Q-Cells verabschiedet sich von sonnigen Zeiten

Donnerstag, 16. Juli 2009 12:49
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(IT-Times) - Deutschlands führender Solarzellenhersteller Q-Cells SE (WKN: 555866) schockt die Branche mit einer herben Umsatz- und Gewinnwarnung. Die Zeiten, in denen sich Aktionäre in üppigen Gewinnen und Kursgewinnen sonnen konnten, scheinen endgültig vorbei.

Schon Ende letzten Jahres machten sich Überkapazitäten am Markt bemerkbar, welche die Preise für Solarzellen und Module stark fallen ließen. Dieser Trend setzte sich auch im ersten und zweiten Quartal 2009 weiter fort, so dass Q-Cells insgesamt zum vierten Mal vor schwächeren Zahlen warnen musste.

Q-Cells kann niedrige Preise nicht weitergeben
Das Unternehmen steckt in der Zwickmühle, sitzt Q-Cells als Solarzellenhersteller mit seinem Geschäftsmodell zwischen Wafer-Herstellern und Moduleherstellern. Während die Modulehersteller weiter auf niedrigere Preise drängen, um den Absatz anzukurbeln, wollen Wafer-Hersteller ihre Preise nicht weiter senken, da viele Anbieter ohnehin schon rote Zahlen schreiben. Q-Cells kann daher die niedrigeren Preise, die das Unternehmen inzwischen Moduleherstellern einräumt, nicht an seine Lieferanten weiterreichen, wie Q-Cells Finanzvorstand Nedim Cem gegenüber dem Handelsblatt nochmals bestätigte.

Um die Krise zu meistern, will Q-Cells weitere Beschäftige in Kurzarbeit schicken und verschiedene Anlagen still legen, um Kapazitäten abzubauen. Daneben sollen auch geplante Investitionen auf dem Prüfstand. Doch damit scheint das Kernproblem von Q-Cells aber nicht gelöst.

Q-Cells vor Ablösung durch Suntech
Der deutsche Branchenprimus steht im Weltmarkt im direkten Wettbewerb zu einer Reihe von chinesischen Anbietern wie Suntech Power Holdings. Suntech ist bereits der weltgrößte Modulehersteller und drauf und dran Q-Cells auch als weltgrößter Zellenhersteller abzulösen. Das Unternehmen profitiert nicht nur von niedrigeren Lohn- und Produktionskosten in China, sondern auch von einer Reihe von staatlichen Unterstützungsmaßnahmen. Erst jüngst erhielt Suntech Großaufträge von Provinzregierungen über die Realisierung von Solarprojekten im dreistelligen Megawatt-Bereich.

Marktbeobachter und Analysten glauben, dass Q-Cells sein Geschäftsmodell ändern muss, um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben. Eine Vertiefung der Wertschöpfungskette wie zum Beispiel der Einstieg in die Modulproduktion könnte Synergieeffekte ermöglichen. Doch diese Strategie ist nicht wirklich neu. Die Bonner SolarWorld hat sich schon vor Jahren für dieses vertikal integrierte Geschäftsmodell entschieden, wobei auch die chinesische Suntech neben Zellen bereits seit langem Module herstellt.

Für Q-Cells läuft die Zeit davon. Zunächst bleibt nur die Hoffnung, dass der Preisverfall bei Solarzellen zum Stillstand kommt und sich die Wafer-Preise neu verhandeln lassen. Derzeit scheint es so, als würde sich der Markt tatsächlich stabilisieren. Aufgrund der steigenden Nachfrage hat sich zuletzt der Preis für ein Kilogramm Polysilizium auf dem internationalen Spot-Markt leicht auf 72 bis 73 Dollar/kg verteuert…

Kurzportrait

Die im Jahre 1999 gegründete und Thalheim/Sachen-Anhalt ansässige Q-Cells SE ist einer der weltweit größten Hersteller von Solarzellen. Im Jahr 2001 nahm Q-Cells die Produktion auf, wobei heute fünf hochmoderne Produktionslinien betrieben werden.

Das Unternehmen hat sich hauptsächlich auf die Produktion von mono- und multikristalline Solarzellen auf Siliziumbasis spezialisiert. Inzwischen bietet Q-Cells aber auch Dünnschicht-Module an. Daneben arbeitet Q-Cells im Bezug auf die Fertigung ganzer Solarmodule mit führenden Moduleherstellern weltweit zusammen.

Die gesamte Solarzellenfertigung bei Q-Cells ist vollautomatisiert. Insgesamt bietet Q-Cells Solarzellen in 48 verschiedenen Qualitätsklassen an. Q-Cells legt bei der Fertigung und Herstellung seiner Zellen auf beste Qualität, Optik und Leistung. Das Unternehmen legt auch großen Wert auf Schwachlichtverhalten und Leistungstoleranzen, die Q-Cells mit +/- 1,5 Prozent angibt. Mit der Einführung der ersten 6-Zoll-Solarzelle Q6 und dem Zellformat Q6L will sich das Unternehmen von seinem Wettbewerbern abgrenzen.

Q-Cells verkauft seine Produkte weltweit in mehr als 32 Ländern (Spanien, Frankreich, Italien, Türkei, Japan, Südkorea, China, USA, Südafrika usw.) und beliefert mehr als 67 Kunden wie zum Beispiel die Solon AG. Der Exportanteil liegt inzwischen bei weit über 50 Prozent, Tendenz steigend. Im Ausland ist das Unternehmen unter anderem mit seiner Tochter Q-Cells Asia Ltd. präsent. Zudem hält das Unternehmen weitere Beteiligungen an der EverQ GmbH und der CSG Solar AG. 33 Prozent werden an der kalifornischen Solaria Corporation gehalten, während Q-Cells 100 Prozent der Anteile an Sontor und Calyxo hält. Die Tochter Sontor wurde in 2009 mit dem Spezialisten Sunfilm fusioniert, um einen neuen Dünnschichtanbieter zu schaffen, an welchem Q-Cells mit 50 Prozent beteiligt sein wird. Darüber hinaus hat Q-Cells eine Kooperation mit der chinesischen LDK Solar im Bereich Silizium-Wafer geschlossen. Mitte 2009 stockte Q-Cells seine Beteiligung an der Solibro GmbH auf 100 Prozent auf.

Mit der Q-Cells International GmbH hat das Unternehmen in 2007 eine neue Tochter gegründet, die sich auf die Projektierung von Dachanlagen und Freiflächenanlagen konzentrieren soll. Im Mai 2009 trennte sich Q-Cells von seiner 17,2%igen Beteiligung an dem norwegischen Spezialisten Renewable Energy Corp (REC).

Unternehmensmitgründer Anton Milner führt das Unternehmen als CEO. Insgesamt beschäftigte Q-Cells zuletzt rund 2.000 Mitarbeiter, davon über 100 Wissenschaftler und Ingenieure.

Zahlen

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