Q-Cells kämpft ums nackte Überleben - Investor gesucht

Donnerstag, 11. August 2011 13:01

(IT-Times) - Einst war der deutsche Solarzellenherstellers Q-Cells SE die Nummer eins auf den Weltmarkt. Nunmehr kämpft das Unternehmen aus Thalheim ums nackte Überleben. Ein intensiver Wettbewerb, steigende Lagerbestände und eine schwindende Nachfrage haben zuletzt dazu geführt, dass die Preise für Solarzellen im zweiten Quartal regelrecht kollabiert sind - insgesamt brachen die Preise auf den Spot-Markt um 30 Prozent ein.

Q-Cells will Produktion nach Malaysia verlagern
Dies hat auch deutliche Spuren in der Bilanz von Q-Cells (WKN: 555866) hinterlassen. Der deutsche Solarzellenhersteller musste im zweiten Quartal einen Verlust von rund 350 Mio. Euro ausweisen. Dadurch sah sich der Vorstand gezwungen die Notbremse zu ziehen. Ein umfangreiches Sparprogramm soll den angeschlagenen Hersteller wieder auf Kurs bringen.

In erster Linie will Q-Cells durch eine Produktionsverlagerung nach Malaysia die Kosten in den Griff bekommen. Die Produktion am Standort in Bitterfeld-Wolfen soll heruntergefahren werden. Dadurch könnten rund 200 bis 300 Mitarbeiter ihren Job verlieren. Auch im Vorstand von Q-Cells gibt es Änderungen: Andreas von Zitzewitz soll mit sofortiger Wirkung in den Vorstand berufen werden und die Aufgaben des COO übernehmen.

Fabriken kaum ausgelastet - Q-Cells hofft auf einen Investor
Neben den Problemen mit der Kapazitätsauslastung - zuletzt waren Q-Cells Fabriken nur zwischen 30 und 50 Prozent ausgelastet - hat das Unternehmen inzwischen auch ein Liquiditätsproblem. Verbrennt das Unternehmen im gleichen Tempo weiter soviel Geld, droht dem Unternehmen die baldige Zahlungsunfähigkeit. Hintergrund ist unter anderem eine Wandelschuldverschreibung in Höhe von 230 Mio. Euro, die im Februar 2012 fällig wird. Kann das Unternehmen diese nicht zurückzahlen, droht möglicherweise die Insolvenz.

Aus diesem Grund hofft Q-Cells auf einen Einstieg eines Investors. Nachdem der französische Ölkonzern Total, der einst auch an Q-Cells interessiert war, beim US-Solarkonzern SunPower eingestiegen ist, schwinden die Optionen.

Q-Cells soll bereits mit chinesischen Investor über Einstieg verhandeln
Laut Spiegel verhandelt Q-Cells bereits mit einem chinesischen Investor über einen möglichen Einstieg. Allerdings sollen die Chinesen Bedingungen für eine Finanzspritze gestellt haben. Demnach müsse sich die Lage bei Q-Cells erst stabilisieren, bis über einen ernsthaften Einstieg verhandelt werde, heißt es.

Bis dahin könnte es für Q-Cells bereits zu spät sein, denn chinesische Konkurrenten wollen ihre Kapazitäten trotz steigender Lagerbestände weiter ausbauen. Auch technisch hat Q-Cells an Attraktivität für einen Übernahmeinteressenten eingebüßt. Solarfirmen aus der ersten Reihe wie JA Solar, Yingli Solar und Canadian Solar haben unlängst Solarzellen mit einem Wirkungsgrad von über 19 Prozent entwickelt, wie der Branchendienst DigiTimes berichtet.

Kurzportrait

Die im Jahre 1999 gegründete und Thalheim/Sachen-Anhalt ansässige Q-Cells SE ist einer der weltweit größten Hersteller von Solarzellen. Im Jahr 2001 nahm Q-Cells die Produktion auf, wobei heute hochmoderne Produktionslinien in Malaysia und in Bitterfeld-Wolfen betrieben werden.

Das Unternehmen hat sich hauptsächlich auf die Produktion von mono- und multikristalline Solarzellen auf Siliziumbasis spezialisiert. Inzwischen bietet Q-Cells aber auch Dünnschichtmodule an. Daneben arbeitet Q-Cells im Bezug auf die Fertigung ganzer Solarmodule mit führenden Moduleherstellern weltweit zusammen.

Die gesamte Solarzellenfertigung bei Q-Cells ist vollautomatisiert. Insgesamt bietet Q-Cells Solarzellen in 48 verschiedenen Qualitätsklassen an. Q-Cells legt bei der Fertigung und Herstellung seiner Zellen auf beste Qualität, Optik und Leistung. Das Unternehmen legt auch großen Wert auf Schwachlichtverhalten und Leistungstoleranzen, die Q-Cells mit +/- 1,5 Prozent angibt. Mit der Einführung der ersten 6-Zoll-Solarzelle Q6 und dem Zellformat Q6L will sich das Unternehmen von seinem Wettbewerbern abgrenzen.

Q-Cells verkauft seine Produkte weltweit in mehr als 32 Ländern (Spanien, Frankreich, Italien, Türkei, Japan, Südkorea, China, USA, Südafrika usw.) und beliefert mehr als 67 Kunden wie zum Beispiel die Solon AG. Der Exportanteil liegt inzwischen bei weit über 50 Prozent, Tendenz steigend. Im Ausland ist das Unternehmen unter anderem mit seiner Tochter Q-Cells Asia Ltd. präsent. Zudem hält das Unternehmen weitere Beteiligungen an der EverQ GmbH und der CSG Solar AG. 33 Prozent werden an der kalifornischen Solaria Corporation gehalten, während Q-Cells 100 Prozent der Anteile an Sontor und Calyxo hält. Die Tochter Sontor wurde in 2009 mit dem Spezialisten Sunfilm fusioniert, um einen neuen Dünnschichtanbieter zu schaffen, an welchem Q-Cells mit 50 Prozent beteiligt sein wird. Darüber hinaus hat Q-Cells eine Kooperation mit der chinesischen LDK Solar im Bereich Silizium-Wafer geschlossen. Mitte 2009 stockte Q-Cells seine Beteiligung an der Solibro GmbH auf 100 Prozent auf.

Mit der Q-Cells International GmbH hat das Unternehmen in 2007 eine neue Tochter gegründet, die sich auf die Projektierung von Dachanlagen und Freiflächenanlagen konzentrieren soll. Im Mai 2009 trennte sich Q-Cells von seiner 17,2%igen Beteiligung an dem norwegischen Spezialisten Renewable Energy Corp (REC). Ende 2010 trennte sich Q-Cells von seiner Tochter Q-Cells Clean Sourcing GmbH. Im Frühjahr 2011 kündigte Q-Cells den Markteinstieg in den japanischen Markt an. Mitte 2011 stieg Q-Cells mit dem Modul Q.Peak in die Fertigung eigener Solarmodule ein.

Unternehmensmitgründer Anton Milner führt das Unternehmen als CEO. Insgesamt beschäftigte Q-Cells zuletzt mehr als 2.300 Mitarbeiter, davon über 100 Wissenschaftler und Ingenieure. Die Produktionskapazitäten der Gesellschaft (Solarzellen und Dünnschichtmodule) summierten sich Ende 2010 auf 1,3 GWp.

Zahlen

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