Yahoo: Neuer CEO - neue Chance?

Donnerstag, 15. Januar 2009 13:04
Yahoo Unternehmenslogo

(IT-Times) Nach zweimonatiger Suche ist das Internet-Portal Yahoo (Nasdaq: YHOO, WKN: 900103) fündig geworden. Die ehemalige Autodesk-Managerin Carol Bartz soll künftig Yahoo wieder auf die Erfolgsspur zurückführen. Die 60-jährige Managerin gilt als zielstrebig und erfolgsorientiert. Marktbeobachter rechnen daher damit, dass Bartz bei Yahoo hart durchgreifen und weitere Top-Manager entlassen wird, nachdem bereits die Yahoo Presidentin Susan Decker freiwillig ihren Rücktritt eingereicht hatte. Weitere organisatorische Umstrukturierungen dürften ebenfalls folgen.

Noch aber ist nur wenig bekannt, mit welcher Strategie Bartz versuchen wird, das ehemals erfolgreiche Internet-Portal wieder zu neuem Glanz zu verhelfen. Wie Dow Jones berichtet, soll die neue Yahoo-Chefin eher dazu neigen, an dem bisherigen Yahoo-Suchmaschinengeschäft festzuhalten. Zuvor wurde immer wieder spekuliert, Yahoo könnte sich von dem Geschäft trennen und dieses an Microsoft verkaufen, um sich voll auf sein Portal-Geschäft zu konzentrieren.

Partnerschaft mit Microsoft rückt wieder näher
Gegenüber Mitarbeitern soll Bartz sich dahingehend geäußert haben, dass sie erst die Vor- und Nachteile dieses Geschäfts näher kennen müsse, um eine Entscheidung zu treffen. So soll Bartz in den letzten 24 Stunden bereits Gespräche mit Microsoft-Chef Steve Balmer über eine mögliche Kooperation geführt haben. Dabei ging es offenbar nicht um einen Verkauf des Geschäfts, sondern um eine neue Partnerschaft zwischen Microsoft und Yahoo.

Doch aus zwei Verlierern wird nicht gleich ein Gewinner. Auch wenn sich Microsoft und Yahoo gegen Google verbünden, bedeutet das nicht die Lösung der Probleme für Yahoo. Insbesondere Microsoft hat im Suchmaschinenmarkt zuletzt weiter Marktanteile verloren, während Google seine Vormachtstellung immer weiter ausbaut. Der Kampf im Suchmaschinenmarkt scheint damit zu Gunsten von Google entschieden, auch wenn beide Rivalen dies noch nicht wahrhaben wollen.

Yahoos Stärken liegen vielmehr im Portal- und Inhaltsgeschäft. Seiten wie Yahoo Finance ziehen nach wie vor Millionen von Nutzern an, eine Plattform die sich bei Werbetreibenden gut vermarkten lässt. Eine Fokussierung auf dieses Geschäft könnte sich für Yahoo langfristig auszahlen und das langfristige Überleben als eigenständiges Unternehmen sichern.

Die Chancen sind durchaus vorhanden. Yahoo ist nach wie vor profitabel und sitzt auf Barreserven von 3,3 Mrd. Dollar und könnte diese für geschickte Zukäufe nutzen. Die Zeit ist günstig, denn im Zuge der Wirtschaftskrise sind auch die Firmenbewertungen gesunken. Jetzt liegt es an der neuen Führung, diese wohl einmalige Chance zu nutzen…

Kurzportrait

Das Internet-Unternehmen Yahoo wurde ursprünglich im Jahre 1994 von den Studenten Jerry Yang und David Filo als Internet-Suchmaschine gegründet. Die Suchmaschine Yahoo sollte das Navigieren im weltweiten Datennetz erleichtern und das Auffinden von Informationen vereinfachen. Heute präsentiert sich das Unternehmen als vollwertiges Internet-Portal, das seinen weltweit mehr als 500 Mio. Nutzern im Monat umfassende Services und Zusatzdienste bietet.

Der eigentliche Aufstieg der Gesellschaft begann im Jahre 1996 mit dem Börsengang an die Nasdaq. So folgten bereits zwei Jahre nachdem IPO die Übernahmen der Internet-Unternehmen WebCal, Viaweb, HyperParallel und Yoydyne Entertainment. Im Jahre 1999 nutzte das Unternehmen geschickt die hohe eigene Börsenbewertung für weitere milliardenschwere Zukäufe. So wurde unter anderem die weltweit führende Online-Gemeinschaft GeoCities, wie auch der Internet-Dienst broadcast.com übernommen. Mit der Akquisition von Online Anywhere, Encompass und Log-Me-On.com stillte das Unternehmen seinen Expansionsdrang. Nach und nach wurden Auslandstöchter gegründet und das inhaltliche Angebot weiter ergänzt, so dass Yahoo bereits im Jahre 1998 ein umfassendes Inhaltsangebot anbieten konnte und nicht länger nur als Suchmaschine fungierte.

In den Jahren 1999 bis 2000 ergänzte das Unternehmen sein Angebot durch weitere Special-Interest-Angebote. Im Jahr 2001 folge die Übernahme des Online-Musikdienstes Launch Media. Mit der Akquisition der Online-Stellenbörse HotJobs.com konnte Yahoo den Mitbieter TMP Worldwide ausstechen. Im Jahr 2002 übernahm Yahoo den Suchmaschinenspezialisten Inktomi, um seine Suchfunktionen weiter zu stärken. Im Jahr 2003 verstärkte sich Yahoo durch die Übernahme von Overture Services im Bereich „sponsored Links“, um dem bisherigen Marktführer Google die Stirn zu bieten. Danach folgte die Übernahme des chinesischen Suchspezialisten 3721 Network Software. Anschließend übernahm Yahoo den Web-Spezialisten Musicmatch und den VoIP-Spezialisten DialPad Communications. Gleichzeitig beteiligte sich Yahoo für insgesamt einer Mrd. Dollar mit 40 Prozent an Chinas führendem E-Commerce Unternehmen Alibaba.com und brachte damit gleichzeitig seine China-Aktivitäten in das Venture mit ein. Zuletzt übernahm Yahoo den Bookmark-Dienst Del.icio.us sowie die Musik-Community Webjay. Im Juni 2006 erwarb Yahoo zehn Prozent an dem südkoreanischen E-Commerce-Spezialisten GMarket. Gleichzeitig kaufte Yahoo den Video-Editor Jumpcut. Im Herbst folgte schließlich die Akquisition des Online-Werbespezilaisten AdInterax. Ende 2006 übernahm Yahoo über seine Einheit Yahoo Kimo die taiwansche Social-Media-Plattform WRETCH. Anfang 2007 kaufte man die Online-Community MyBlogLog. Später übernahm Yahoo den Spezialisten Right Media vollständig. Mitte 2007 schluckte Yahoo die Webseite Rivals.com, das Werbenetzwerk BlueLithium sowie den Email-Spezialisten Zimbra und die Newsseite BuzzTracker. Anfang 2008 übernahm Yahoo die Videoplattform Maven Networks und den Marketing-Spezialisten IndexTools. Ende 2008 trennte sich Yahoo von seiner Preissuchmaschine Kelkoo.

Die Einnahmequelle Werbeeinnahmen trägt nach wie vor die Mehrheit der gesamten Yahoo-Umsätze. Durch Kooperationen mit AT&T und BT vermarktet Yahoo! auch erfolgreich Breitbandzugangsservices. Die beiden Firmengründer David Filo und Jerry Yang halten nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Yahoo, wobei Jerry Yang in 2007 den glücklosen Terry Semel als Yahoo-CEO ablöste.

Zahlen

Der Yahoo-Umsatz kletterte im vergangenen Septemberquartal nur noch um ein Prozent auf 1,79 Mrd. Dollar. Abzüglich Provisionen an Partnerfirmen erzielte Yahoo einen Umsatz von 1,32 Mrd. Dollar. Der Gewinn brach dabei um 64 Prozent auf 54,3 Mio. US-Dollar oder vier US-Cent je Aktie ein, nach einem Plus von 151,3 Mio. Dollar oder elf US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Mit den vorgelegten Zahlen verfehlte Yahoo die Markterwartungen deutlich. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 1,37 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von neun US-Cent je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Yahoo

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