Amazon.com kann Apple-Vorstoß gelassen entgegenblicken

Montag, 1. Februar 2010 14:01
Amazon Unternehmenslogo

(IT-Times) - Nach der Vorstellung des iPads durch Apple ist der Kampf um Marktanteile auf dem eBook-Markt voll entbrannt. Der Online-Einzelhändler Amazon.com (Nasdaq: AMZN, WKN: 906866) hat bereits eine erste Reaktion gezeigt und zähneknirschend der neuen Preisstrategie des Verlagsgiganten Macmillan zugestimmt. Der Verlag will künftig mehr Geld für elektronische Bücher verlangen, nachdem Amazon.com populäre Titel bislang zu 9,99 US-Dollar anbot.

Jedoch gehört Macmillan zu den größten Anbietern von englischsprachigen Büchern weltweit und Amazon.com kann es sich in der aktuellen Wettbewerbslage nicht leisten, auf ein derartiges Angebot in seinem Kindle Bookstore zu verzichten. Noch streiten sich Marktbeobachter und Analysen, inwieweit der Markteintritt von Apple den Erfolg von Amazon.com auf dem eBook-Markt beeinträchtigen wird.

Analysten sehen nur wenig Auswirkungen durch den iPad
Jefferies-Analyst Youssef Squali geht davon aus, dass der Markteintritt von Apple dem Kindle-Hersteller nur zwei bis drei Prozentpunkte an Umsatzwachstum für das laufende Jahr kosten wird. Squali hatte bislang ein Umsatzwachstum von 36 Prozent für Amazon.com für 2010 prognostiziert.

Ähnlich sieht man die Lage auch bei der US-Investmentbank Cowen & Co, dessen Analysten keine signifikanten Auswirkungen durch den iPad für Amazon erwarten. Die Analysten begründen ihre Ansicht mit dem Umstand, dass sich der iPad aufgrund seines Displays weniger gut für längere Lesesitzungen eignet, als der Kindle. Der eBook-Reader von Amazon.com kommt mit einem E-Ink Display daher und eignet sich damit aufgrund der schärferen Schriftdarstellung besser zum Lesen, meinen die Cowen-Experten.

Zudem kann Amazon.com auf seine Marktmacht und Vorreiterrolle im Bezug auf seinen bereits bestehenden Bookstore vertrauen, während Apple erst noch ein entsprechendes Angebot aufbauen muss. Zwar sehen die Analysten in der iTunes Plattform durchaus eine mächtige Vertriebsplattform, allerdings fährt Amazon.com eine offenere Strategie als Apple.

Mit Hilfe der Kindle App lassen sich die aus dem Kindle Store heruntergeladenen eBook nicht nur auf dem PC, sondern auch auf dem iPhone, dem iPod Touch, auf dem BlackBerry und auch auf dem iPad lesen. Eine entsprechende Android-Anwendung der Kindle App dürfte in diesem Jahr folgen. Beim Kindle Store handelt es sich um einen Cloud-basierten Service, wodurch der Nutzer nicht zwingend notwendig im Besitz eines Kindle sein muss, um das eBook-Angebot von Amazon.com zu nutzen.

Die von Amazon.com betriebene Discount-Preisstrategie dürfte dem Online-Giganten zudem bei der Kundenbindung helfen. Auch wenn sich Apples iPad deutlich besser verkaufen sollte, als der Amazon Kindle, dürfte wohl der Online-Buchhändler den größeren Umsatz im eBook-Geschäft verzeichnen, was nicht unwichtig ist, gilt das eBook-Geschäft bei Amazon trotz der Discount-Preisstrategie als profitabel…

Kurzportrait

Die in Seattle ansässige Amazon.com öffnete seine virtuellen Einkaufstüren im Jahre 1995. Als Online-Buchhändler an den Start gegangen, entwickelte sich das Unternehmen in den letzten Jahren zu einem universellen Online-Kaufhaus, das nicht nur Bücher, sondern auch Musik-CDs, Videos, DVDs, Spielzeug, Computerspiele, Elektrogeräte, Küchenzubehör, Lebensmittel (Amazon Fresh) und vieles mehr anbietet. Nach eigenen Angaben nach bietet Amazon.com damit das weltweit größte Produktangebot im weltweiten Datennetz. Insgesamt ist das Internet-Unternehmen in mehr als 220 Ländern weltweit aktiv und betreut über 80 Millionen Kunden.

Neben dem eigentlichen Online-Produktangebot, bietet Amazon.com aber auch Auktionen und E-Commerce Plattformen (zShops) für Geschäftskunden an. Inzwischen können auch gebrauchte Produkte über die Internet-Plattform von Amazon.com verkauft werden.

Daneben hält der Online-Händler noch zahlreiche Beteiligungen an anderen Internet-Unternehmen. Über die Einheit Amazon.com Anywhere will das Unternehmen den Markt für den mobilen E-Commerce erschließen. Wenn es nach Amazon.com geht, sollen Kunden in naher Zukunft mit Hilfe des Mobiltelefons ihre Einkäufe erledigen können. Zuletzt konnte das Unternehmen mit Preisnachlässen und seinem Flate-Rate-Lieferservice (Amazon Prime) bei den Kunden punkten.

Neben den USA ist das Unternehmen vor allem aber auch in Europa verstärkt aktiv. Niederlassungen in Asien und in Lateinamerika ergänzen den globalen Auftritt des weltweit führenden Online-Händlers. Nachdem Amazon.com in den Jahren 1999 mit Exchange.com, Accept.com und Alexa Internet einen dreistelligen Millionenbetrag für Zukäufe ausgab, stieg das Unternehmen in 2004 mit seiner Suchmaschine A9.com in den Markt für bezahlte Links ein. Mitte 2005 übernahm Amazon.com den DVD-Spezialisten CustomFlix Labs. Die Amazon-Tochter bietet erfolgreich DVD on Demand-Dienste an. Zugleich wurde der On-Demand-Spezialist BookSurge aufgekauft. In 2006 übernahm Amazon.com den US-Händler Shopbob. Im Frühjahr 2007 schluckte Amazon.com die englische Fotoseite dpreview.com Ende 2007 brachte Amazon seinen eBook-Reader Amazon Kindle auf den Markt und startete gleichzeitig die Frage- und Antwortseite Askville.com. Mit Audible, Shelfari, AbeBooks.com, Withoutabox, Fabric.com und dem Spielespezialisten Reflexive wurden in 2008 weitere Zukäufe getätigt. Nach der Übernahme von SnapTell, übernahm Amazon.com in 2009 den Online-Schuhhändler Zappos.com. Zudem kündigte Amazon.com mit AmazonBasics eine eigene Produktlinie an.

Mit seinem Online-Buchshop Yoyo.com ist Amazon.com auch in China präsent. Durch eine Kooperation mit dem DVR-Spezialisten TiVo können Amazon-Kunden Filme über die Amazon-Seiten (Amazon Unbox) herunterladen und auf dem Fernseher abspielen.

Der visionäre Unternehmensgründer Jeff Bezos, welcher gleichzeitig als CEO der Gesellschaft fungiert, hält zusammen mit seiner Familie etwa ein Drittel der Anteile am Unternehmen.

Zahlen

Für das vergangene Dezemberquartal meldet Amazon.com einen Umsatzsprung um 42 Prozent auf 9,52 Mrd. US-Dollar. Rund 200 Mio. Dollar zum Gesamtumsatz trug dabei der übernommene Online-Schuhhändler Zappos bei.

Insgesamt verdiente Amazon.com im jüngsten Quartal 384 Mio. Dollar oder 85 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 225 Mio. Dollar oder 52 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode. Mit den vorgelegten Zahlen konnte Amazon.com dann auch die Markterwartungen der Analysten spürbar übertreffen. Diese hatten im Vorfeld nur mit Einnahmen von 9,04 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 72 US-Cent je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: E-Commerce

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