The9 droht sich in Abseits zu spielen

Dienstag, 12. August 2008 12:50
The9

(IT-Times) Der chinesische Online-SpielebetreiberThe9 (Nasdaq: NCTY, WKN: A0DNY7) ist weiterhin vom Blockbuster „World of Warcraft“ abhängig, den das Unternehmen in Lizenz in China vermarktet. Fast 90 Prozent steuerte das MMORPG auch im jüngsten Quartal zum Gesamtumsatz bei. Obwohl The9 die Gewinnerwartungen wie im Vorquartal deutlich übertreffen konnte, reagieren Analysten und Investoren mit Zurückhaltung und verkaufen Aktien im großen Stil.

Hintergrund ist die weiterhin unsichere Vertragssituation im Hinblick auf „World of Warcraft“. Die Lizenzvereinbarung mit Blizzard läuft Mitte 2009 aus und bislang hat The9 den Kontrakt noch nicht verlängert. Gerüchten zufolge steht zwar The9 unmittelbar vor der Vertragsverlängerung mit Activision Blizzard, dürfte dabei aber Abstriche bei den Konditionen hinnehmen müssen, glauben Marktbeobachter.

Weit schwerer wiegt jedoch die bislang nicht zufriedenstellende Performance außerhalb von „World of Warcraft“. Mit den Online-Spielen „FIFA Online 2008“ und „Audition 2“ sowie „Hellgate: London“ wollte sich The9 mehr Unabhängigkeit verschaffen. Doch während The9 inzwischen schon Monate auf die Genehmigung der chinesischen Behörden zum Betrieb von „FIFA Online 2008“ wartet, haben sich die Hoffnungen auf „Hellgate:London“ zerschlagen. Der Entwickler Flagship Studios ist pleite, so dass die Zukunft des Games mehr als ungewiss ist.

Granado Espado floppt in China
Daneben muss The9 einen weiteren Rückschlag hinnehmen. Das von Hanbit lizenzierte MMORPG „Granado Espada“ kommt im Reich der Mitte weit weniger gut an, als erwartet. Im jüngsten Quartal gingen Nutzer und Einnahmen aus dem Spiel deutlich zurück.

Sollte sich dieser Trend weiter fortsetzen, droht dem Online-Spiel das gleiche Schicksal wie zuvor „Guild Wars“. Das ebenfalls mit vielen Vorschusslorbeeren ins Rennen gegangene MMORPG musste mangels Interesse in China geschlossen werden.

Die Hoffnungen ruhen daher auf die beiden kommenden Titel „Audition 2“ und „Atlantica Online“, die The9 noch vor Jahresende auf den chinesischen Markt bringen will. Doch auch hier läuft nicht alles glatt. So muss The9 auf den chinesischen Namen von „Audition“ verzichten, nachdem nicht klar ist, wer die Rechte an der Marke Audition in China hält.

Zwar investiert The9 inzwischen kräftig in die eigene Entwicklungsabteilung, bislang ist es dem Unternehmen aber nicht gelungen, selbst einen potentiellen Blockbuster hervorzubringen…

Kurzportrait

Die im Jahre 1999 gegründete und in Schanghai ansässige The9 gilt als einer der führenden Online-Spielentwickler in China. Das Unternehmen rief im Jahr 2000 die Spiele-Community the9 City ins Leben und kommerzialisierte die Community-Plattform Ende 2000. Haupteinnahmequelle ist das von Blizzard lizenzierte Online-Rollenspiel „World of Warcraft“, was seit Mitte 2005 kommerziell in China vermarktet wird.

Daneben hat The9 eine Exklusiv-Lizenz zum Betrieb des 3D-Online-Rollenspiels „MU“ und „Mystina Online“ für China erworben. Ferner hat The9 eine Exklusiv-Lizenz von Hanbitsoft erworben, um das von der südkoreanischen Spieleschmiede entwickelte 3D Online-Rollenspiel „Granado Espada“ in China zu betreiben. Gleichzeitig erwarb The9 die Vertriebsrechte für die Online-Spiele „Soul of Ultimate Nation“, „Guild Wars“, „Hellgate: London“, „Ragnarok 2„, „Huxley“ sowie „Field of Honor“ und „Audition“ (I und II) in China.

Das im eigenen Haus entwickelte 3D Online-Rollenspiel „Joyful Journey West“ soll künftig ebenfalls zu den Einnahmen beitragen. Zudem hat The9 eine Exklusiv-Lizenz von Beijing Powerspace Technology Development erworben, um das 3D Material Arts Spiel „ZhiZun“ in China zu vermarkten. Anfang 2005 beteiligte sich The9 an dem in Beijing ansässigen Online-Spielentwickler TKgame. Mitte 2005 übernahm The9 den Lizenzinhaber von „World of Warcraft“ China The9 Ltd (C9I) vollständig.

Neben gebührenpflichtigen Spielservices erzielt The9 noch Einnahmen aus Online-Werbung und aus dem Geschäft mit SMS-Services. Zudem hat The9 eine Lizenz erworben, um den südkoreanischen Service Avatar - in China bekannt unter dem Namen MakeMe - zu vermarkten. Daneben hält The9 noch Minderheitsbeteiligungen an dem Spieleportal Beijing Wanwei (40 Prozent), sowie an dem Spielentwickler Object Software (20 Prozent). Die Beteiligung an dem Joint Venture 9Webzen wurde hingegen von 51 auf 30 Prozent zurückgefahren. Mitte 2006 hat sich The9 an Infocomm Asia Holdings mit 20 Prozent beteiligt, welches die Rechte zum Vertrieb von „Granado Espada“ und „Hellgate: London“ in acht südostasiatischen Ländern hält. Mitte 2007 stieg die amerikanische Electronic Arts bei The9 ein und beteiligte sich mit 15 Prozent der Anteile an dem chinesischen Unternehmen. Mitte 2008 schloss The9 ein Joint Venture mit der südkoreanischen T3 Entertainment und beteiligte sich an der T3-Mutter G10 Entertainment mit 38 Mio. Dollar.

Zahlen
Für das vergangene zweite Quartal 2008 meldet The9 einen Nettoumsatzanstieg um 69 Prozent auf 66,1 Mio. US-Dollar. Während die Erlöse aus gekauften Spielezeiten um 69 Prozent auf 60,7 Mio. Dollar kletterten, kletterte das Geschäft mit dem Verkauf von virtuellen Gegenständen um 134 Prozent auf 5,5 Mio. Dollar. Gegenüber dem Vorquartal ergibt sich in diesem Bereich allerdings ein Rückgang von 18 Prozent, bedingt durch schwächere Erlöse des Spiels „Granado Espada“.

Meldung gespeichert unter: The9

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