Nokia will auf der Landkarte bleiben und erfindet sich neu

Konzentration auf HERE Maps

Mittwoch, 7. Mai 2014 15:00
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(IT-Times) - Nach dem Verkauf der Mobiltelefonsparte an Microsoft fragen sich viele Anleger wohin die Reise bei Nokia geht. Einen ersten Vorgeschmack, was Investoren künftig von Nokia erwarten können, lieferte das finnische Unternehmen zu Wochenbeginn.

Nokia setzt dabei auf vernetzte Fahrzeuge und hat hierfür einen Connected-Car-Fond gegründet, der über Nokia Growth Partners (NGP) verwaltet wird. Mit 100 Mio. Euro sollen Unternehmen unterstützt werden, die Technologien für vernetzte Autos entwickeln.

Nokia setzt auf Kartensparte HERE
Mit dem Vorstoß will Nokia seinen Mapping-Service Nokia HERE stärker in den Vordergrund rücken und Entwickler für seine Plattform gewinnen. Die HERE-Erlöse schrumpften im jüngsten Quartal zwar um drei Prozent auf 209 Mio. Euro, allerdings zogen die externen HERE-Umsätze um 13 Prozent an. Die externen Erlöse zeichnen bereits für 89 Prozent der HERE-Umsätze verantwortlich, nachdem Nokias In-Car-System bereits als Location-System bzw. Dashboard-System bei Toyota, BMW und anderen Herstellern zum Einsatz kommt.

Boom bei vernetzten Fahrzeugen erwartet
Nokia (WKN: 870737) kündigte dann auch an, in diesem Jahr weiter in das HERE-Geschäft investieren zu wollen. Die Investitionen machen durchaus Sinn, war Nokias In-Car-System bereits in mindestens zehn Millionen Fahrzeugen, die in 2013 neu verkauft wurden, im Einsatz.

Marktbeobachter schätzen, dass vernetzte Fahrzeuge zu einer Art neuer Plattform avancieren und für Unternehmen neue Wachstumschancen ermöglichen. Die Marktforscher aus dem Hause Transparency Market Research gehen in einer Studie davon aus, dass der weltweite Markt für Connected Cars bis 2019 um jährlich knapp 35 Prozent auf 131,9 Mrd. US-Dollar klettern wird.

Turnaround im Netzwerkgeschäft erwartet
Die Netzwerkerlöse rund um die Sparte Nokia Solutions Networks (NSN) brachen zwar im jüngsten Quartal um 17 Prozent ein, jedoch rechnen die Finnen im zweiten Halbjahr 2014 schon wieder mit einer Trendwende - dann soll auch die Netzwerksparte auf den Wachstumskurs zurückkehren und mit ihr die Umsatzentwicklung, schließlich soll auch das Technologies-Segment in diesem Jahr - dank Lizenzzahlungen von Microsoft - bereits die Umsatzmarke von 600 Mio. Euro erreichen.

Kurzportrait

Die im Jahre 1865 gegründete und im finnischen Espoo ansässige Nokia stellte nach seiner Gründung ursprünglich Papier her. In den späteren Jahren machte sich Nokia als Hersteller von Gummistiefeln einen Namen. Erst im Jahre 1960 wandte sich Nokia den modernen Kommunikationstechniken zu. In den 80er Jahren stellte das Unternehmen dann elektronische Komponenten und ganze Computer her. Im Jahre 1987 folgte schließlich mit der Entwicklung von Mobilfunktelefonen der Durchbruch und der Beginn einer neuen Ära. Heute besitzt das Unternehmen mehr als 30.000 Patente im Mobilfunkbereich.

Das Unternehmen ist heute in drei wesentliche Kerngeschäftsbereiche unterteilt: Networks, (Nokia Solutions Networks), HERE und Technologies.

Nokia erregte in den vergangenen Jahren auch Aufmerksamkeit durch seine Expansion im Netzwerkbereich und entsprechende Firmenzukäufe. So kaufte Nokia unter anderem den GPS- und Kartenspezialisten Navteq im Rahmen einer Milliardentransaktion. Ende 2007 schloss man die Übernahme der Internettauschbörse Avvenu ab. Mitte 2008 kaufte Nokia auch die restlichen Anteile an dem britischen Mobile-Softwarehersteller Symbian. Daneben wurde auch die Übernahme des Softwarespezialisten Trolltech erfolgreich abgeschlossen. Mitte 2010 übernahm NSN die Netzwerkausrüstungssparte von Motorola. Mitte 2010 wurde zudem die Modemsparte (Wireless Modem) veräußert. Mitte 2011 trennte sich Nokia von seiner Operator Branded Messaging-Sparte (OBM). Gemeinsam mit der Siemens AG betreibt Nokia das 50:50 Joint Venture Nokia Siemens Networks (NSN).

Gleichzeitig verkaufte NSN seine Breitband-Festnetzsparte. Mitte 2012 trennte sich Nokia von seiner Luxus-Marke Vertu. Gleichzeitig wurde der Imaging-Spezialisten Scalado übernommen. Im Herbst 2012 kaufte Nokia ein Patentportfolio bestehend aus 500 Patenten und Patentanträgen an Vringo. Zudem wurde Ende 2012 der Kartenspezialist earthmine übernommen. Ende 2012 brachte Nokia seinen eigenen digitalen Kartenservice Here.net an den Start.

Mit seiner eigenen Internet-Plattform Ovi will Nokia im weltweiten Datennetz stärker Fuß fassen. Anfang 2011 schloss Nokia eine Kooperation mit Microsoft, womit Windows Phone zur Hauptplattform im Smartphone-Bereich aufsteigen soll. In diesem Bereich hofft Nokia mit seinen Windows Phone-basierten Lumia-Modellen auf einen Durchbruch. In 2013 gab Nokia den Verkauf seiner Mobile-Sparte an Microsoft bekannt, die Transaktion wurde im zweiten Quartal 2014 abgeschlossen.

Zahlen

In den ersten drei Monaten 2014 erzielte Nokia einen Umsatz von 2,66 Mrd. Euro, ein Rückgang um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das operative Ergebnis hingegen kletterte von minus 30 Mio. Euro auf plus 242 Mio. Euro. Das Ergebnis je Aktie stieg somit von minus 0,03 Euro auf plus 0,03 Euro an.

Meldung gespeichert unter: Nokia

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