Wirecard - Opfer von Shortseller-Aktivitäten?

Dienstag, 13. April 2010 14:06
Wirecard Unternehmenslogo

(IT-Times) - Die Aktien des Online-Zahlungslösungsanbieters Wirecard AG (WKN: 747206) standen zuletzt nicht wegen positiver Geschäftszahlen, sondern vor allem wegen des Vorwurfs der Geldwäsche im Mittelpunkt.

Zwar bezeichnete Wirecard die Vorwürfe als „absolut haltlos“, allerdings hatte zuvor Rüdiger Trautman, der bis Ende Januar noch für Vertrieb und Marketing bei Wirecard tätig war, das Unternehmen überraschend verlassen. Laut dem Finanzportal Gomopa.net (Goldman, Morgenstern & Partners) soll der Rücktritt im Zusammenhang mit dem wegen illegalen Glücksspiels verhafteten Deutschen Michael Schütt gestanden haben.

Diesen Bericht musste Gomopa.net jedoch inzwischen wieder zurückziehen. Nach Researchen des Handelsblatts, dem das amtliche Vernehmungsprotokoll vorliegt, hat der verhaftete Schütt das Wort Wirecard AG in seinem Geständnis nie erwähnt. Dennoch reichten die gestreuten Gerüchte dazu, den Wirecard-Aktienkurs auf Talfahrt zu schicken. In der Spitze verlor das Papier mehr als 30 Prozent an Wert.

BaFin schaltet sich ein und ermittelt wegen Kursmanipulation
Die Achterbahnfahrt des Aktienkurses hat inzwischen die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) auf den Plan gerufen. Die Anstalt will nunmehr dem Vorwurf der vorsätzlichen Kursmanipulation auf den Grund gehen. Im Mittelpunkt der Ermittlungen dürften dabei die beiden Gomopa-Gründer Mark Vornkahl und Klaus Maurischat stehen. Sowohl Vornkahl als auch Maurischat wurden bereits wegen Anlagebetrugs verurteilt, so das Handelsblatt.

Für Analysten und Marktbeobachter steht längst fest, dass sich hier Shortseller auf Kosten des Unternehmens bereichert haben. Seriöse Bankhäuser wie die Commerzbank als auch die WestLB haben zuletzt nochmals ihre Kaufempfehlung für Wirecard-Aktien bekräftigt. Demnach dürfte Wirecard vom langfristigen Trend hin zum Internethandel profitieren, denn immer mehr Verbraucher aber auch Geschäftskunden beziehen Waren und Produkte über das World Wide Web. Abgerechnet werden die Produkte ebenfalls über Web-basierte Zahlungssysteme wie sie auch Wirecard anbietet.

Bestes Beispiel für den Erfolg ist der jüngste Vertragsschluss mit der redcoon GmbH, einem der führenden europäischen Discount-Händler für Unterhaltungselektronik und anderer Produkte. Demnach sollen Wirecard-Zahlungslösungen in redcoon-Online-Shops in neun europäischen Ländern integriert werden…

Kurzportrait

Die Wirecard AG mit Hauptsitz in München sieht sich als einer der führenden Anbieter von elektronischen Zahlungs- und Risikomanagementlösungen. Das Angebot der Gesellschaft erstreckt sich über die Automatisierung von Zahlungsprozessen, bis hin zu branchen- und kundenspezifischen Risikomanagementsystemen, die Forderungs- und Zahlungsausfällen vorbeugen sollen.

Stationäre Terminallösungen gehören ebenfalls zum Produktangebot wie auch Konten- und Kreditkartenleistungen für Geschäfts- und Privatkunden. In diesem Bereich ist das Unternehmen seit 2006 über seine Tochter Wirecard Bank AG am Markt vertreten. Die Wirecard Bank verfügt über eine deutsche Banklizenz und ist ferner Principal Member von VISA, MasterCard und JCB. Zudem betreibt das Unternehmen mit dem Internet-Bezahldienst „Wirecard“ einen eigenen Online-Bezahlservice für Mastercard-Kunden, der es registrierten Nutzern erlaubt, untereinander Geld zu versenden und zu empfangen.

Mit dem Produkt „Supplier and Commission Payments“ (SCP) bietet das Unternehmen einen Service für die automatische Herausgabe von virtuellen Kreditkarten an, um so elektronische Auszahlungen (Provisionen) für Partner und Zulieferer abzuwickeln. Dadurch sollen internationale Zahlungen noch sicherer und schneller abgewickelt werden können, verspricht der Anbieter.

Wirecard bietet zugeschnittene Produkte für bestimmte Branchen an. So sind spezielle Lösungspakte für die Airline- und Tourismusindustrie, aber auch für den E-Commerce-, Retail- und Spielebereich verfügbar. Im Jahr 2007 verstärkte sich Wirecard durch die Übernahme der TrustPay International AG und deren Tochtergesellschaften. Mit der Gründung der der Wirecard Asia Pacific in Manila (Philippinen) ist Wirecard seit Ende 2007 auch mit einer 100-prozentigen Tochter in Asien präsent. Ende 2009 verstärkte sich Wirecard weiter in Asien und übernahm den in Singapur ansässigen Abwickler für Online-Zahlungssysteme E-Credit Plus Pte. Ltd.

Insgesamt betreut die Wirecard AG weltweit mehr als 10.000 Geschäftskunden im Bereich Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr, Herausgabe von Kreditkarten und Risikomanagement. Zu den Kunden der Gesellschaft gehören unter anderem der Einzelhandelsriese Lidl sowie QVC, HSE, die Metro AG, redcoon und Sony Europe.

Zahlen

Im vierten Quartal 2009 verbuchte Wirecard einen Umsatz von 64,6 Mio. Euro (2008: 55,7 Mio. Euro). Das EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) wurde mit 17,2 Mio. Euro angegeben, im Vorjahreszeitraum waren es 14,8 Mio. Euro gewesen. Beim EBIT (Ergebnis vor Zinsen und Steuern) wies Wirecard ein Wachstum von 15,9 Prozent von 13,8 Mio. Euro auf nunmehr 16 Mio. Euro aus.

Meldung gespeichert unter: Wirecard

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