Nokia hofft auf Microsoft und setzt auf Entlassungen

Donnerstag, 9. Juni 2011 14:13
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MÜNSTER (IT-Times) – Die Gerüchteküche brodelt. Nokia Oyj verkauft weltweit zwar noch immer die meisten Mobiltelefone, hat den Smartphone-Trend aber gehörig verschlafen. Nun gab es in der jüngeren Vergangenheit Gerüchte, dass die Mobile Division von Nokia verkauft werden soll.

Nokia selbst dementiert diese Gerüchte allerdings. Zunächst hieß es, Microsoft habe Interesse an der Mobile Division und sei bereit, 19 Mrd. US-Dollar dafür zu bezahlen. Beide Unternehmen wollen zwar in vielen Bereichen eng kooperieren, ein Verkauf sei nach Angaben beider Unternehmen aber kein Thema.

Auch der südkoreanische Elektronik-Konzern Samsung wird aktuell verdächtigt, an Nokia interessiert zu sein. Beide Unternehmen wollen diese Gerüchte derzeit nicht kommentieren. Ein klares Dementi sieht sicherlich anders aus...

Enge Zusammenarbeit mit Microsoft

Verlässt man die Gerüchteküche und wendet sich den Fakten zu, so steht fest, dass Nokia eng mit Microsoft zusammen gerückt ist, um gemeinsam im zukunftsträchtigen Smartphone-Markt an Einfluss zu gewinnen. Ziel der gemeinsamen Arbeit ist die Entwicklung eines mobilen Ökosystems sowie die weitere Zusammenarbeit an der Plattform des Windows Phones. Zudem soll sich die Partnerschaft der Unternehmen auf die Entwicklung neuer Nokia-Produkte fokussieren.

In diesem Kontext basiert die Kooperation von Nokia und Microsoft auf vier Hauptbereichen. Zum einen sollen sich beide Unternehmen kapital ergänzen und Anwendungen für das Windows Phone sowie Software bereit stellen. Weiterhin erhalte Microsoft eine fortlaufende Umsatzbeteiligung von Nokia für die Plattform des Windows Phones. Diese werde beginnen, sobald die ersten Nokia Produkte mit dem Windows Phone Betriebssystem geliefert werden. Nokia hofft durch die Plattform des Windows Phones Betriebskosten einzusparen. Drittens wird Nokia für die eigene Wertschöpfung im Rahmen des Windows Phones einige, bislang nicht weiter manifestierte, Mrd. US-Dollar an Zahlungen von Microsoft erhalten. Der letzte Punkt des Vertrages betrifft die Sicherung des geistigen Eigentums. Nokia werde auch hierfür substanzielle Zahlungen erhalten.

Erste Windows Phone Telefone von Nokia (WKN: 870737) sollen allerdings erst Ende 2011 auf den Markt kommen. Zudem solle der Mobiltelefonhersteller Compal Communications den Auftrag zur Lieferung der Smartphones von Nokia erhalten haben und im vierten Quartal mit der Fertigung beginnen. Nokia werde zwei Modelle liefern: eines, das über Touch Screen genutzt werden könne, und eines mit einem Tastenfeld, das zur Bedienung genutzt werden soll.

Ovi kommt in die Mottenkiste

Ursprünglich war Nokia mit der Software- und Multimedia-Plattform Ovi mal angetreten, um im Wettbewerb mit Apples iTunes zu bestehen. Man darf durchaus formulieren, dass das Unternehmen hierbei grandios gescheitert ist. Der damit „verbrannte“ Markenname Ovi wird folgerichtig abgeschafft. Die noch bestehenden Software- und Multimediadienste werden nun einfach unter Nokia vertrieben.

Entlassungen als letzter Ausweg gegen den Margendruck

Jüngst gab Nokia weit reichende Pläne bekannt, nach denen eine Menge Mitarbeiter entlassen und Standorte zusammengelegt werden sollen. Diese Maßnahmen seien wichtig, um die Ausgaben für die Bereiche Devices und Services zu reduzieren, so Nokia. Den Arbeitnehmern drohen dabei Entlassungen und Verlegungen. Insgesamt will Nokia schon im Jahr 2013 eine Mrd. Euro im Bereich Devices und Services einsparen. Hierzu werden bis zum Ende des Jahres 2012 rund 4.000 Mitarbeiter entlassen werden. Davon betroffen seien vor allem Mitarbeiter in Dänemark, Finnland und Großbritannien. Die von Entlassungen betroffenen Mitarbeiter sollen bis zum Jahresende 2011 weiterhin ihr Gehalt von Nokia erhalten. Weitere Phasen des Personalabbaus sollen bis Ende 2012 folgen.

Zeitgleich will man aber die Kapazität zur Herstellung des auf Windows Phone 7 basierenden Smartphones hochfahren. Man sieht sich im Unternehmen deutlich auf die Marktführung in den Bereichen Smartgeräte und Mobiltelefone fokussiert. Und mit diesen Erkenntnissen geht die Entlassung von Mitarbeitern einher. Nokia will daher auch einige Niederlassungen ausbauen, während andere geschlossen werden sollen.

Kurzportrait

Die im Jahre 1865 gegründete und im finnischen Espoo ansässige Nokia stellte nach seiner Gründung ursprünglich Papier her. In den späteren Jahren machte sich Nokia als Hersteller von Gummistiefeln einen Namen. Erst im Jahre 1960 wandte sich Nokia den modernen Kommunikationstechniken zu. In den 80er Jahren stellte das Unternehmen dann elektronische Komponenten und ganze Computer her. Im Jahre 1987 folgte schließlich mit der Entwicklung von Mobilfunktelefonen der Durchbruch und der Beginn einer neuen Ära.

Nokia entwickelte damals das erste Mobilfunktelefon, mit dem Ziel auf Basis des GSM-Netzes ein globales mobiles Kommunikationsnetz in Europa zu schaffen. Heute ist Nokia der weltweit führende Handy-Hersteller. Das Unternehmen ist heute in drei wesentliche Kerngeschäftsbereiche unterteilt: Devices and Services, Navteq und der Netzwerksparte (Nokia Siemens Networks).

Nokia erregte in den vergangenen Jahren auch Aufmerksamkeit durch seine Expansion im Netzwerkbereich. So erwarb der finnische Technologiekonzern in den vergangenen Jahren Beteiligungen an amerikanischen Netzwerkfirmen wie Ipsilon Networks, Aircom International, Rooftop Communications, Ramp Networks und F5 Networks. Später übernahm Nokia den Softwarespezialisten Eizel Technologies. Im Jahr 2004 kaufte Nokia Lizenzen und Technologien der Freescale-Tochter Metrowerks. Im Februar übernahm Nokia schließlich den Mobilfunksoftwareanbieter Intellisync Corporation. Im Jahr 2007 schluckte Nokia den mobilen Marketingspezialisten Enpocket. Anschließend kaufte Nokia den GPS- und Kartenspezialisten Navteq im Rahmen einer Milliardentransaktion. Ende 2007 schloss man die Übernahme der Internettauschbörse Avvenu ab. Mitte 2008 kaufte Nokia auch die restlichen Anteile an dem britischen Mobile-Softwarehersteller Symbian. Gleichzeitig übernahm Nokia den Social-Networking-Anbieter Plazes. Daneben wurde auch die Übernahme des Softwarespezialisten Trolltech erfolgreich abgeschlossen. Im Herbst 2009 schluckte Nokia den Spezialisten Cellity. Mitte 2010 wurde zudem die Modemsparte (Wireless Modem) für 200 Mio. Dollar veräußert. Die Netzwerk-Tochter NSN übernahm im Herbst 2010 die türkische Iris Telecom.

Meldung gespeichert unter: Nokia

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