Yahoo - Turnaround lässt auf sich warten

Donnerstag, 23. Juli 2009 12:53
Yahoo Unternehmenslogo

(IT-Times) - Trotz eines enttäuschenden Ausblicks legten die Aktien des Internet-Portals Yahoo (Nasdaq: YHOO, WKN: 900103) zuletzt kräftig zu. Hintergrund waren weniger die Geschäftszahlen für das jüngste Quartal, sondern Marktgerüchte, wonach Yahoo unmittelbar vor einem Deal mit dem Softwarekonzern Microsoft steht.

Wie das Wall Street Journal berichtet, könnte Yahoo schon in Kürze einen Suchmaschinen-Deal mit Microsoft bekannt geben. Doch wie könnte ein solcher Deal aussehen? Szene-Beobachter halten die Wahrscheinlichkeit für groß, dass beide Firmen ihre Suchmaschinenaktivitäten zusammenlegen werden, um gemeinsam gegen den übermächtigen Konkurrenten Google zu Felde zu ziehen. Zusammen würden beide Firmen auf einen Marktanteil von etwa 30 Prozent im Suchmaschinen-Markt kommen.

Mit Microsofts Hilfe zum Turnaround?
Dabei könnte insbesondere auf Microsofts neue Suchmaschine Bing.com eine größere Rolle zukommen. Yahoo könnte seine eigene Suchtechnik durch Bing ersetzen und damit Zahlungen von bis zu drei Mrd. Dollar von Microsoft erhalten. Im Gegenzug überlässt Yahoo dem Redmonder Softwarehaus de facto seinem Marktanteil im Suchmaschinenmarkt.

Daneben scheint auch eine engere Zusammenarbeit im Bereich Online-Werbeanzeigen zwischen beiden Firmen denkbar. Microsoft hatte zuletzt kräftig in das Online-Werbegeschäft investiert, wobei der große Erfolg bislang aber ausblieb. Durch eine Bündelung der Aktivitäten könnten beide Firmen auch in diesem Bereich Synergieeffekte heben.

Einen Erfolg hat auch Yahoo dringend nötig, verliert das Unternehmen immer mehr an Boden gegenüber Google. Lediglich durch Kostensenkungen konnte Yahoo im jüngsten Quartal seinen Gewinn steigern, während die Marketing-Erlöse weiter zurückgingen.

Yahoo schluckt Xoopit
Ein Relaunch der Yahoo Homepage soll künftig mehr Besucher auf die Seite locken. Mit Direktlinks auf Facebook, Twitter & Co will Yahoo künftig verhindern, dass Besucher die Yahoo-Seiten verlassen. Daneben will Yahoo stärker in Technik und Inhalte investieren, um weiter wettbewerbsfähig zu bleiben. Einen ersten Schritt hat das Unternehmen bereits getan und den Email-Spezialisten Xoopit übernommen. Xoopit gilt als Spezialist für Mail-Anwendungen, wodurch Yahoo seinen eigenen Dienst Yahoo Mail weiter aufwerten kann.

Wie auch immer die Verhandlungen mit Microsoft ausgehen, Yahoo wird vorerst weiter kräftig investieren müssen, um nicht nur gegen Google, sondern auch gegen Facebook & Co nicht weiter an Boden zu verlieren…

Kurzportrait

Das Internet-Unternehmen Yahoo wurde ursprünglich im Jahre 1994 von den Studenten Jerry Yang und David Filo als Internet-Suchmaschine gegründet. Die Suchmaschine Yahoo sollte das Navigieren im weltweiten Datennetz erleichtern und das Auffinden von Informationen vereinfachen. Heute präsentiert sich das Unternehmen als vollwertiges Internet-Portal, das seinen weltweit 580 Mio. Nutzern im Monat umfassende Services und Zusatzdienste bietet.

Der eigentliche Aufstieg der Gesellschaft begann im Jahre 1996 mit dem Börsengang an die Nasdaq. So folgten bereits zwei Jahre nachdem IPO die Übernahmen der Internet-Unternehmen WebCal, Viaweb, HyperParallel und Yoydyne Entertainment. Im Jahre 1999 nutzte das Unternehmen geschickt die hohe eigene Börsenbewertung für weitere milliardenschwere Zukäufe. So wurde unter anderem die weltweit führende Online-Gemeinschaft GeoCities, wie auch der Internet-Dienst broadcast.com übernommen. Mit der Akquisition von Online Anywhere, Encompass und Log-Me-On.com stillte das Unternehmen seinen Expansionsdrang. Nach und nach wurden Auslandstöchter gegründet und das inhaltliche Angebot weiter ergänzt, so dass Yahoo bereits im Jahre 1998 ein umfassendes Inhaltsangebot anbieten konnte und nicht länger nur als Suchmaschine fungierte.

In den Jahren 1999 bis 2000 ergänzte das Unternehmen sein Angebot durch weitere Special-Interest-Angebote. Im Jahr 2001 folge die Übernahme des Online-Musikdienstes Launch Media. Mit der Akquisition der Online-Stellenbörse HotJobs.com konnte Yahoo den Mitbieter TMP Worldwide ausstechen. Im Jahr 2002 übernahm Yahoo den Suchmaschinenspezialisten Inktomi, um seine Suchtechnik zu stärken. Im Jahr 2003 verstärkte sich Yahoo durch die Übernahme von Overture Services im Bereich „sponsored Links“, um dem bisherigen Marktführer Google die Stirn zu bieten. Danach folgte die Übernahme des chinesischen Suchspezialisten 3721 Network Software. Anschließend übernahm Yahoo den Web-Spezialisten Musicmatch und den VoIP-Spezialisten DialPad Communications. Gleichzeitig beteiligte sich Yahoo für insgesamt einer Mrd. Dollar mit 40 Prozent an Chinas führendem E-Commerce Unternehmen Alibaba.com und brachte damit gleichzeitig seine China-Aktivitäten in das Venture mit ein. Später übernahm Yahoo den Bookmark-Dienst Del.icio.us sowie die Musik-Community Webjay. Im Juni 2006 erwarb Yahoo zehn Prozent an dem südkoreanischen E-Commerce-Spezialisten GMarket, die inzwischen an eBay verkauft wurde. Gleichzeitig kaufte Yahoo den Video-Editor Jumpcut. Im Herbst folgte schließlich die Akquisition des Online-Werbespezilaisten AdInterax. Ende 2006 übernahm Yahoo über seine Einheit Yahoo Kimo die taiwansche Social-Media-Plattform WRETCH. Anfang 2007 kaufte man die Online-Community MyBlogLog. Später übernahm Yahoo den Spezialisten Right Media vollständig. Mitte 2007 schluckte Yahoo die Webseite Rivals.com, das Werbenetzwerk BlueLithium sowie den Email-Spezialisten Zimbra und die Newsseite BuzzTracker. Anfang 2008 übernahm Yahoo die Videoplattform Maven Networks und den Marketing-Spezialisten IndexTools. Ende 2008 trennte sich Yahoo von seiner Preissuchmaschine Kelkoo. Mitte 2009 übernahm Yahoo den Foto-Service Xoopit.

Die Einnahmequelle Werbeeinnahmen trägt nach wie vor die Mehrheit der gesamten Yahoo-Umsätze. Durch Kooperationen mit AT&T und BT vermarktet Yahoo! auch erfolgreich Breitbandzugangsservices. Die beiden Firmengründer David Filo und Jerry Yang halten nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Yahoo, wobei Jerry Yang in 2007 den glücklosen Terry Semel als Yahoo-CEO ablöste.

Zahlen

Für das vergangene Juniquartal meldet Yahoo einen Umsatzrückgang um 13 Prozent auf 1,57 Mrd. US-Dollar, der stärkste Rückgang seit drei Jahren. Abzüglich etwaige Provisionen an Werbepartner setzte Yahoo netto 1,14 Mrd. Dollar um. Die Marketing-Erlöse schrumpften um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während die Gebührenerlöse um acht Prozent zurückgingen. Dabei verdiente das Internet-Portal 141,4 Mio. Dollar oder zehn US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 131,2 Mio. Dollar oder neun US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Mit den vorgelegten Zahlen konnte Yahoo die Markterwartungen leicht übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld mit einem Nettoumsatz von 1,14 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von acht US-Cent je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Yahoo

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