Q-Cells kämpft für mehr positive Nachrichten

Montag, 31. Oktober 2011 12:13
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BITTERFELD-WOLFEN (IT-Times) - Zuletzt gab es auch einmal positive Nachrichten aus dem Hause Q-Cells. Der Solarzellenhersteller und Kraftwerksbauer ist vom kalifornischen Energieerzeuger Pacific Gas and Electric (PG&E) zum bevorzugten Partner für Solarkraftwerke benannt worden und konnte zudem 200.000 CIGS-Dünnschicht-Solarmodule an das nordfriesische Solarunternehmen GP Joule verkaufen. Nach Angaben von Q-Cells ist es mit 20,8 Megawatt der größte Solarpark mit CIGS-Dünnschichtmodulen weltweit.

Nach viermonatiger Bauzeit wurde in diesem Monat der Solarpark „Ammerland“ eingeweiht. Die Q-Cells SE (WKN: 555866) habe für das Kraftwerk knapp 200.000 CIGS-Dünnschichtmodule seines Tochterunternehmens Solibro an den Projektierer GP Joule geliefert, so das Unternehmen. Mit maximal 20,8 Megawatt Leistung bilde es den bislang größten Solarpark mit derartigen Dünnschichtmodulen weltweit. Investor des Projektes ist die bankenunabhängige Investmentgesellschaft Aquila Capital. Das Photovoltaik-Kraftwerk mit den 196.000 CIGS-Dünnschichtmodulen erstreckt sich über eine Fläche von 57 Hektar auf einem ehemaligen Militärflughafen unweit von Oldenburg. Die Planungen für das Projekt haben GP Joule zufolge im März begonnen. Die Installation der Solarmodule und notwendigen Technik erfolgte dann seit Juni.

Langfristig planen konnte Q-Cells zuletzt selten. Mit PG&E wurde nun jedoch ein Fünf-Jahres-Programm aus der Taufe gehoben. Das Programm ist eine Photovoltaik-Initiative und umfasst Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 250 Megawatt. Der Bau erfolgt über einen Zeitraum von fünf Jahren in Abschnitten von 50 MW. Q-Cells wird dabei mit einem Teil der für 2012 geplanten Anlagen beauftragt. So baut man im nächsten Jahr ein zehn Megawatt- sowie ein 20 Megawatt-Solarkraftwerk im kalifornischen Central Valley und übernimmt damit 60 Prozent der für das Jahr anvisierten Leistung.

Hoffen auf die Geduld der Investoren

Die Gläubigerversammlung der Q-Cells AG kam jüngst zusammen, um zu beraten, wie man mit dem angeschlagenen Unternehmen und seinen auflaufenden Verbindlichkeiten verfahren sollte. Die gute Nachricht für Q-Cells: Man darf auf die Geduld der Kreditgeber hoffen. Aktuell hat Q-Cells Schwierigkeiten bei der Rückzahlung einer Teilschuldverschreibung. Die Gläubiger haben sich darauf geeinigt, dass der Rechtsanwalt Carlos Mack bis zum 31. Dezember 2012 als Vertreter der Kreditgeber mit Q-Cells verhandeln und nach Lösungen suchen soll. Hierzu wurde er mit weitreichenden Vollmachten ausgestattet. Er kann eine 2012 fällige Teilschuldverschreibung in Höhe von 201,7 Mio. Euro ein- oder mehrmalig bis spätestens zum 31. Dezember 2012 stunden. Damit signalisieren die Gläubiger von Q-Cells eine gewisse Bereitschaft, sich bei der Rückzahlung der Schuldverschreibung zu gedulden. Damit gewinnt Q-Cells wertvolle Zeit, die Finanzen des angeschlagenen Unternehmens wieder in den Griff zu bekommen.

Q-Cells ist aufgrund der schwache Nachfrage und den Preisverfall in die Bredouille geraten und schreibt tiefrote Zahlen. Die derzeitige Entwicklung könne das operative Geschäft wie auch die Aussichten für die mittel- und langfristige Finanzlage drastisch beeinträchtigen. Derzeit werden daher auch Optionen für die weitere Finanzierung des Konzerns ausgelotet. Sollten die Prüfungen ergeben, dass die Anleihe im Februar 2012 nicht termingerecht bedient werden kann, müssten zeitnah Verhandlungen über die Restrukturierung dieser, wie auch möglicherweise der 2014 fälligen Wandelschuldverschreibung geführt werden. Andernfalls könnten die Gläubiger die Anleihen fällig stellen.

Q-Cells hatte 2007 eine Wandelanleihe mit Laufzeit bis zum 28. Februar 2012 über 492,5 Mio. Euro ausgegeben und im Zuge der Kapitalmaßnahmen im Oktober 2010 rund 291 Mio. Euro des Nennbetrags bereits zurückgekauft. Die ausstehende Forderung inklusive Zinsen beträgt 204,5 Mio. Euro. Zwei weitere Anleihen werden 2014 und 2015 fällig. Insgesamt liegen die Forderungen aus allen drei Anleihen bei 578 Mio. Euro.

Q-Cells spart und streicht Stellen

Was bleibt Q-Cells nun auch anderes übrig? Mithilfe eines extra aufgelegten Programms sollen Kosten gesenkt und die Produktivität gesteigert werden. Man plant, in der Verwaltung 25 bis 30 Prozent der Kosten einzusparen und auch die Produktion der Solarmodule soll in Zukunft weniger finanzielle Mittel verschlingen. Im Bereich Forschung und Entwicklung sollen auch Solarsysteme und Anwendungen bearbeitet werden, um schneller wettbewerbsfähige Angebote zu entwickeln. Die Kunden sollen im Vertrieb klarer fokussiert und die Strukturen vereinfacht werden.

Zudem ist im Gespräch, dass am Hauptsitz Bitterfeld-Wolfen jeder achte Arbeitsplatz abgebaut werden soll. Das Unternehmen spricht von 256 Mitarbeitern, die das Unternehmen verlassen werden. Hierzu soll ein Abfindungsprogramm Anreize schaffen, damit betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden können. Nach eigenen Angaben beschäftige Q-Cells im Juni insgesamt 2500 Mitarbeiter, davon etwa 2000 in Bitterfeld-Wolfen.

Kurzportrait

Die im Jahre 1999 gegründete und Thalheim/Sachen-Anhalt ansässige Q-Cells SE ist einer der weltweit größten Hersteller von Solarzellen. Im Jahr 2001 nahm Q-Cells die Produktion auf, wobei heute hochmoderne Produktionslinien in Malaysia und in Bitterfeld-Wolfen betrieben werden. Das Unternehmen hat sich hauptsächlich auf die Produktion von mono- und multikristalline Solarzellen auf Siliziumbasis spezialisiert. Inzwischen bietet Q-Cells aber auch Dünnschichtmodule an. Daneben arbeitet Q-Cells im Bezug auf die Fertigung ganzer Solarmodule mit führenden Moduleherstellern weltweit zusammen.

Die gesamte Solarzellenfertigung bei Q-Cells ist vollautomatisiert. Insgesamt bietet Q-Cells Solarzellen in vielen verschiedenen Qualitätsklassen an. Q-Cells legt bei der Fertigung und Herstellung seiner Zellen Wert auf beste Qualität, Optik und Leistung. Das Unternehmen legt auch großen Wert auf Schwachlichtverhalten und Leistungstoleranzen, die Q-Cells mit +/- 1,5 Prozent angibt. Mit der Einführung der ersten 6-Zoll-Solarzelle Q6 und dem Zellformat Q6L will sich das Unternehmen von seinem Wettbewerbern abgrenzen.

Q-Cells verkauft seine Produkte weltweit in mehr als 32 Ländern (Spanien, Frankreich, Italien, Türkei, Japan, Südkorea, China, USA, Südafrika etc.) und beliefert mehr als 67 Kunden wie zum Beispiel die Solon AG. Der Exportanteil liegt inzwischen bei weit über 50 Prozent, Tendenz steigend. Im Ausland ist das Unternehmen unter anderem mit seiner Tochter Q-Cells Asia Ltd. präsent. Zudem hält das Unternehmen weitere Beteiligungen an der EverQ GmbH und der CSG Solar AG. 33 Prozent werden an der kalifornischen Solaria Corporation gehalten, während Q-Cells 100 Prozent der Anteile an Sontor und Calyxo hält. Die Tochter Sontor wurde in 2009 mit dem Spezialisten Sunfilm fusioniert, um einen neuen Dünnschichtanbieter zu schaffen, an welchem Q-Cells mit 50 Prozent beteiligt sein wird. Darüber hinaus hat Q-Cells eine Kooperation mit der chinesischen LDK Solar im Bereich Silizium-Wafer geschlossen. Mitte 2009 stockte Q-Cells seine Beteiligung an der Solibro GmbH auf 100 Prozent auf.

Mit der Q-Cells International GmbH hat das Unternehmen in 2007 eine neue Tochter gegründet, die sich auf die Projektierung von Dachanlagen und Freiflächenanlagen konzentrieren soll. Im Mai 2009 trennte sich Q-Cells von seiner 17,2prozentigen Beteiligung an dem norwegischen Spezialisten Renewable Energy Corp (REC). Ende 2010 trennte sich Q-Cells von seiner Tochter Q-Cells Clean Sourcing GmbH. Im Frühjahr 2011 kündigte Q-Cells den Markteinstieg in den japanischen Markt an. Mitte 2011 stieg Q-Cells mit dem Modul Q.Peak in die Fertigung eigener Solarmodule ein.

Meldung gespeichert unter: Global PVQ

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