Amazon.com wächst auf Kosten niedriger Gewinnmargen - Kindle ein Verlustbringer?

Montag, 31. Januar 2011 13:19
Amazon Unternehmenslogo

(IT-Times) - Zwar konnte der Online-Einzelhändler Amazon.com (Nasdaq: AMZN, WKN: 906866) das Jahr 2010 mit Rekorderlösen abschließen, dennoch gaben die Papiere des weltgrößten Online-Händlers zuletzt stark nach. Hintergrund sind Befürchtungen, wonach weitere Investitionen die Gewinnmargen des Unternehmens noch weiter drücken könnten.

Zwar konnte Amazon.com einen kräftigen Umsatzzuwachs von 36 Prozent auf 12,95 Mrd. US-Dollar im jüngsten Quartal melden, der operative Gewinn kletterte allerdings nur um vier Prozent auf 474 Mio. Dollar. Die operative Gewinnmarge sank auf 3,7 Prozent, nachdem Amazon.com Ende 2009 noch Margen von fünf Prozent vorweisen konnte. Gleichzeitig warnte der Online-Händler davor, dass die Margen in den ersten drei Monaten des laufenden Jahres auf 2,8 bis 3,8 Prozent weiter sinken könnten.

Amazon.com verkauft erstmals mehr eBooks als Papierausgaben - Kindle 3 avanciert zum Verkaufsschlager
Amazon.com setzt vor allem auf den eBook-Trend. Konsumenten greifen immer öfter zu elektronischen Buchausgaben, die auf Geräte wie dem Kindle oder dem iPad gelesen werden können. Für physische 100 Bücher, die der Online-Händler absetzen konnte, verkaufte Amazon.com 115 eBooks - damit verkaufte Amazon.com erstmals in der Firmengeschichte mehr eBooks als Papierausgaben.

Um das Geschäftspotential zu heben, sind jedoch weitere Investitionen erforderlich. Zum einen muss Amazon.com nicht nur in die technische Infrastruktur weiter investieren, sondern auch in die eBook-Reader Hardware. Zwar weigert sich Amazon.com beharrlich, detaillierte Verkaufszahlen im Bezug auf seinen Kindle zu veröffentlichen, doch ist die dritte Generation des Kindle der absolute Verkaufsschlager bei Amazon.com.

Bei Amazon.com heißt es nur, dass man bisher mehrere Millionen von Kindle verkaufen konnte. Analysten wie aus den Häusern Citigroup, Barclays Capital, BGC Partners LP und ThinkEquity schätzen, dass Amazon.com in 2010 rund fünf Millionen Kindle verkauft hat. Im Vergleich dazu, konnte Apple im vergangenen Quartal rund 7,4 Millionen iPads absetzen.

Amazon.com subventioniert Kindle-Hardware
Um nicht von der Tablet-Konkurrenz überrollt zu werden, bietet Amazon.com seinen Kindle preisgünstig für 189 US-Dollar an. Die Industrieanalysten aus dem Hause iSuppli beziffern allein die Materialkosten des Kindle auf 155,56 US-Dollar. Zieht man die Kosten für Software, Lizenzgebühren und die Herstellung hinzu, dürfte Amazon.com pro verkauftem Gerät nur einen kleinen Gewinn bzw. sogar einen Verlust machen, glauben Analysten.

Ziel von Amazon.com ist es, mit der Subventionierung seiner Hardware eine möglichst große und breite Kundenbasis zu schaffen, um später durch den Verkauf von eBooks und Anwendungen Geld zu verdienen - ob diese Strategie langfristig aufgeht, bleibt fraglich, steht Amazon.com in diesem Geschäftsbereich im direkten Wettbewerb zu Apple und seinem iBooks Store...

Kurzportrait

Die in Seattle ansässige Amazon.com öffnete seine virtuellen Einkaufstüren im Jahre 1995. Als Online-Buchhändler an den Start gegangen, entwickelte sich das Unternehmen in den letzten Jahren zu einem universellen Online-Kaufhaus, das nicht nur Bücher, sondern auch Musik-CDs, Videos, DVDs, Spielzeug, Computerspiele, Elektrogeräte, Küchenzubehör, Lebensmittel (Amazon Fresh) und vieles mehr anbietet. Nach eigenen Angaben nach bietet Amazon.com damit das weltweit größte Produktangebot im weltweiten Datennetz. Insgesamt ist das Internet-Unternehmen in mehr als 220 Ländern weltweit aktiv und betreut über 90 Millionen Kunden. Insgesamt operiert Amazon.com heute aus zwei Kerngeschäftsbereichen heraus: Nordamerika und International.

Neben dem eigentlichen Online-Produktangebot, bietet Amazon.com aber auch Auktionen und E-Commerce Plattformen (zShops) für Geschäftskunden an. Inzwischen können auch gebrauchte Produkte über die Internet-Plattform von Amazon.com verkauft werden.

Daneben hält der Online-Händler noch zahlreiche Beteiligungen an anderen Internet-Unternehmen. Über die Einheit Amazon.com Anywhere will das Unternehmen den Markt für den mobilen E-Commerce erschließen. Zuletzt konnte das Unternehmen mit Preisnachlässen und seinem Flate-Rate-Lieferservice (Amazon Prime) bei den Kunden punkten. Mit seinem Online-Buchshop Yoyo.com ist Amazon.com auch in China präsent.

Neben den USA ist das Unternehmen vor allem aber auch in Europa verstärkt aktiv. Niederlassungen in Asien und in Lateinamerika ergänzen den globalen Auftritt von Amazon.com. Nachdem Amazon.com Ende der 1990er Jahre mit Exchange.com, Accept.com und Alexa Internet einen dreistelligen Millionenbetrag für Zukäufe ausgab, stieg das Unternehmen in 2004 mit seiner Suchmaschine A9.com in den Markt für bezahlte Links ein. Mitte 2005 übernahm Amazon.com den DVD-Spezialisten CustomFlix Labs. Die Amazon-Tochter bietet erfolgreich DVD on Demand-Dienste an. Zugleich wurde der On-Demand-Spezialist BookSurge aufgekauft. In 2006 übernahm Amazon.com den US-Händler Shopbob. Im Frühjahr 2007 schluckte Amazon.com die englische Fotoseite dpreview.com Ende 2007 brachte Amazon seinen eBook-Reader Amazon Kindle auf den Markt und startete gleichzeitig die Frage- und Antwortseite Askville.com. Mit Audible, Shelfari, AbeBooks.com, Withoutabox, Fabric.com und dem Spielespezialisten Reflexive wurden in 2008 weitere Zukäufe getätigt. Nach der Übernahme von SnapTell, übernahm Amazon.com in 2009 den Online-Schuhhändler Zappos.com. Zudem kündigte Amazon.com mit AmazonBasics eine eigene Produktlinie an. Anfang 2010 schluckte Amazon.com mit Touchco zudem einen TouchScreen-Display-Spezialisten. Im Herbst 2010 verstärkte sich Amazon.com durch die Übernahme von BuyVip.com. Anfang 2011 übernahm Amazon.com den DVD-Verleiher Lovefilm vollständig.

Der visionäre Unternehmensgründer Jeff Bezos, welcher gleichzeitig als CEO der Gesellschaft fungiert, hält zusammen mit seiner Familie etwa ein Drittel der Anteile am Unternehmen.

Zahlen

Für das vergangene Dezemberquartal meldet Amazon.com einen Umsatzanstieg um 36 Prozent auf 12,95 Mrd. US-Dollar. Dabei konnte Amazon.com einen Nettogewinn von 416 Mio. US-Dollar oder 91 US-Cent je Aktie verbuchen, ein Zuwachs von acht Prozent, nach einem Profit von 384 Mio. Dollar oder 85 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode.

Mit den vorgelegten Gewinnzahlen übertraf Amazon.com zwar die Gewinnerwartungen, insgesamt blieb das Unternehmen hinter den Umsatzschätzungen der Analysten zurück. Diese hatten im Vorfeld mit Einnahmen von knapp 13 Mrd. Dollar und mit einem Nettogewinn von 88 US-Cent je Aktie gerechnet.

Das Nordamerika-Geschäft legte um 45 Prozent auf 7,21 Mrd. Dollar zu, während das internationale Geschäft um 26 Prozent auf 5,74 Mrd. Dollar kletterte. Das weltweite Mediengeschäft wuchs um 12 Prozent auf 5,23 Mrd. Dollar, während das Elektronikgeschäft um 60 Prozent auf 7,39 Mrd. Dollar anzog.

Meldung gespeichert unter: E-Commerce

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