SolarWorld - Deutschlands größter Solarmodulhersteller bereits gescheitert?

Dienstag, 14. August 2012 13:55
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(IT-Times) - Deutschlands größter unabhängiger Solarkonzern SolarWorld steht am Scheideweg. Nach katastrophalen Zahlen für das vergangene zweite Quartal 2012 kämpft das einstige Vorzeigeunternehmen der deutschen Solarbranche selbst ums Überleben.

Als Hauptgrund für die Misere macht SolarWorld-Chef Frank Asbeck insbesondere die Dumpingpreise der chinesischen Hersteller verantwortlich. Die Preise für Solarmodule waren in 2011 um bis zu 50 Prozent eingebrochen. Im ersten Halbjahr 2012 ging es mit den Preisen noch einmal um 12 Prozent nach unten.

Preisverfall geht weiter - Stabilisierung erst in 2013
Für das verbleibende zweite Halbjahr 2012 erwarten die Marktforscher aus dem Hause IHS iSuppli einen weiteren Preisrückgang um 11 bis 12 Prozent. Ende 2012 dürfte sich der durchschnittliche Preis für ein Solarmodul bei 0,57 Euro pro Watt (0,70 US-Dollar) bewegen, schätzen die Analysten.

Hintergrund des Preisverfalls sind die nach wie vor bestehenden Überkapazitäten im Markt. Die IHS-Experten schätzen die Modulproduktionskapazitäten in 2012 auf 49,4 Gigawatt (GW), während sich die Nachfrage in diesem Jahr auf 30,2GW summieren dürfte. Die Preise dürften sich frühestens in 2013 langsam stabilisieren, glauben die Industrieanalysten.

Doch das Preisdumping aus China ist nur die halbe Wahrheit. SolarWorld (WKN: 510840) hat sich durch überteuerte und langlaufende Lieferverträge für Silizium teilweise selbst in die Krise manövriert. Im zweiten Quartal 2012 musste SolarWorld daher hohe Wertberichtigungen vornehmen (80,2 Mio. Euro auf geleistete Anzahlungen). Händler und Investoren fürchten nunmehr, dass weitere Abschreibungen in den nächsten Quartalen notwendig sind, wenn sich der Preisverfall weiter fortsetzt.

Zukunft mehr als ungewiss
Um die Krise zu bewältigen, will SolarWorld-Chef Asbeck weitere 300 Arbeitsplätze bis Jahresende streichen. Ferner sollen 50 Mio. Euro in Forschung und in die Entwicklung neuer patentgeschützter Zelltechnik investiert werden. Dabei sollen vor allem Solarprodukte im Vordergrund stehen, die dem Eigenverbrauch dienen.

Doch auch die Konkurrenz schläft nicht. So hat der chinesische Marktführer Suntech mit seiner Pluto Zelltechnologie bereits Module mit 19 Prozent Wirkungsgrad im Programm, auch bei der amerikanischen SunPower ist man mit der dritten Zell-Generation bereits bei einem Wirkungsgrad von 24 Prozent angekommen.

Der Spielraum für die Erforschung neuer zukunftsträchtiger Zelltechnologien ist bei SolarWorld begrenzt, nachdem das Unternehmen mit langfristigen Schulden von knapp 700 Mio. Euro zu kämpfen hat. Sollte es dem Unternehmen nicht gelingen, die Kosten schneller zu senken, als die Preise fallen, könnte dem Unternehmen das gleiche Schicksal ereilen wie Q-Cells, Solarhybrid, oder Solar Millennium - der Gang in die Insolvenz.

Kurzportrait
Die SolarWorld AG mit Sitz in Bonn gilt als ein führender Spezialist für Solarstromtechnik und bietet Produkte beginnend mit dem Rohstoff über das Modul bis hin zum individuellen System. Gegründet wurde SolarWorld bereits im Jahr 1988, seinerzeit als Ingenieurbüro für Industrieanlagen. Im Jahr 1999 folgte der Gang an die Börse. Nachdem SolarWorld in der Vergangenheit den Großteil seiner Umsätze in Deutschland erzielte, wuchs der Auslandsanteil am Gesamtumsatz inzwischen auf über 50 Prozent.

Mit seinen Sunkits-Bausätzen bietet das Unternehmen individuell auf den Kunden zugeschnittene Lösungen, wobei SolarWorld bei seinen Solarmodulen auf hohe Qualität, Haltbarkeit und Stabilität Wert legt. Im Marktbereich Solarmodule ist das Unternehmen mit seinem Produkt Sunmodule Plus am Start, das einen hohen Wirkungsgrad bei gleichzeitig hoher Qualität und Sicherheit verspricht.

Mit dem Energiedach bietet SolarWorld auch eine Dacheindeckung mit Solarlaminaten an, wobei der Kunde die Auswahl zwischen einem Komplettdach und einer Indach-Lösung hat. Neben kleineren Projekten offeriert SolarWorld aber auch Lösungen zur Realisierung von Großanlagen. In diesem Bereich ist das Unternehmen nicht nur Deutschland, sondern verstärkt auch im Ausland aktiv.

Ein weiteres wichtiges Standbein bei der Beschaffung von Silizium ist die Recyclingfähigkeit der Module bzw. Zellen. Hier ist das Unternehmen über die 100prozentige Tochtergesellschaft Deutsche Solar AG aktiv. Um sich den langfristigen Zugriff auf Solarsilizium zu sichern, gründete SolarWorld im Jahr 2002 das Joint Venture Joint Solar Silicon. Während die Degussa AG 51 Prozent der Anteile an diesem Venture hält, ist SolarWorld mit 49 Prozent beteiligt.

Im Jahr 2006 wurde ein weiteres Joint Venture mit der niederländischen Scheuten Solarholding B.V. gegründet. Sowohl Scheuten Solarholding als auch SolarWorld halten jeweils 50 Prozent an dem Joint Venture SolarWorld Solizium GmbH. Daneben hält SolarWorld noch 35 Prozent der Anteile an dem schwedischem Solarmodulehersteller Gälllivare PhotoVoltaic (AB). Bereits im Jahr 2006 verstärkte sich die SolarWorld durch die Übernahme der kristallinen Solaraktivitäten der Shell Solar. Anfang 2010 gründete SolarWorld das Joint Venture Qatar Solar Technologies (QST), an welchem das Unternehmen 29 Prozent der Anteile hält. Ende 2010 gab SolarWorld die Übernahme der Solarparc AG bekannt. Mitte 2011 trennte sich SolarWorld von seinem südkoreanischen Fertigungs Joint Venture.

Meldung gespeichert unter: SolarWorld

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