Time Warners soziale Ader

Freitag, 14. März 2008 13:04
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(IT-Times) Der US-Medienkonzern Time Warner (NYSE: TWX, WKN: 592629) sorgte am Vortag für einen Paukenschlag. Für 850 Mio. Dollar übernahm die Online-Tochter AOL den Social-Networking-Spezialisten Bebo. Damit steigt AOL gleichzeitig zur Nummer drei in der Branche auf, denn Bebo gilt mit weltweit 40 Mio. registrierten Nutzern hinter MySpace.com und Facebook als das weltweit drittgrößte Social-Networking-Portal.

Mit Hilfe von AOL will Bebo weiter expandieren und in fünf weiteren Ländern Europas Fuß fassen. Bislang dominiert das Unternehmen in England, Irland und in Neuseeland. In den USA ist Bebo hingegen mit rund 3,5 Mio. Besucher monatlich nur die Nummer drei im Markt - dies soll sich durch die Fusion mit AOL ändern.

Nach den jüngsten Zukäufen ranken sich bereits neue Gerüchte, wonach die Einkaufstour von AOL noch lange nicht beendet ist. Nach Yedda, Goowy und jetzt Bebo, soll mit KickApps bereits der nächste Social-Networking-Spezialist auf der Wunschliste von AOL stehen, so Branchengerüchte. Demnach könnte AOL bis zu 90 Mio. Dollar für KickApps zahlen, mutmaßt der Branchendienst TechCrunch.

Time Warner poliert AOL für Verkauf auf
Doch die soziale Ader von Time Warner erfüllt keinen Selbstzweck. Vielmehr will das Unternehmen durch die jüngsten Zukäufe nicht nur weg von seinem rückläufigen Internet-Zugangsgeschäft, auch soll die Online-Tochter offenbar für einen möglichen Verkauf bzw. Börsengang aufgehübscht werden.

Time Warner Chef Jeff Bewkes zeigt sich bereits aufgeschlossen gegenüber einem Verkauf von AOL bzw. einer Aufspaltung der Online-Tochter. Branchengerüchte zufolge fanden bereits Gespräche zwischen Yahoo und AOL statt, wonach Time Warner sein Online-Geschäft mit Yahoo zusammenlegen könnte. Durch die Übernahme von Bebo durch AOL dürfte ein solcher Deal für Yahoo nochmal interessanter werden, schließlich verpasste man bereits die große Chance, den Bebo-Rivalen Facebook zu übernehmen. Zudem ist Yahoo bereits exklusiver Werbevermarkter bei Bebo.

Ferner würde durch eine Fusion Yahoo/AOL ein Gegengewicht zu Google und Microsoft entstehen, denn immerhin kam AOL zuletzt auf 112 Mio. Besucher im Monat (ohne Bebo) und setzte in 2007 rund 5,2 Mrd. US-Dollar um. Während Time Warner und Yahoo die Gewinner eines solchen Deals wären, hätte der große Rivale Microsoft das Nachsehen - eine Übernahme von Yahoo wäre dann wohl vom Tisch.

Kurzportrait

Mit mehr als neun Mio. Kunden gilt Time Warner nicht nur als einer der größten Internet Service Provider in Amerika, gleichzeitig betreibt das Unternehmen mit AOL.com eines der größten Internet-Portale und ist durch die Fusion mit Time Warner auch in den Besitz von Filmstudios, Kabel-Kanälen, sowie Plattenlabels gekommen. Im Medienbereich verlegt die Gesellschaft etwa 36 Zeitschriften. Zwar muss Time Warner sein Kabelnetz auch für Konkurrenten öffnen, doch auch in Sachen Breitbandzugang nimmt die Gesellschaft eine führende Position ein. Gleichzeitig sollen künftig mehr kostenfreie Services auf den Webseiten angeboten werden, um so die Werbeumsätze zu erhöhen.

Im Jahr 2004 verkaufte Time Warner seine Einheit Warner Music und erlöste dadurch 2,6 Mrd. Dollar, um seine Nettoverschuldung weiter zu reduzieren. Anfang 2005 übernahm Time Warner über seine Tochter Time Inc den Verlag Essence Communications Partners (Suede-Magazin). Später erwarb Time Warner gemeinsam mit Comcast die insolvente US-Kabelgesellschaft Adelphia Communications. Im Herbst 2005 übernahm Time Warner über seine Online-Einheit AOL den Speicher- und Backup-Spezialisten Xdrive sowie den Mobiltechnikspezialisten Wildseed Ltd. Zudem kaufte Time Warner das mexikanische Verlagshaus Grupo Editorial Expansion. Des Weiteren wurde über AOL der Blogging-Spezialist Weblogs aufgekauft. Anfang 2006 übernahm Time Warner den Videosuchdienst Truveo und Games.com. Zugleich wurde die Buch-Sparte (Time Warner Book Group) abgestoßen. Im Frühjahr 2006 verstärkte sich AOL erneut im Videobereich und kaufte den Werbespezialisten Lightningcast. Gleichzeitig stellte AOL seine Strategie um, wonach künftig Software- und Email-Dienste für Breitband-Kunden kostenfrei zugänglich sein sollen. Im Herbst 2006 verstärkte sich AOL erneut im Spielebereich durch die Übernahme des Spiele-Magazins GameDaily.com, nachdem man im Vorfeld den Community-Spezialisten Userplane aufkaufte. Nachdem man zuvor AOL Deutschland an die Telecom Italia verkaufte, trennte sich Time Warner dann auch von seiner französischen (AOL France) und englischen Online-Einheit (AOL UK). Im Jahr 2007 kaufte AOL dann weiter zu und verstärkte sich im Werbebereich durch die Übernahmen von Third Screen Media, Adtech AG und Tacoda. Im März 2008 wurde die britische Social-Networking-Plattform Bebo übernommen.

Um den Bereich E-Commerce weiter zu fördern, gründete AOL gemeinsam mit 30 weiteren Unternehmen das Projekt „Liberty Alliance Project“, welches in Konkurrenz zu Microsofts Passport-Technologie steht.

Mit dem AOL Instant Messenger hat sich der Internet Service Provider eine Vormachtstellung sichern können. Die AOL-Anwendung ist das meistgenutzte Kommunikationsinstrument, wenn es um den Austausch von Kurzmitteilungen über das Internet geht.

Zahlen

Für das zurückliegende Dezemberquartal konnte Time Warner einen Umsatzanstieg auf 12,64 Mrd. US-Dollar melden, ein Zuwachs von zwei Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Gewinn brach dabei zunächst aber um 41 Prozent auf 1,03 Mrd. Dollar oder 28 US-Cent je Aktie ein, nach einem Plus von 1,75 Mrd. Dollar oder 44 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Time Warner einen Nettogewinn von 29 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Markterwartungen erfüllen. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 12,65 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 29 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Das TV-Kabelgeschäft konnte deutlich zulegen. So kletterten die Gewinne bei Time Warner Cable um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr, wobei die Umsätze um 12 Prozent anzogen. Time Warner hält aktuell noch 84 Prozent an seiner Kabel-Tochter. Allerdings musste auch die Time Warner Cable Einheit einen Rückgang von 50.000 Videoabonnenten im jüngsten Quartal melden.

Meldung gespeichert unter: Time Warner

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