Software AG wird nach Kurssturz zum Übernahmekandidaten

Freitag, 13. Januar 2012 13:55
Software AG

(IT-Times) - Eine heftige Umsatz- und Gewinnwarnung sorgte zu Wochenbeginn dafür, dass die Anteile der Software AG in der Spitze um bis zu 26 Prozent einbrachen - der größte Kurssturz seit April 2002. Durch den Kurseinbruch sank der Börsenwert von Deutschlands zweigrößtem Softwarehaus auf zuletzt nur noch 2,04 Mrd. Euro.

Die Software AG (WKN: 330400) führt die schwächere Entwicklung nicht zuletzt auf das schwache Amerika-Geschäft sowie auf eine allgemeine Zurückhaltung bei den Kunden zurück. Die Gewinnwarnung kam überraschend, kamen vor zwei Monaten aus Darmstadt noch optimistischere Töne.

Analysten fragen sich daher, ob die jüngste Umsatz- und Gewinnwarnung unternehmensspezifisch ist, oder ob die schwächeren Zahlen allein auf das allgemeine Wirtschaftsumfeld zurückzuführen sind. Exane Paribas Analyst Josep Bori glaubt, dass die jüngsten negativen Entwicklungen dem makroökonomischen Umfeld geschuldet sind. Der Analyst rät langfristig orientierten Anlegern daher in der aktuellen Schwächephase zum Zukauf von Anteilen.

Niedrige Bewertung löst Übernahmegerüchte aus - HP, SAP, IBM und Oracle werden als Interessenten gehandelt
Darüber hinaus verweist Bori gegenüber Bloomberg auch auf die Übernahmefantasie, die durch den jüngsten Kurssturz entstanden sei. Nachdem der Börsenwert der Software AG zuletzt auf gut zwei Mrd. Euro sank, könnte das Unternehmen für potentielle Bieter wie Hewlett-Packard (HP) oder den deutschen Softwarehersteller SAP interessant werden, glaubt der Analyst.

HP hatte sich erst jüngst im Softwarebereich durch die 10,3 Mrd. Dollar teure Übernahme des britischen Softwarespezialisten Autonomy verstärkt. Allerdings ist bekannt, dass HP im Softwaremarkt weiter Fuß fassen will, nachdem sich das Unternehmen im PC-Geschäft sinkender Gewinnmargen und Marktanteile gegenüber sieht.

Als weiterer Interessent wird der Walldorfer Softwarehersteller SAP gehandelt. SAP hatte sich erst jüngst durch die Übernahme des Softwarespezialisten SuccessFactors (Mitarbeiter-Management) für 3,4 Mrd. Dollar in bar verstärkt. Ebenfalls interessiert könnte der US-Technologiekonzern IBM sein, der sich bereits in 2007 den weltweit drittgrößten Business-Intelligence-Softwareanbieter Cognos für rund fünf Mrd. US-Dollar einverleibt hatte. Nicht zu vergessen ist dabei der US-Softwarekonzern Oracle. Der agile Oracle-Chef Larry Ellison hält immer nach günstigen Übernahmezielen Ausschau. Auch Oracle hatte sich in 2007 durch die Übernahme von Hyperion für 3,3 Mrd. Dollar im Markt für Business Intelligence Software verstärkt.

Streibich: Unternehmen steht nicht zum Verkauf
Alle vier Unternehmen könnten sich durch die Übernahme der Software AG mit einem Schlag auf Platz eins für Geschäftsprozessoptimierung katapultieren und dies zu einem echten Schnäppchenpreis. Ob es dazu kommt, hängt maßgeblich vom Management der Software AG ab.

Software AG Chef Karl-Heinz Streibich hatte sich im November 2011 noch dahingehend geäußert, dass das Unternehmen nicht zum Verkauf steht. Vielmehr wolle man weiter selbständig bleiben und den Umsatz und Gewinn alle fünf bis sechs Jahre verdoppeln, hieß es immer wieder. Diese Pläne könnten jedoch schnell zu Makulatur werden, sollte es der Software AG nicht gelingen, sein US-Geschäft neu auszurichten.

Kurzportrait

Die in Darmstadt ansässige Software AG ist ein weltweit agierender Anbieter von Produkten und Dienstleistungen für IT-Infrastrukturen mit serviceorientierten Architekturen (SOA). Das Unternehmen ist auf zwei Geschäftsfeldern tätig und hat Produktentwicklung sowie Vertrieb in zwei Geschäftsbereiche ausgerichtet: Enterprise Transaction Systems (ETS) und Crossvision.

ETS besetzt das Feld Datenbanken und basiert vor allem auf dem Datenbankmanagementsystem Adabas sowie der Entwicklungsumgebung Natural. Crossvision ist eine SOA-Suite, die XML (Extended Markup Language) ist eine universale Datenbeschreibungssprache; Tamino XML Server ist eines der Hauptprodukte in diesem Bereich) und Prozessintegrationstechnologien (EntireX, ApplinX) miteinander kombiniert. Hierdurch können Nutzer neue Geschäftsprozesse in ihre bestehende IT-Infrastruktur integrieren. Operativ agiert das Unternehmen in den drei Regionen Zentral- und Osteuropa/Asien, Nordamerika/Nordeuropa und Süd- und Westeuropa/ Lateinamerika. Zu den wichtigsten Produkten der Software AG zählen das Datenbankmanagementsystem Adabas, die SOA-Registry und -Repository Centrasite, die Entwicklungsumgebung Natural, das SOA-Paket webmethods und Analyseplattform Aris. Die Software AG bietet Wartung, Lizenzierung und weitere Dienstleistungen an. Inzwischen wird ein Drittel des Umsatzes über Lizenzen erwirtschaftet.

Im Frühjahr 2007 verstärkte sich das Unternehmen im Bereich Web Services und SOA-Lösungen durch die Übernahme der amerikanischen webMethods. Bereits zuvor übernahm das Softwarehaus mehrheitlich die israelische SPL Software. Ende 2007 schluckte die Software AG die Softwaresparte von Jacada. Mitte 2009 übernahm die Software AG den Schweizer IT-Spezialisten Teconomic AG. Gleichzeitig übernahm die Software AG im Jahr 2009 Deutschlands drittgrößtes Softwarehaus IDS Scheer. Im Frühjahr 2010 wurde der CEP-Spezialist RTM Realtime Monitoring GmbH übernommen. In 2011 verstärkte sich die Software AG durch die Übernahme von Metismo und Terracotta.

Sechs Mitarbeiter des Beratungshauses AIV (Institut für Angewandte Informationsverarbeitung) gründeten das Unternehmen 1969 in Darmstadt. Adabas ist eines der ersten Produkte, schnell folgte die Internationalisierung mit dem Markteintritt in den USA. Seit 2008 vermarktet die Software AG seine Produkte direkt in Brasilien. Am 26. April 1999 ging die Software AG an die Börse und notiert heute im TecDAX. Die Software beschäftigte zuletzt mehr als 5.600 Mitarbeiter und betreut weltweit mehr als 5.000 Kunden in über 70 Ländern. Die Software AG gehört zu 29 Prozent der Software AG Stiftung.

Zahlen

Die Software AG hat auf Basis einer ersten Konsolidierung der Umsatz- und Ergebnisschätzungen der Konzerngesellschaften im vierten Quartal 2011 einen Gesamtumsatz in Höhe von ca. 290 Mio. bis 295 Mio. Euro erzielt und fiel damit gegenüber 326,7 Mio. Euro im Vorjahr um ca. acht bis zehn Prozent.

Im Wachstumssegment BPE (innovative Software für Integration und Prozessautomation) konnte der Lizenzumsatz im Berichtsquartal im deutschsprachigen Markt und in der Region EMEA um ca. 40 Prozent gesteigert werden. In den USA ging hier jedoch der Umsatz zurück, so dass der Gesamtumsatz des Geschäftsbereichs mit 145 bis 148 Mio. Euro währungsbereinigt in etwa auf Vorjahreshöhe lag.

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