Solar 2009: Eine Branche, die sich finden muss

Freitag, 16. Januar 2009 15:19
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(IT-Times) 2008 war für die Solarindustrie weltweit ein bewegendes Jahr. Die steigenden Energiekosten verhalfen der Solarbranche zu einem Nachfrage- und Investitionsschub, von dem die meisten Akteure profitieren konnten. Der Trend gipfelte darin, dass mit der SolarWorld AG im November ein Unternehmen vorschlug, den angeschlagenen Autobauer Opel zu übernehmen. Ob es sich hierbei nun um eine PR-Masche oder aber um einen ernstzunehmenden Hintergrund handelte – die Zeichen waren deutlich: Es wächst ein neuer Industriezweig, der in seiner Kraft und Dynamik an die Erfolge alter, auf dem absteigenden Ast befindlicher Industriezweige anknüpfen kann.

Was folgte war die globale Finanz- und Wirtschaftskrise. Und plötzlich muss sich die Solarbranche in ihren vielen einzelnen Wertschöpfungsgliedern (mehr dazu im Freitags-Special der kommenden Woche) der Realität stellen und erkennen, dass es doch nicht grenzenlos bergauf gehen wird. Fraglich, ob es heute noch ein Übernahmeangebot für Opel durch SolarWorld gäbe. Und das, obwohl der angedeutete Coup gerade einmal zwei Monate her ist.

Unternehmen und Privathaushalte sind heute jedoch zurückhaltender bei der Investition in die neue Energieform. Zudem sank jüngst die Bereitschaft von Banken, die Finanzierung neuer Projekte mitzutragen.
 

Kapazitäten steigen, Preise sinken

Das Marktforschungsunternehmen iSuppli Corp. jedenfalls warnt vor einer drohenden Rezession in der Solarbranche. Demnach werden Überkapazitäten und nachlassende Nachfrage in diesem Jahr zu fallenden Preisen führen. Das wiederum zieht sinkende Umsätze nach sich. iSuppli erwartet für 2009 einen weltweiten Umsatzrückgang von knapp 20 Prozent. Nach einem Gesamtjahresumsatz von 15,9 Mrd. US-Dollar in 2008 soll der Branchenumsatz voraussichtlich auf 12,9 Mrd. Dollar sinken. Gegenläufig zu den sinkenden Umsätzen gestaltet sich allerdings die Entwicklung der Kapazitäten. So erwartet iSuppli einen Anstieg der Gesamtkapazitäten um 9,6 Prozent auf 4,2 Gigawatt. Produziert würden hingegen 62 Prozent mehr Panels mit einer Gesamtleistung von rund 11,1 Gigawatt. Alleine an diesem Überschuss an Angebot zeige sich, wie extrem die Preisabstriche werden könnten. Bereits im letzten Jahr war das Angebot doppelt so hoch wie die Nachfrage, in 2009 soll das Angebot 168 Prozent über dem Nachfrageniveau liegen. Eine Stabilisierung des Marktes erwarten die Marktforscher erst für die zweite Jahreshälfte 2010. So würden dann, nachdem zahlreiche schwache Anbieter vom Markt verschwunden seien, die Umsätze auf dem Photovoltaik-Markt wieder steigen.
 

Hoffen auf Barack Obama

In den USA hofft man indes, dass durch die Wahl Barack Obamas zum nächsten Präsidenten eine neue Ära der Solarenergieentwicklung in den USA eingeläutet wird. Davon geht zumindest das IT-Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner aus. Der Hintergrund: Die Nachfrage nach Solarenergie ist abhängig von staatlichen Fördermitteln, weil sie derzeit noch teurer ist als herkömmliche Formen der elektrischen Energiegewinnung. Trotzdem wird die neue US-Regierung versuchen, Investitionen in Solarprojekte zu fördern, wenn sie durch die Mehrheit in beiden Kammern ihre Pläne umsetzen kann. Ein größerer Schwerpunkt auf erneuerbaren Energien und eine Erhöhung des Investitionsfreibetrags für Solarprojekte von 30 Prozent, der letzten Monat verabschiedet wurde, könnte das enorme Potenzial der USA in Sachen Solarenergie schließlich zur Geltung bringen. Das wiederum könnte dazu führen, dass die USA Deutschland in ein paar Jahren den Rang als größter Photovoltaikmarkt abspenstig macht.
 

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Von staatlichen Fördertöpfen hängen manche Solarunternehmen indirekt ab. Wie zum Beispiel die in Erlangen ansässige Solar Millennium AG. Große solarthermische Anlagen, wie sie Solar Millennium entwickelt und realisiert, erfordern schon mal 300 Mio. Euro an Investitionskosten, die erst dann nachgefragt werden, wenn es dafür satt Gelder aus staatlichen Fördertöpfen gibt. Durch die jetzige Finanzkrise dürften sich die Bedingungen zur Finanzierung solcher Großprojekte deutlich verschlechtert haben, so dass Projektverschiebungen drohen.
 

Lieferanten spüren den Druck zu Preissenkungen

Derzeit ist Deutschland international führend, nahezu entlang der gesamten solaren Wertschöpfungskette. Das hängt auch mit der staatlichen Förderung alternativer Energie in Deutschland und durch die EU zusammen. Vor allem die Hersteller von Vorprodukten wie Wafer und Solarzellen spüren derzeit aber schon einen neuen Preisdruck. In der jüngeren Vergangenheit sind die Modulpreise immer weiter gesunken, die Kosten für Wafer und Zellen aufgrund bestehender Verträge jedoch gleich hoch geblieben, was sich negativ auf den Gewinn der Hersteller auswirkt.

Meldung gespeichert unter: SolarWorld

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