Shanda Games - Chinas ehemaliger Marktführer gerät ins Wanken

Freitag, 4. Juni 2010 12:36
Shanda Games

(IT-Times) - Chinas zweitgrößter Online-Spielentwickler Shanda Games (Nasdaq: GAME, WKN: A0YA15) musste im jüngsten Quartal einen herben Umsatzrückgang gegenüber dem Vorquartal melden. Hintergrund war unter anderem die Schwäche im Geschäft mit MMORPGs - hier verzeichnete Shanda einen Umsatzeinbruch von 19 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Shanda verliert weiter Marktanteile
Zwar betreibt Shanda Games von der Anzahl her die meisten Online-Rollenspiele in China, jedoch ist der große Konkurrent Tencent inzwischen längst an Shanda in Sachen Marktanteile vorbeigezogen. Die Marktforscher aus dem Hause iResearch schreiben Tencent inzwischen einen Marktanteil von 27 Prozent zu, während sich Shanda mit einem Marktanteil von 19,4 Prozent begnügen musste.

Marktbeobachter und Analysten führen die Schwäche bei Shanda vor allem auf das teilweise obsolete Spieleportfolio zurück. Shanda Games erzielt nach wie vor die Mehrheit seiner Erlöse mit seinen Spielehits „Legend of Mir II“ und „World of Legends“ - 2D-Spiele, die inzwischen mehrere Jahre alt sind. Gegenüber neuen 3D-Spielen der Wettbewerber hat Shanda das Nachsehen. So überrascht es wenig, dass die bisherige Nummer drei der Branche, NetEase.com mit modernen 3D-Rollenspielen wie „World of Warcraft“ Shanda Games einzuholen droht.

Neue Spiele sollen für neues Wachstum sorgen
Die Hoffnungen von Shanda ruhen daher auf neue Spiele für das zweite Halbjahr 2010 und für das erste Halbjahr 2011. Mit dem lizenzierten MMORPG „Dragon Nest“, sowie mit „Hades Realm II“ und „Legend of Immortals“ will Shanda den Trend umkehren und auf den Wachstumspfad zurückkehren.

Zudem befinden sich weitere Titel wie das 3D-MMORPG „Magic World Online II“ und „Bubble Fighter“ bereits in der Beta-Testphase, wobei „Bubble Fighter“ im vierten Quartal 2010 in China auf den Markt kommen soll.

Trotz der Bemühungen bemängeln Analysten und Marktbeobachter die fehlende Durchschlagskraft des Unternehmens. Zum einen kann Shanda Games kaum internationale Erfolge seiner Spiele vorweisen, zum anderen sind trotz Millioneninvestitionen in sein Förderprogramm für junge Entwicklerstudios bislang keine nennenswerten Kassenschlager hervorgegangen.

Wettbewerb zwingt die Branche zu höheren Investitionen
Daneben wird der Wettbewerb in der Branche intensiver. Insbesondere viele kleinere Entwicklerstudios schreiben inzwischen rote Zahlen und es wird immer schwieriger neue Hit-Titel zu produzieren. Neue Spiele kosten mehr Entwicklungszeit und vor allem immer mehr Geld, was die Margen der Hersteller und Publisher belastet. Um weiter konkurrenzfähig zu bleiben, müsste Shanda einen Strategiewechsel vollführen, glauben die Analysten bei Susquehanna Financial. Mehr Qualität und weniger Quantität dürfte nicht nur dem Markt gut tun. Die Susquehanna-Experten glauben, dass auch Shanda künftig drei bis vier Jahre in die Entwicklung eines neuen Online-Games investieren muss, um weiter erfolgreich zu sein…

Kurzportrait

Shanda Games, ansässig in Shanghai, gilt als einer der führenden Online-Spieleentwickler in China. Shanda entwickelt seine Spiele nicht nur in seinen eigenen Studios, sondern lizenziert auch Spiele von Drittanbietern.

Shanda Games sich dabei vor allem auf die Vermarktung von so genannten Multiplayer Online-Role-Playing-Games (MMORPGs) spezialsiert. Zu den populärsten Shanda-Spielen gehören das von Actoz lizenzierte Online-Rollenspiel „The Legend of Mir II“ und das im eigenen Haus entwickelte Online-Spiel „World of Legend“ (Wool). Neben Adventures und Online-Rollenspiele bietet Shanda Games auch Action, Brett- und Arcade-Spiele an, die auch von der breiten Masse der Kunden angenommen werden. Insgesamt verzeichnet Shanda nach eigenen Angaben mehr als sechs Mio. aktive Spieler. Daneben hat Shanda mit „ArchLord“, „Dungeons and Dragons Online“, „LaTale“, „Chungchun“, „Thales Runner“, „AION: Tower of Eternity“, „Dragon Nest“ und „Lazeska“ weitere Online-Rollenspiele lizenziert. Insgesamt betrieb Shanda Games zuletzt mehr als 20 MMORPGs und elf Casual Games für Gelegenheitsspieler.

In den vergangenen Jahren verstärkte sich Shanda vor allem durch Firmenzukäufe. Nachdem das Unternehmen zunächst die Mehrheit beim chinesischen Spieleentwickler Shenzhen Fenglin Haoshan übernahm, beteiligte sich Shanda mit 35 Prozent an dem in Beijing ansässigen Spieleentwickler Digital-Red. Ende Juli 2004 übernahm Shanda dann die Mehrheit bei Haofang Online Information Technology, dem größten chinesischen PC-Spielenetzwerk. Im August folgte dann die Übernahme des Online-Spielespezialisten Hangzhou Bianfeng Software Technology. Biafeng hat sich insbesondere auf die Entwicklung von Schach- und Brettspielen spezialisiert. Anschließend übernahm Shanda die restlichen Anteile an Digital-Red Mobile Software, einem der führenden Entwickler von Handy-Spielen. Ende 2004 erwarb Shanda Interactive 29 Prozent der Anteile an dem südkoreanischen Rivalen Actoz Soft. Inzwischen hat Shanda seine Beteiligung an den Südkoreanern auf über 50 Prozent ausgebaut und kontrolliert den Aufsichtsrat. Mitte 2007 folgte die Übernahme des Spieleanbieters Aurora Technology Development. Mitte 2009 kaufte Shanda Games den Online-Spielespezialisten Chengdu Simo Technology. Anfang 2010 schluckte Shanda den chinesischen Online-Spielentwickler Goldcool Games. Zudem kaufte Shanda das amerikanische Online-Spielenetzwerk Mochi Media.

In 2008 gründete Shanda ein Joint Venture mit dem südkoreanischen Online-Spielentwickler NCsoft, um Online-Spiele in China zu vermarkten. Später folgte ein Joint Venture mit dem chinesischen Online-Spielentwickler Kingsoft. Im Herbst 2009 wagte Shanda Games den Gang an die Nasdaq. Mit einem Emissionsvolumen von einer Mrd. US-Dollar gilt der Börsengang von Shanda Games als das größte IPO einer chinesischen Gesellschaft an der Technologiebörse Nasdaq.

Zahlen

Shanda Games konnte in den ersten drei Monaten dieses Jahres mit 143,2 Mrd. Renminbi (167,5 Mio. US-Dollar) den Umsatz um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr (1,04 Mrd. Renminbi) steigern. Das Bruttoergebnis wuchs im ersten Quartal 2010 auf 674 Mio. Renminbi (98,7 Mio. US-Dollar) im Vergleich zu 625,3 Mio. Renminbi in 2009. Rückläufig hingegen war das Betriebsergebnis mit 378,1 Mio. Renminbi (55,4 Mio. US-Dollar), das im Vorjahr noch bei 400,6 Mio. Renminbi lag.

Dagegen wuchs das Ergebnis vor Steuern (EBT) mit 441,1 Mio. Renminbi (64,6 Mio.US-Dollar) gegenüber dem ersten Quartal 2009 (410 Mio. Renminbi). Pro Aktie ergab sich im ersten Quartal 2010 daraus ein Ergebnis von 0,57 Renminbi bzw. acht US-Cent gegenüber 0,56 Renminbi im ersten Quartal 2009.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen erwirtschaftete Shanda Games ein Plus von 16 US-Cent je Aktie und verfehlte damit die Schätzungen der Analysten um einen Cent.

Im Schnitt verzeichnete Shanda Games im jüngsten Quartal 9,62 Mio. aktive Spieler-Konten. Der Durchschnittsumsatz pro MMORPG-Spieler brach allerdings um 21 Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 35,4 RMB ein. Insgesamt konnte Shanda Games im jüngsten Quartal einen positiven Cashflow von 55,5 Mio. Dollar aus der operativen Geschäftstätigkeit erzielen, wodurch sich die Barreserven zum Quartalsende auf 417,2 Mio. Dollar summierten.

Meldung gespeichert unter: Shanda Games

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