Roth & Rau reitet auf der Dünnschichtwelle

Donnerstag, 5. März 2009 13:15
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(IT-TIMES) Der deutsche Solarausrüster Roth & Rau AG (WKN: A0JCZ5) erwartet zwar im laufenden Jahr 2009 einen Umsatzrückgang, nachdem der Anlagenbauer in 2008 noch kräftig gewachsen war, doch gilt das Unternehmen als einer der am besten aufgestellten Solarausrüster im deutschen Markt.

Der Grund: Roth & Rau hat sich in den vergangenen Jahren durch gezielte Zukäufe eine herausragende Marktposition im Bereich solarer Beschichtungssysteme für Photovoltaik-Hersteller positioniert. Mit der Übernahme der CTF Solar GmbH und dem damit verbundenen Einstieg in den Markt für Dünnschichttechnologien hat Roth & Rau nochmals seinen Anspruch als führender Anbieter im Solarausrüstermarkt unterstrichen.

Durch die Akquisition kann die Roth & Rau als einziger Ausrüster CdTe-Beschichtungsanlagen anbieten. Bei Cadmiumtelurid (CdTe) handelt es sich um ein Halbleitermaterial mit einer vergleichsweise hohen Energiedichte und einer geringeren Temperaturempfindlichkeit. Im Gegenzug weisen CdTe-Module aber eine höhere Empfindlichkeit gegenüber diffuser Lichteinstrahlung aus, so dass derartige Zellen auch bei leicht bewölktem Himmel Energie erzeugen. Daneben weisen CdTe-Solarmodule bei der Herstellung einen deutlichen Kostenvorteil gegenüber Silizium-basierer Module auf. So gelang es dem weltweit führenden Dünnschichtspezialisten First Solar seine Herstellungskosten jüngst unter die magische Marke von einem US-Dollar pro Watt zu drücken.

Kostenvorteile lassen Dünnschichttechnik boomen
Dies ist auch ein Grund dafür, warum sich Dünnschichtmodule immer größerer Beliebtheit erfreuen, wenn auch der Wirkungsgrad dieser Module (noch) nicht an denen von multi- bzw. monokristalliner Zellen heranreicht. Aufgrund der enormen Kostenvorteile werden Dünnschichtzellen aber eine große Zukunft bescheinigt. Die Marktforscher aus dem Hause NanoMarkets gehen davon aus, dass der globale Markt für Dünnschicht-Photovoltaikprodukte 7,2 Mrd. US-Dollar in 2015 erreichen wird, nachdem sich der Dünnschichtmarkt im Jahr 2007 gerade einmal auf knapp über eine Mrd. Dollar summierte. Im Hause Lux Research glaubt man, dass die Dünnschichttechnik, zu der auch Materialien wie amorphes Silizium und Copper Indium Gallium Selenide (CIGS) Verbindungen zählen, bereits 28 Prozent des gesamten Solarmarktes ausmachen wird.

Neben First Solar haben auch andere Solarspezialisten die Bedeutung der Dünnschichttechnik längst erkannt. So kündigte Sharp bereits Ende 2007 an, seine Produktionskapazitäten im Bereich Dünnschichtzellen in den nächsten Jahren verzehnfachen zu wollen. Entsprechende Millionen dürften in den nächsten Jahren in den Aufbau solcher Produktionslinien fließen, wovon Ausrüster wie Roth & Rau profitieren. De facto hat das Unternehmen mit dem jüngsten Zukauf einen wichtigen Grundstein für die Zeit nach der Krise gelegt...

Kurzportait
Die in Hohenstein-Ernstthal ansässige Roth & Rau entwickelt und fertigt Komponenten und Prozessanlagen für plasma- und ionenstrahlgestützte Verfahren der Dünnschicht- und Oberflächentechnik für den Einsatz in Produktion, Pilotfertigung und Forschung & Entwicklung in den verschiedensten industriellen Branchen. Vor allem in der Photovoltaik ist Roth & Rau AG ein international agierender Anbieter von Plasmaprozesssystemen für die Photovoltaikindustrie. Der Geschäftsbereich Photovoltaik trug im Geschäftsjahr 2008 mehr als 90 Prozent zum Unternehmensumsatz bei. In diesem Segment stellen Produktionsanlagen für Antireflexbeschichtungen (PECVD-Anlagen) für kristalline Silizium-Solarzellen ein Kernprodukt von Roth & Rau dar. Ferner konzipiert und installiert Roth & Rau als Generalunternehmer in Kooperation mit Partnern aus Forschung und Industrie unter der Bezeichnung ASCM (Advanced Solar Cell Manufacturing) international automatisierte Produktionslinien für die industrielle Fertigung von kristallinen Silizium-Solarzellen (Turnkey-Produktionslinien). Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Fertigung von Anlagen für die Beschichtung von Dünnschichtsolarmodulen mit leitfähigen transparenten Oxidschichten (TCO), die in Kooperation mit dem schweizerischen Unternehmen OC Oerlikon Balzers AG erfolgt.

Im Geschäftsbereich Plasma- und Ionenstrahltechnologie produziert Roth & Rau maßgeschneiderte Prozesssysteme für plasma- und ionenstrahlgestützte Dünnschicht- und Oberflächenbearbeitungsverfahren. Kunden sind insbesondere Unternehmen der Halbleiter- und der Automobilindustrie, Forschungs- und Entwicklungsabteilungen verschiedener anderer industrieller Branchen einschließlich der Photovoltaik sowie Forschungsinstitute und Universitäten.

Roth & Rau unterhält insgesamt sechs Beteiligungen. So verfügt das Unternehmen über vier Auslandsgesellschaften: Die Roth & Rau Shanghai Trading Ltd., die Roth & Rau Switzerland AG und die Roth & Rau USA Inc befinden sich jeweils zu 100 Prozent im Besitz des Roth & Rau-Konzerns. Auch die Solar Holding Inc. und die Roth & Rau Dünnschicht Solar GmbH befinden sich zu 100 Prozent im Firmenbesitz. Zusätzlich ist man noch zu 51 Prozent an der SLS Solar Line Saxony GmbH beteiligt. SLS Solar Line Saxony ist ein Gemeinschaftsunternehmen mit der USK Karl Utz Sondermaschinen GmbH zur Herstellung von Automatisierungsanlagen für die Solarzellenfertigung. In 2008 verstärkte sich Roth & Rau durch die Übernahme des Softwarespezialisten AIS Automation. Anfang 2009 erfolgte die Übernahme der CTF Solar GmbH.

Roth & Rau wurde 1990 gegründet und brachte ein Jahr später als erstes Produkt Komponenten zur Erzeugung von Plasma auf den Markt. Nachdem in den Folgejahren der Schwerpunkt auf der Fertigung von kompletten Plasma- und Ionenstrahlungsprozesssystemen lag und die Expansion ins Ausland (Asien und USA) vorangetrieben wurde, konzentriert sich das Unternehmen seit 2002 strategisch auf den Geschäftsbereich Photovoltaik. Im Jahr 2005 wurde nach eigenen Angaben die Marktführerschaft bei PECVD-Anlagen für die Siliziumnitrid-Antiflexbeschichtung von Solarzellen übernommen. Ein Jahr später erfolgte der Börsengang des Unternehmens. Seither wurde die Belegschaft auf mehr als 200 Mitarbeiter verdoppelt.

Sowohl im operativen Geschäft als auch an der Börse konnte das Unternehmen seither rasant wachsen. Im Zuge der in 2008 abgeschlossenen Bezugsrechtskapitalerhöhung erfolgte der Wechsel aus dem Entry Standard in den Prime Standard, der die Grundlage für die Aufnahmen in den TecDAX bildete.

Zahlen
Im Jahr 2008 steigerte Roth & Rau den Umsatz von 146,23 Mio. Euro auf 272 Mio. Euro (plus 86 Prozent). Übertroffen hat Roth & Rau damit auch die eigene Prognose, welche 250 Mio. Euro Umsatz angekündigt hatte. Profitiert habe man in 2008 vor allem von einer gestiegenen Nachfrage nach Produktionsanlagen für die Solarzellenfertigung. Vergleicht man die Wachstumsdynamik allerdings mit den Vorjahreswerten, zeigt sich eine deutliche Abschwächung, so hatte Roth & Rau den Umsatz in 2007 noch um 241 Prozent ausgebaut, damals allerdings von einem deutlich niedrigeren Niveau aus.

Ausbauen konnte Roth & Rau auch die Ergebnisseite, welche sogar stärker zulegte als der Umsatz. So verdoppelte sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) auf 28 Mio. Euro. Die EBIT-Marge kletterte damit von 9,5 Prozent auf 10,4 Prozent. „2008 war ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr für uns. Wir haben nicht nur unsere Umsatz- und Ergebnisziele übertroffen, sondern auch unsere Marktposition in den wichtigsten Kernmärkten gefestigt und in bestimmten Bereichen sogar ausgebaut“, betonte Dr. Dietmar Roth, Vorstandsvorsitzender der Roth & Rau AG, zu den Zahlen.

Meldung gespeichert unter: Roth & Rau

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