Software AG will in die Weltspitze

Mittwoch, 15. Juli 2009 12:27
Software AG

(IT-Times) - Mit der Ankündigung, Deutschlands drittgrößten Softwareanbieter IDS Scheer übernehmen zu wollen, sorgte Deutschlands zweitgrößtes Softwarehaus, die Software AG (WKN: 330400) am Vortag für einen Paukenschlag. Gemeinsam mit der IDS Scheer will die Software AG zum Weltmarktführer beim Management von Geschäftsprozessen aufsteigen.

Die Ankündigung dürfte auch die deutsche Softwareindustrie grundlegend verändern, wodurch neben der SAP und nunmehr ein zweites großes Softwarehaus entsteht. Bereits vor zwei Jahren setzte die Software AG mit der Übernahme der amerikanischen webMethods ein erstes Zeichen in Sachen Internationalisierung. Mit der jetzigen Übernahme von IDS Scheer will sich die Software AG vor allem vertikal verstärken.

IDS Scheer erzielt zwei Drittel seiner Umsätze im Beratungsgeschäft, während das Geschäft rund um die ARIS-Plattform rund ein Drittel der Erlöse beisteuert. Zusammen würden die beiden Unternehmen auf einen Umsatz von über eine Mrd. Euro kommen, wodurch die Software AG sein Umsatzziel wesentlich früher erreichen könnte.

Analysten fürchten Druck auf die Gewinnmargen
Im Analystenlager löste die Übernahme dagegen keine Begeisterungsstürme aus. Viele Experten bewerten den Übernahmepreis von 15 Euro je Aktie bzw. 482 Mio. Euro als zu hoch. Die Software AG zahlt damit einen Aufschlag von fast 40 Prozent gegenüber dem jüngsten Schlusskurs. Zudem sehen einige Analysten Integrationsprobleme, insbesondere was das SAP-orientierte Beratungsgeschäft angeht.

Zudem wirft das Beratungsgeschäft von IDS Scheer nur geringe Margen ab. Die Gewinnmargen summierten sich in diesem Bereich zuletzt nur auf 1,7 Prozent vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Software AG Chef Karl-Heinz Streibich will zwar die Gewinnmarge von IDS Scheer in diesem Bereich auf 20 bis 25 Prozent heben, wie das bewerkstelligt werden soll, bleibt aber das Geheimnis des Managers.

Geografisch würden sich die beiden Firmen hingegen gut ergänzen. Während die Software AG nur 14 Prozent der Erlöse in Deutschland erzielt, erwirtschaftet IDS Scheer hierzu Lande mehr als die Hälfte seines Umsatzes. Während die Software AG in den USA bereits stark vertreten ist und dort rund 40 Prozent der Erlöse erzielt, trägt das US-Geschäft bei IDS Scheer nur 12 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Allerdings gilt das internationale Beratungsgeschäft von IDS Scheer als defizitär, was weitere Risiken für die Software AG birgt.

Wie der Wettbewerber SAP auf den jüngsten Vorstoß reagieren wird, steht ebenfalls noch nicht fest. Software AG Chef Karl-Heinz Streibich sieht die beiden großen Softwarehäuser zwar nicht als Konkurrenten, sondern eher als Partner, dennoch buhlen die beiden Softwarehäuser prinzipiell um die gleichen Kunden, wenn es um die Implementierung und die Steuerung von Geschäftsprozessen geht…

Kurzportrait

Die in Darmstadt ansässige Software AG ist ein weltweit agierender Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für IT-Infrastrukturen mit serviceorientierten Architekturen (SOA). Das Unternehmen ist auf zwei Geschäftsfeldern tätig und hat Produktentwicklung sowie Vertrieb in zwei Geschäftsbereiche ausgerichtet: Enterprise Transaction Systems (ETS) und Crossvision.

ETS besetzt das Feld Datenbanken und basiert vor allem auf dem Datenbankmanagementsystem Adabas sowie der Entwicklungsumgebung Natural. Crossvision ist eine SOA-Suite, die XML (Extended Markup Language ist eine universale Datenbeschreibungssprache; Tamino XML Server ist eines der Hauptprodukte in diesem Bereich) und Prozessintegrationstechnologien (EntireX, ApplinX) miteinander kombiniert. Hierdurch können Nutzer neue Geschäftsprozesse in ihre bestehende IT-Infrastruktur integrieren. Operativ agiert das Unternehmen in den drei Regionen Zentral- und Osteuropa/Asien, Nordamerika/Nordeuropa und Süd- und Westeuropa/ Lateinamerika. Die Software AG bietet Wartung, Lizenzierung und weitere Dienstleistungen an. Inzwischen wird ein Drittel des Umsatzes über Lizenzen erwirtschaftet. Im Frühjahr 2007 verstärkte sich das Unternehmen im Bereich Web Services und SOA-Lösungen durch die Übernahme der amerikanischen webMethods. Bereits zuvor übernahm das Softwarehaus mehrheitlich die israelische SPL Software. Ende 2007 schluckte die Software AG die Softwaresparte von Jacada. Mitte 2009 übernahm die Software AG den Schweizer IT-Spezialisten Teconomic AG. Gleichzeitig erwarb die Software AG knapp 48 Prozent der Anteile an der IDS Scheer AG, wobei die restlichen Anteile im dritten Quartal 2009 übernommen werden sollen.

Sechs Mitarbeiter des Beratungshauses AIV (Institut für Angewandte Informationsverarbeitung) gründeten das Unternehmen 1969 in Darmstadt. Adabas ist eines der ersten Produkte, schnell folgte die Internationalisierung mit dem Markteintritt in den USA. Seit 2008 vermarktet die Software AG seine Produkte direkt in Brasilien. Am 26. April 1999 ging die Software AG an die Börse und notiert heute im TecDAX. Das Unternehmen hat mehr als 2.700 Mitarbeiter und betreut weltweit mehr als 4.000 Kunden in über 70 Ländern.

Zahlen

Nach vorläufigen Zahlen zufolge erzielte die Software AG im zweiten Quartal 2009 einen Umsatz von 175 Mio. bis 177 Mio. Euro. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2008 entspricht dies einer Steigerung um vier bis fünf Prozent. Wachstumstreiber sei erneut das Produktgeschäft mit Lizenzen und Wartung gewesen, so die Software AG. Dieses Segment habe den Umsatz um mehr als acht Prozent auf 133 Mio. bis 134 Mio. Euro. gesteigert. Die Serviceumsätze hingegen fielen mit 42 Mio. bis 43 Mio. Euro geringer aus als im Vorjahr (45,6 Mio. Euro).

Die Ertragskraft sei jedoch nicht spürbar beeinträchtigt worden. Daher rechnet die Software AG auch im zweiten Quartal 2009 mit einer Steigerung der EBIT-Marge. Gegenüber dem Vorjahr werde diese sich vorläufigen Berechnungen zufolge von 24,3 Prozent auf 25 Prozent verbessern. Deutlicher soll der Zuwachs beim Free Cash Flow ausfallen, der mit 29 Mio. Euro mehr als 25 Prozent über dem Vorjahreswert liegen soll.

Meldung gespeichert unter: Software AG

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