Qualcomm vor neuerlichem Wachstumsschub?

Dienstag, 14. Februar 2006 11:56
Qualcomm

(IT-Times) - Nach einem verhaltenen Gewinnausblick auf das laufende Fiskaljahr 2006 scheint der Aufwärtstrend beim Mobilfunkchip-Hersteller und CDMA-Pionier Qualcomm (Nasdaq: QCOM, WKN: 883121) zunächst gestoppt.

Hauptwachstumsmotor dürfte weiterhin der stürmisch wachsende Wideband CDMA-Markt sein, eine Technik die im Rahmen der dritten Generation der Mobilfunknetze (3G) zum Einsatz kommt. Vor allem in Europa und in Japan versprechen sich Marktbeobachter in den nächsten Jahren traumhafte Zuwachsraten in diesem Bereich.

Credit Suisse First Boston Analyst Michael Ounjian sieht daneben auch Qualcomms MediaFLO-Technik als einen entscheidenden Wachstumsträger für die Zukunft, nachdem sich jüngst mit Verizon Wireless Amerikas führender Mobilfunker für die Qualcomm-Technologie entschieden hat, um entsprechende Video-Services anzubieten. Die CSFB-Experten glauben, dass die zunehmende Akzeptanz der MediaFLO-Technik in den nächsten zwei bis drei Jahren zu positiven Überraschungen beim Gewinn führen wird.

Streit um Patente

Risiken sehen die CSFB-Analysten in den jüngsten gerichtlichen Auseinandersetzungen, welche insbesondere das Wachstum in Europa gefährden könnten. Im Oktober vergangenen Jahres hat Ericsson gemeinsam mit Nokia, Broadcom und Texas Instruments eine Klage gegen Qualcomm in Europa angestrengt. Dabei geht es um die Lizenzierung von Patenten im Zusammenhang mit 3G-Technologie. Die Kläger werfen Qualcomm vor, gegen internationale Standards verstoßen zu haben. Unter anderem seien die Lizenzbedingungen diskriminierend und die Lizenzgebühren zu hoch, so der Vorwurf der Kläger.

Der Breitband-Chiphersteller Broadcom ging sogar noch einen Schritt weiter und wirft Qualcomm die Verletzung von zwei seiner Patente vor. Die letzte Runde im Patentstreit zwischen den beiden Streithähnen ging allerdings an Qualcomm. Ein US-Gericht entschied Anfang Februar, dass Broadcom zunächst seine Patentklage nicht weiter vorbringen kann. Schon im Vorfeld holte Qualcomm zum Gegenschlag aus und verklagte seinerseits Broadcom. Broadcom habe angeblich neun Patente im Zusammenhang mit GSM-, WiFi- und Video-Chips verletzt. Der Fall soll in San Diego weiter verhandelt werden...

Kurzportrait

Die im Jahre 1985 gegründete und in San Diego ansässige Qualcomm gilt als einer der weltweit führenden Anbieter von digitalen Kommunikationschips für die Mobilfunk-, Satelliten- und Telematikindustrie. Dabei gilt das Unternehmen als Pionier der sogenannten CDMA-Technologie (Code Division Multiple Access). Qualcomm dominiert diesen Mobilfunkstandard mit einem Marktanteil von rund 90 Prozent. Dabei vermarktet das Unternehmen seine CDMA-Technik inklusiver zugehöriger Software über die im Jahre 1995 gegründete Qualcomm CDMA Technologies (QCT). Zu den Lizenznehmern dieser Technik zählt unter anderem auch der weltgrößte Mobilfunkhersteller Nokia. Die Einheit QCT produziert die Chipsätze allerdings nicht selbst, sondern lässt diese von anderen Hightech-Spezialisten, wie von IBM und anderen Halbleiterherstellern fertigen.

Das im Jahre 1998 von Microsoft und Qualcomm ins Leben gerufene Joint Venture Wireless Knowledge entwickelt hingegen Software, welche die Funktionalität von Microsofts Exchange Server und Lotus Domino Server hinsichtlich mobiler Datenübertragung erweitern soll. Wireless Knowledge vertreibt seine Produkte dabei über Mobilfunk-Provider, wie SprintPCS und Verizon Wireless.

Über seine Tochter SnapTrack vertreibt Qualcomm auch sein Satellitenortungs- und Überwachungssystem OmniTRACS, welches nicht nur von Speditionsfirmen in den USA eingesetzt wird. Auch in Japan wollen Firmen künftig auf das so genannte „Wireless Assisted GPS“ setzen. Daneben vertreibt Qualcomm auch seinen populären Email-Client Eudora. Zuletzt kaufte Qualcomm Geschäftsteile des Telekomspezialisten Alcatel. Gleichzeitig übernahm Qualcomm gegen Ende 2004 den Interface-Spezialisten Trigenix Ltd. Im Jahr 2005 kaufte Qualcomm den britischen Softwarespezialisten Elata sowie den Technologiespezialisten Flarion Technologies. Anfang 2006 kaufte Qualcomm schließlich den Halbleiterspezialisten Berkana Wireless.

Mit mehr als 600 eingetragenen Patenten will sich Qualcomm den notwendigen technischen Vorsprung gegenüber der Konkurrenz verschaffen. Zu den Kunden von Qualcomm zählen Technologiefirmen aus Asien, wie Samsung, Kyocera, Via und LG Electronics, aber auch US-Firmen, wie Verizon Wireless und Sprint.

Im Jahr 2002 gab Qualcomm ein umfangreiches Investitionsprogramm bekannt, in dessen Rahmen rund 100 Mio. Dollar in die Entwicklung der CDMA-Technik in China investiert werden sollen. Darüber hinaus investierte Qualcomm in den letzten Jahren bis zu 200 Mio. Dollar in das europäische Joint Venture Inquam.

Zahlen

Für das vergangene erste Fiskalquartal 2006 meldet Qualcomm einen Umsatzanstieg auf 1,74 Mrd. US-Dollar, ein Zuwachs von 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt konnte der Mobilfunkchip-Entwickler 47 Mio. high-end Chipsätze ausliefern.

Der Gewinn kletterte zunächst auf 620 Mio. Dollar oder 36 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 513 Mio. Dollar oder 30 US-Cent je Anteil im Jahr vorher. Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen ergibt sich für das jüngste Quartal ein operativer Gewinn von 39 US-Cent je Aktie, womit Qualcomm die Erwartungen der Analysten um einen Cent je Anteil übertreffen konnte.

An der Wall Street hatte man im Vorfeld zwar mit Einnahmen von 1,75 Mrd. Dollar, aber nur mit einem Nettogewinn von 38 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Meldung gespeichert unter: Code Division Multiple Access (CDMA)

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