Q-Cells im freien Fall - Preise für Solarzellen brechen ein

Mittwoch, 25. Mai 2011 12:37
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(IT-Times) - Die Aktien des Solarzellenherstellers Q-Cells SE stürzen auf ein neues Rekordtief bei rund 1,90 Euro. In der Hoffnung auf stabile Preise und eine Erholung in der Solarbranche erholte sich zunächst der Q-Cells (WKN: 555866) Aktienkurs in den ersten Monaten des Jahres - ein Trugschluss wie sich nunmehr herausstellt.

Preise für Solarzellen fallen auf Rekordtief
Seit April ist klar, dass die Solarindustrie in eine neue Krise steuert. Eine schwache Nachfrage in Deutschland, eine Förderkürzung in Italien und Überkapazitäten durch den massiven Produktionsausbau bei chinesischen Zellherstellern haben dazu geführt, dass der Preis für Solarzellen am Spot-Markt zuletzt auf ein Rekordtief von 0,9 Dollar pro Watt eingebrochen ist.

Nachdem sich der Preis für 6-Zoll große Solar-Wafer derzeit bei rund 2,60 US-Dollar pro Einheit bewegt, sind selbst viele asiatische Zellhersteller trotz günstiger Kostenbasis nicht mehr in Lage profitabel zu arbeiten, wie der Branchendienst DigiTimes meldet.

Die deutsche Q-Cells dürfte ebenfalls enorme Probleme bekommen. Die Analysten der WestLB monieren, dass Q-Cells seine Kosten nicht schnell genug an die rückläufige Nachfrage anpassen konnte. Auf Jahressicht werde voraussichtlich ein Verlust entstehen, glauben die Analysten.

Q-Cells will Umsatzniveau des Vorjahres halten
Q-Cells selbst geht bislang davon aus, das Umsatzniveau des Vorjahres in Höhe von 1,3 Mrd. Euro halten zu können. Dieses Ziel ist allerdings nur erreichbar, wenn sich die Nachfrage und die Kapazitätsauslastung im zweiten Halbjahr 2011 wieder erholt, wonach es derzeit aber nicht aussieht. Ganz im Gegenteil: FDP-Generalsekretärs Christian Lindner gießt weiteres Öl ins Feuer und fordert, die Installation von Solarstromanlagen in Deutschland durch eine weitere Kürzung der Förderung zu bremsen.

Der Vorstoß des Politikers hat bereits heftige Proteste beim Solarverband BSW-Solar ausgelöst, der durch die Forderung nicht nur ein falsches Signal für die angepeilte Energiewende sieht. Die ohnehin schon schwache Nachfrage im Inland könnte dadurch noch weiter einbrechen, was viele Solaranbieter in existenzielle Schwierigkeiten bringen dürfte.

Solarbranche vor Konsolidierungswelle
Die schwache Nachfrage in Deutschland hat dafür gesorgt, dass die Exportquote von Q-Cells im ersten Quartal 2011 bereits auf 77,5 Prozent gestiegen ist, wissen die Analysten der Raiffeisen Centrobank. Ob die Auslandsnachfrage ausreichen wird, um das schwache Europa-Geschäft aufzufangen, wird von Marktbeobachtern bezweifelt. Deutschland, Italien und Frankreich und weitere EU-Länder vereinigen nach wie vor den Großteil der Nachfrage auf sich.

Eine weitere Konsolidierung in der Solarindustrie scheint aufgrund der aktuellen Nachfragesituation unvermeidlich. Ob Q-Cells diese Konsolidierung ohne einen starken Partner an seiner Seite überleben wird, bleibt fraglich.

Kurzportrait

Die im Jahre 1999 gegründete und Thalheim/Sachen-Anhalt ansässige Q-Cells SE ist einer der weltweit größten Hersteller von Solarzellen. Im Jahr 2001 nahm Q-Cells die Produktion auf, wobei heute fünf hochmoderne Produktionslinien betrieben werden.

Das Unternehmen hat sich hauptsächlich auf die Produktion von mono- und multikristalline Solarzellen auf Siliziumbasis spezialisiert. Inzwischen bietet Q-Cells aber auch Dünnschichtmodule an. Daneben arbeitet Q-Cells im Bezug auf die Fertigung ganzer Solarmodule mit führenden Moduleherstellern weltweit zusammen.

Die gesamte Solarzellenfertigung bei Q-Cells ist vollautomatisiert. Insgesamt bietet Q-Cells Solarzellen in 48 verschiedenen Qualitätsklassen an. Q-Cells legt bei der Fertigung und Herstellung seiner Zellen auf beste Qualität, Optik und Leistung. Das Unternehmen legt auch großen Wert auf Schwachlichtverhalten und Leistungstoleranzen, die Q-Cells mit +/- 1,5 Prozent angibt. Mit der Einführung der ersten 6-Zoll-Solarzelle Q6 und dem Zellformat Q6L will sich das Unternehmen von seinem Wettbewerbern abgrenzen.

Q-Cells verkauft seine Produkte weltweit in mehr als 32 Ländern (Spanien, Frankreich, Italien, Türkei, Japan, Südkorea, China, USA, Südafrika usw.) und beliefert mehr als 67 Kunden wie zum Beispiel die Solon AG. Der Exportanteil liegt inzwischen bei weit über 50 Prozent, Tendenz steigend. Im Ausland ist das Unternehmen unter anderem mit seiner Tochter Q-Cells Asia Ltd. präsent. Zudem hält das Unternehmen weitere Beteiligungen an der EverQ GmbH und der CSG Solar AG. 33 Prozent werden an der kalifornischen Solaria Corporation gehalten, während Q-Cells 100 Prozent der Anteile an Sontor und Calyxo hält. Die Tochter Sontor wurde in 2009 mit dem Spezialisten Sunfilm fusioniert, um einen neuen Dünnschichtanbieter zu schaffen, an welchem Q-Cells mit 50 Prozent beteiligt sein wird. Darüber hinaus hat Q-Cells eine Kooperation mit der chinesischen LDK Solar im Bereich Silizium-Wafer geschlossen. Mitte 2009 stockte Q-Cells seine Beteiligung an der Solibro GmbH auf 100 Prozent auf.

Mit der Q-Cells International GmbH hat das Unternehmen in 2007 eine neue Tochter gegründet, die sich auf die Projektierung von Dachanlagen und Freiflächenanlagen konzentrieren soll. Im Mai 2009 trennte sich Q-Cells von seiner 17,2%igen Beteiligung an dem norwegischen Spezialisten Renewable Energy Corp (REC). Ende 2010 trennte sich Q-Cells von seiner Tochter Q-Cells Clean Sourcing GmbH. Im Frühjahr 2011 kündigte Q-Cells den Markteinstieg in den japanischen Markt an.

Unternehmensmitgründer Anton Milner führt das Unternehmen als CEO. Insgesamt beschäftigte Q-Cells zuletzt mehr als 2.300 Mitarbeiter, davon über 100 Wissenschaftler und Ingenieure. Die Produktionskapazitäten der Gesellschaft (Solarzellen und Dünnschichtmodule) summierten sich Ende 2010 auf 1,3 GWp.

Zahlen

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