben will das Unternehmen sogenannte Aufwind-Kraftwerke zur Marktreife entwickeln.

Mit Hilfe der Sonneneinstrahlung wird bei Parabolrinnen-Kraftwerken Strom mit einer Dampfturbine erzeugt, die ein angeschlossener Generator erzeugt. Der Dampf wird dabei durch die Sonnenenergie erzeugt, die zuvor durch viele Parabolspiegel gebündelt wurden.

Daneben setzt die Solar Millennium AG auf solarthermische Anlagen, um Sonneneinstrahlung in Wärme zu nutzen. Wie auch herkömmliche Sonnenkollektoren gewinnen solarthermische Anlagen durch die Absorbierung von Sonnenlicht Wärmeenergie.

Um seine Technologie weiter zu entwickeln und Projekte zu realisieren, unterhält die Solar Millennium eine Reihe von Tochterfirmen und Beteiligungen. Die Technikfirmen Flagsol GmbH und Smagsol GmbH gehören zu 100 Prozent zum Unternehmen. Daneben betreibt die Solar Millennium AG ein gemeinsames Joint Venture mit Inner Mongolia Lvneng New Energy Co Ltd. Beide Firmen halten jeweils 50 Prozent der Anteile an dem Venture Inner Mongolia STP Development Co Ltd mit Sitz in Hohhot, dessen Ziel es ist, Parabolrinnen-Kraftwerke in China zu entwickeln. Ferner ist die Solar Millennium an einer Reihe von Projektgesellschaften in Spanien beteiligt. Unter anderem halten die Erlanger 100 Prozent der Anteile an der spanischen Milenio Solar Desarrollo de Proyectos. Mit jeweils 50 Prozent ist die Solar Millennium an den beiden spanischen Projektgesellschaften Ibersol Electricidad Solar Iberica S.A und Murciasol-1 Planta Solar Térmica S.L. beteiligt. Zudem soll Solar Millennium an dem Mammut-Projekt Desertec mitwirken.

Das Produktangebot der Solar Millennium AG umfasst sowohl die Projektentwicklung, wie auch die Projektfinanzierung und die Umsetzung (Kraftwerksbau). Ferner fungiert das Unternehmen aber auch als Technologiegeber beim Bau von Solar-Kraftwerken. Minderheitsbeteiligungen an Projekt- und Kraftwerksgesellschaften rund das Geschäftsmodell des Unternehmens ab.

Zahlen

Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2007/2008, das am 31. Oktober 2008 endete, erzielte Solar Millennium einen Umsatz von 32 Mio. Euro. Der Vorjahresumsatz lag bei 31,1 Mio. Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) ging im Geschäftsjahr 2008 gegenüber dem Vorjahr von 16,4 Mio. Euro auf 11,3 Mio. Euro zurück. Der Jahresüberschuss von Solar Millennium brach im gleichen Zeitraum von 11,9 Mio. Euro auf 6,2 Mio. Euro ein. Dies entspricht einem Ergebnis je Aktie von 0,53 Euro im Geschäftsjahr 2007/2008, nach 1,20 Euro im vorherigen Geschäftsjahr.

Meldung gespeichert unter: Solar Millennium

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