AOL: Patch soll schrumpfen - Online-Videogeschäft vor Ausbau

Internet-Werbung und Online-Videogeschäft

Dienstag, 13. August 2013 13:39
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(IT-Times) - Das amerikanische Internet-Portal AOL sucht nach wie vor Wege, im Online-Werbegeschäft schneller zu wachsen. Das lokale News-Netzwerk Patch.com entwickelte sich vom einstigen Hoffnungsträger zum Bremsklotz. Nunmehr will AOL-Chef Tim Armstrong den Rotstift bei seinem News-Netzwerk Patch.com ansetzen, dass der Manager einst mit 4,5 Mio. Dollar selbst mit ins Leben gerufen hat.

Patch.com: Seitenschließungen und Stellenabbau erwartet
Der AOL-Chef bekräftigte nochmals sein Ziel, wonach Patch.com im vierten Quartal 2013 profitabel sein soll. Um dieses Ziel zu erreichen, sollen mehrere hundert Seiten geschlossen oder künftig mit Partnern betrieben werden. Dabei schreckt Armstrong selbst vor unpopulären Maßnahmen nicht zurück. In aller Öffentlichkeit vor 1.000 Mitarbeitern feuerte der AOL-Chef den bisherigen Creative Director von Patch.com, Abel Lenz, wie CNBC dokumentierte.

Patch.com versteht sich als lokales Nachrichtennetzwerk, welches über lokale Geschäfte und Storys in der Nachbarschaft berichtet. Allerdings ist der Betrieb der 900 Lokal-Seiten enorm kostenaufwendig. AOL (NYSE: AOL, WKN: A0YECX) soll nach einem Bloomberg-Bericht bereits mehr als 300 Mio. US-Dollar in die Entwicklung der Patch-Seiten investiert haben. Im Vorjahr hatte Patch.com zwar seine Umsätze auf etwa 35 Mio. Dollar verdoppelt, gleichzeitig verursachte Patch.com jährliche Kosten von 126 bis 162 Mio. Dollar.

Damit soll nunmehr Schluss sein. Nur ein Drittel der insgesamt 900 Patch-Seiten sei derzeit erfolgreich, heißt es. Für 400 Patch-Seiten will AOL nunmehr Partner finden oder diese schließen.

Adap.tv soll Werbegeschäft zum Durchbruch verhelfen
Trotz der Radikalkur bei Patch.com will AOL sein Online-Werbegeschäft weiter ausbauen. Große Chancen sieht das Unternehmen dabei offenbar im Online-Videomarkt, die Übernahme von Adap.tv ließ sich AOL mehr als 400 Mio. Dollar kosten.

Adap.tv versteht sich als Vermarktungsplattform für Online-Videowerbung. Die Plattform bringt Video-Werbekäufer mit Verkäufern zusammen. Adap.tv hat bereits mehr als 26.000 Werbefirmen, Agenturen und Publishern bei der Realisierung ihrer Werbekampagnen geholfen. AOL Chief Financial Officer Karen Dykstra merkt an, dass Adap.tv ein beeindruckendes Wachstum vorweisen könne und seinen Umsatz von 2011 auf 2012 bereits verdoppelt hat.

Insgesamt will AOL seine Investitionen in die Eigenproduktion von Videoprogrammen verdreifachen, wobei unter anderem 15 Internet-Shows in 2013 entstehen sollen.

Mit diesem Schachzug will AOL vom boomenden Online-Videowerbemarkt profitieren, der in 2013 um 41 Prozent auf 4,09 Mrd. Dollar zulegen soll, so die Marktforscher aus dem Hause eMarketer. Von diesem Kuchen will sich auch AOL ein Stückchen abschneiden.

Kurzportrait

Die in New York ansässige AOL wurde im Dezember 2009 wieder als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert, nachdem AOL vor über einem Jahrzehnt von Time Warner im Rahmen einer Milliardentransaktion übernommen wurde.

Heute präsentiert sich AOL nicht nur als Internetzugangsanbieter, sondern in erster Linie als Portal-Betreiber. AOL operiert heute im Wesentlichen aus zwei Kerngeschäftsbereichen heraus: AOL Properties und Third Party Network. Unter AOL Properties ist das Geschäft mit eigenen Web-Portalen zusammengefasst, während unter Third Party Network das Geschäft mit Advertising.com, goviral A/S (goviral) und 5 Minutes beheimatet ist. Unter AOL Advertising vermarktet das Unternehmen nicht nur Drittseiten, sondern auch seine eigenen Angebote unter dem Dach von AOL Media.

AOL Media fungiert dabei als Online-Publisher und betreibt unter anderem die Hauptseite AOL.com. Darüber hinaus lizenziert AOL Media auch Content an Drittanbieter. AOL betreibt die Seiten Asylum.com, Engadget.com, TechCrunch.com, DailyFinance, FanHouse, PoliticsDaily, Games.com, Moviefone und WalletPop.com betrieben werden.

Daneben betreibt AOL auch den Online-Kartenservice MapQuest, der gleichzeitig auch als Routen- und Stadtplaner dient. In diesem Zusammenhang betreibt AOL unter anderem die Dienste AOL City Guide, Going.com und When.com. Über die AOL-Tochter Adtech AG lizenziert das Unternehmen Online-Werbetechnik an Drittunternehmen.

In den vergangenen Jahren verstärkte sich AOL durch eine ganze Reihe von Zukäufen. Anfang 2006 kaufte AOL den Videosuchdienst Truveo und Games.com. Anschließend übernahm AOL den Video-Werbespezialisten Lightningcast und das Online-Spielemagazin GameDaily.com. Anfang 2007 verstärkte sich AOL durch die Übernahme von TradeDoubler. Gleichzeitig wurden mit ThirdScreen Media und Adtech AG zwei Werbespezialisten übernommen. Im Frühjahr 2008 kaufte AOL den britischen Social-Networking-Spezialisten Bebo sowie die Bloging-Engine Sphere und Socialthing. Mitte 2009 verstärkte sich AOL durch die Übernahme von Patch Media (Patch.com), später wurde durch Patch.com das Newnetz Outside.in geschluckt.

Daneben verstärkte sich AOL durch die Übernahmen von 5min, Thing Labs (Brizzly), TechCrunch, Pictela und About.me. Ende 2010 trennte sich AOL zudem von seinem Investment in Kayak Software Corporation. Anfang 2011 wurde der Content-Empfehlungsdienst Surphace (Sphere) wieder verkauft, gleichzeitig wurde das Videovertriebsnetz goviral übernommen. Im März 2011 kaufte AOL die Newsplattform „Huffington Post“ für 315 Mio. Dollar. Mitte 2013 schluckte AOL Online-Videplattform Adap.TV für über 400 Mio. Dollar.

Zahlen

Für das vergangene zweite Quartal 2013 meldet AOL ein leichtes Umsatzplus um zwei Prozent auf 541,3 Mio. US-Dollar, nach Einnahmen von 531,1 Mio. US-Dollar im Jahr vorher. Das Online-Werbegeschäft zog um sieben Prozent auf 361,2 Mio. US-Dollar an, nach 337,8 Mio. Dollar im Jahr vorher. Die Einnahmen aus Internet-Zugangsgebühren schrumpften um fünf Prozent auf 166 Mio. Dollar. Das Suchmaschinen-Werbegeschäft kletterte um 8,3 Prozent.

Meldung gespeichert unter: AOL

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