Microsoft: Windows sorgt für große Enttäuschung

Betriebssysteme und Bürosoftware

Mittwoch, 28. Januar 2015 14:19
Microsoft Logo (2014)

(IT-Times) - Was ist los bei Microsoft, fragen sich viele Anleger angesichts der großen Kursverluste am Vortag. Unter hohen Umsätzen brachen Microsoft-Aktien um knapp zehn Prozent ein. Hintergrund war nicht nur das jüngste Zahlenwerk, sondern insbesondere der Umsatzausblick auf das laufende Märzquartal.

Für das Märzquartal erwartet Microsoft-Finanzchefin Amy Hood nur Umsatzerlöse von 20,6 bis 21,4 Mrd. Dollar - drei bis vier Mrd. US-Dollar weniger als Analysten erwartet hatten. Hintergrund ist vor allem das schwache Windows-Geschäft, nachdem der Upgrade-Zyklus durch das offizielle Support-Ende von Windows XP zu Ende geht.

Cloud-Wandel holt den Windows-Hersteller ein
Insbesondere das schwächere Windows- und Office-Geschäft belastete zuletzt die Bilanz von Microsoft. Das Geschäft mit Windows-Lizenzen für Privatkunden (Device & Consumer Licensing Geschäft) brach um 25 Prozent auf 4,17 Mrd. US-Dollar. Der Windows OEM Umsatz sank um 13 Prozent. Auch das Office-Geschäft mit Privatkunden sank um 25 Prozent.

Hintergrund ist der Wechsel in Richtung Cloud Computing. Immer mehr Privatkunden setzen auf die Cloud-basierte Bürolösung Office 365 Home. Das Office 365 Consumer Geschäft kletterte daher um 169 Prozent auf 97 Mio. Dollar, insgesamt zählt Microsoft (Nasdaq: MSFT, WKN: 870747) nunmehr 9,2 Millionen Abonnenten für Office 365.

Das Cloud-Geschäft wuchs nach Microsoft-Angaben dreistellig und erreichte auf Jahressicht nunmehr ein Volumen von 5,5 Mrd. Dollar - allerdings repräsentiert das Cloud-Geschäft damit nur 6,0 Prozent des Gesamtumsatzes.

Smartphone- und Gaming-Sparte enttäuscht
Auch in der von Nokia übernommenen Handy-Sparte ist nicht alles Gold was glänzt. Zwar konnte Microsoft 10,5 Millionen Smartphones verkaufen und dadurch einen Umsatz von 2,3 Mrd. Dollar generieren, doch dies bedeutete gleichzeitig einen Rückgang um elf Prozent gegenüber dem Vorquartal - kein gutes Omen im geschäftsträchtigen Weihnachtsgeschäft.

Auch die Umsätze in der Gaming-Sparte fielen um elf Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 4,0 Mrd. Dollar, wobei der Xbox-Umsatz trotz 6,6 Millionen verkaufter Xbox-Konsolen um 20 Prozent sank. Ursächlich hierfür sind vor allem Preissenkungen von Seiten Microsofts, um Marktanteile im Konsolen-Markt zu gewinnen.

Fazit: Viel Arbeit für Microsoft CEO Satya Nadella
Wie auch schon bei SAP und IBM zu beobachten, hat der Cloud-Wandel nunmehr auch Microsoft und dessen Flagschiff-Produkt Windows erreicht. Das traditionelle Lizenzgeschäft - einst die Cashcow des Windows-Herstellers - stockt. Das Cloud-Geschäft boomt zu Lasten des Lizenzgeschäfts.

Anleger, die auf ein weiteres Wachstum durch die Cloud gehofft haben, müssen sich gedulden. Da Windows 10 zunächst als kostenfreies Upgrade zu haben sein wird, könnten auch die kommenden Quartale enttäuschend verlaufen.

Kurzportrait

In den 80er und 90er Jahren gelang Microsoft der Aufstieg zum weltweit größten Softwarehersteller. Mit seinem Windows Betriebssystem eroberte Microsoft schnell die Büros von Firmen- und Privatkunden. In 2009 brachte Microsoft Windows 7 auf den Markt, im Herbst 2012 folgte die Markteinführung von Microsoft Windows 8 und Windows Phone 8.

Das Kerngeschäft bildet heute der Bereich Desktop- und Client-Systemen, sowie der Geschäftsbereich rund um die Windows-Plattform. Ergänzt werden die Geschäftsbereiche von der Entertainment-Sparte, in der das Geschäft rund um die Xbox zusammengefasst ist. Insgesamt operiert Microsoft heute aus zwei Kerngeschäftsbereichen heraus: Devices & Consumer und Commercial.

Durch das gemeinsam mit Accenture gegründete Joint Venture Avanade versucht Microsoft im Bereich IT-Services Fuß zu fassen. In den vergangenen Jahren kaufte Microsoft eine ganze Reihe von Software- und Servicefirmen auf. Mitte 2007 schloss Microsoft die Übernahme des Web- und Marketing-Spezialisten aQuantive ab. Gleichzeitig wurden mit der Werbebörse AdECN, dem Softwareanbieter Engyro und dem Shopping-Dienst Jellyfish.com weitere Firmen hinzugekauft.

Anfang 2008 schluckte Microsoft den norwegischen Suchmaschinenspezialisten Fast Search & Transfer. Im Herbst 2008 folgte die Übernahme des Verbraucherportals Ciao.com. Mitte 2009 einigte sich Microsoft mit Yahoo auf ein 10-Jahresabkommen, wonach Microsofts Suchmaschine Bing künftig als bevorzugte Suchmaschine auf Yahoo-Seiten fungieren wird.

Im Herbst 2010 schloss Microsoft die Übernahme von Skype ab. Ende 2013 brachte Microsoft nicht nur seine neue Spielekonsole Xbox One auf den Markt, gleichzeitig übernahm Microsoft die Mobiltelefonsparte Nokias für 5,44 Mrd. Euro. Anfang 2014 verstärkte sich Microsoft durch die Übernahme von Parature, im Herbst gab Microsoft die Übernahme des Minecraft-Entwicklers Mojang bekannt. Anfang 2015 kaufte Microsoft den Analytics-Spezialisten Revolution Analytics.

Microsoft-Mitgründer Bill Gates zog sich zwar als Unternehmenschef zurück, hält aber nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Microsoft.

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