THQ - der nächste Übernahmekandidat?

Dienstag, 4. Dezember 2007 12:33
THQ

(IT-Times) Nach der Mega-Fusion der Vivendi-Einheit Blizzard und Activision wird in der Branche über die nächsten Übernahmekandidaten spekuliert. Bereits seit längerem gelten die beiden US-Videospielentwickler Take-Two Interactive und THQ (Nasdaq: THQI, WKN: 885593) als potentielle Übernahmeziele.

Dass es zu einer weiteren Konsolidierung in der Branche kommen wird, davon sind nicht nur Marktbeobachter, sondern auch Manager überzeugt. Take-Two-Chef Ben Feder erklärte anlässlich der Formung des neuen Spielegiganten Activision Blizzard, dass eine Konsolidierung der 40 Mrd. US-Dollar schweren Videospielebranche „unvermeitlich“ ist.

Ein Spiel zu entwickeln ist inzwischen fast genauso teuer wie eine Hollywood-Filmproduktion. Die Entwicklung neuer Spiele werde nicht günstiger, vielmehr werde das Geschäft immer kapitalintensiver, was dazu führen werde, dass kleinere Wettbewerber vom Markt verschwinden werden, so der Take-Two-Manager.

Medienkonzerne rüsten sich durch Zukäufe
Vor allem Medienkonzerne drängen zunehmend in den Spielebereich, wie nicht nur das Beispiel Vivendi zeigt. Auch Viacom rüstet seine MTV-Einheit im Spielebereich durch Zukäufe weiter auf, während auch Disney Übernahmeambitionen nachgesagt werden. Da THQ zuletzt Spiele auf Basis von Charakteren aus dem Hause Viacom und Disney entwickelte, könnte der US-Videospielentwickler sowohl für Viacom als auch für Disney interessant sein. Zuletzt schloss THQ auch eine Partnerschaft mit Chinas führendem Online-Spielentwickler Shanda Interactive, um Spiele im Reich der Mitte zu vermarkten. Shanda zeigte sich zuletzt ebenfalls für Zukäufe offen und übernahm unter anderem die südkoreanische Actoz Soft.

Daneben gelten auch Sony und Microsoft als Aufkäufer am Markt, wobei die beiden Technologiegiganten derzeit versuchen durch ein verbessertes Spieleangebot ihre jeweiligen Konsolenplattformen zu stärken. Sollte THQ oder Take-Two in den Besitz von Sony oder Microsoft gehen, ist zu erwarten, dass die jeweiligen Studios vornehmlich Spiele für eine Plattform entwickeln werden.

Kurzportrait

Die in Calabasas Hills/Kalifornien ansässige THQ gilt als die Nummer vier unter den Video-Spielentwicklern in den USA. THQ entwickelt nicht nur Spiele für die Konsolen aus dem Hause Microsoft (Xbox 360), Sony (PlayStation) und Nintendo (Wii), sondern auch insbesondere auch Spiele für Mobiltelefone und Handheld-Computer. Aber auch Spiele für die PC-Plattform gehören zum Produktportfolio von THQ, die neben Sport- und Actionsimulationen (Wrestling), auch andere Genres, wie Puzzle-Spiele und Adventure Games abdecken. Das Unternehmen entwickelt nicht nur innerhalb seines Hauses durch Cranky Pants, Outrage Games und Volition Spiele, sondern lässt diese auch von dritten Studios produzieren. Die Tochter THQ Wireless konzipiert Games für Mobilfunktelefone, aber auch Klingeltöne. In diesem Bereich arbeitet die Tochter unter anderem mit der National Basketball Association (NBA) zusammen. Gleichzeitig investierte THQ zuletzt in den chinesischen Mobile-Spezialisten C-Valley.

Mit der Übernahme von ValueSoft ergänzte das Unternehmen seine Kapazitäten, was das Niedrigpreis-Marktsegment betrifft. ValueSoft entwickelt vor allem Spiele, welche im Preissegment von 9,99 bis 19,99 Dollar angesiedelt sind. Im Jahr 2004 konnte THQ die Übernahme des Entwicklerstudios Relic Entertainment abschließen, zugleich übernahm THQ den europäischen Content-Anbieter für mobile Inhalte MINICK. Im November 2004 übernahm THQ das australische Entwicklerstudio Blue Tongue Entertainment. Gleichzeitig kaufte THQ die Renn-Simulation „Juiced“ von der insolventen Acclaim. Mitte März 2006 schluckte THQ das in Texas ansässige Entwicklerstudio Vigil Games. Wenige Monate später folgte die Übernahme der Stuntman-Spielereihe von Atari. Gleichzeitig übte THQ seine Option zur Übernahme des Entwicklerstudios Paradigm Entertainment aus. Später übernahm man den Spezialisten Mass Media, um seine Entwicklungskapazitäten im Bereich PS3 zu stärken. Im Frühjahr 2007 kaufte THQ das finnische Entwicklerstudio Universomo.

THQ vertreibt seine Produkte nicht nur über Einzelhändler wie Wal-Mart und Toys „R“ Us, sondern auch über den hauseigenen Internet-Shop, über den Verbraucher entsprechende Spiele online ordern können. Mit Best Buy, Target, Kay Bee Toys, Electronics Boutique ergänzen weitere nationale und internationale Einzelhändler das umfangreiche Vertriebsnetz des Spielentwicklers. Neben dem Stammhaus in den USA, unterhält THQ noch weitere Niederlassungen in Großbritannien, Deutschland, Frankreich und in Australien.

Zahlen

Für das vergangene zweite Fiskalquartal 2008 meldet THQ einen Umsatz von 229,34 Mio. US-Dollar, der somit unter dem Vorjahresergebnis von 240,19 Mio. Dollar lag. Entsprechend verschlechterte sich auch das operative Ergebnis von plus 13,66 Mio. Dollar in 2006 auf minus 13,09 Mio. Dollar. THQ wies ein Nettoergebnis von minus 7,03 Mio. Dollar nach plus 11,58 Mio. Dollar in 2006 aus.

Unter dem Strich summierte sich der Nettoverlust im jüngsten Quartal auf drei US-Cent je Aktie, womit THQ die Markterwartungen leicht verfehlte. An der Wall Street hatte man zunächst nur mit einem Nettoverlust von zwei US-Cent je Aktie kalkuliert.

Auch der Umsatz des ersten Halbjahres konnte mit 333,83 Mio. Dollar nicht an die in 2006 erzielten 379,02 Mio. Dollar anknüpfen. Beim operativen Ergebnis verpasste THQ den Sprung in die schwarzen Zahlen: Nach minus 7,28 Mio. Dollar im Vorjahr wurde der Verlust auf minus 46,03 Mio. Dollar ausgeweitet. Das Nettoergebnis lag mit minus 16,31 Mio. Dollar in 2007 ebenfalls deutlich unter dem Vorjahreswert von minus 512.000 Dollar. THQ wies ein (verwässertes) Ergebnis je Aktie von minus 24 Cent aus, im Vorjahr war es minus ein Cent.

Meldung gespeichert unter: THQ

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