Flextronics - Technikbranche wird zum Ballast

Dienstag, 16. Dezember 2008 13:16
Flextronics International

(IT-Times) Noch im jüngsten Quartal konnte der weltgrößte Auftragshersteller Flextronics International (Nasdaq: FLEX, WKN: 890331) einen Rekordumsatz vorweisen. Dank der Übernahme des Rivalen Solectron kletterten die Erlöse um stolze 59 Prozent.

Allerdings gab der Gewinn trotz steigender Umsätze im jüngsten Quartal bereits kräftig nach. Analysten fürchten nunmehr, dass Flextronics seine Umsatz- und Gewinnprognosen für das anstehende Kalenderjahr weiter nach unten korrigieren wird. Hintergrund ist der Umstand, dass Flextronics sehr stark vom Geschäft seiner Technologiekunden abhängig ist, welche die Produktion bei Flextronics in Auftrag geben.

Hohe Abhängigkeit vom Technologiesektor
Läuft die Wirtschaft schlecht und Flextronics-Kunden wie Cisco, Dell & Co drosseln ihre Produktion, hat das direkte Auswirkungen auf das Flextronics-Geschäft, zumal die Top-10-Kunden des Unternehmens für rund 53 Prozent der Umsätze verantwortlich zeichnen. Der zuletzt ebenfalls strauchelnde Mobilfunkkonzern Sony Ericsson zeichnete zuletzt gar für mehr als zehn Prozent der Flextronics-Erlöse verantwortlich. Andere Flextronics-Kunden wie Motorola und Sun Microsystems stehen ebenfalls mit dem Rücken zur Wand und versuchen ihre Verluste zu begrenzen.

Flextronics hat in den vergangenen Jahren versucht, seine Umsatzbasis stärker zu diversifizieren, um die Abhängigkeit von einigen wenigen Technologiefirmen zu verringern. So baut das Unternehmen heute nicht nur Komponenten für die Elektronik- und Computerindustrie, sondern mischt auch im Medizin- und Automotive-Sektor kräftig mit. Der Industrial-, Automotive- und Medical-Bereich steuerte im jüngsten Quartal 1,3 Mrd. Dollar zum Gesamtumsatz bei, wobei Flextronics bis zuletzt hoffte, insbesondere im Automotive-Bereich stärker wachsen zu können.

Pleitewelle bedroht Gewinnentwicklung
Durch die Absatzkrise im Automobilbereich haben sich auch diese Hoffnungen zerschlagen. Vielmehr kämpfen die drei großen US-Hersteller ums Überleben und benötigen dringend staatliche Hilfe. Eine Pleitewelle droht aber nicht nur im Automobilsektor. Auch unter den Telekomausrüstern geht die Angst um. So soll der Flextronics-Kunde Nortel Networks bereits einen Insolvenzberater angeheuert haben.

So wird sich Flextronics voraussichtlich auch im nächsten Jahr auf weitere Pleiten seiner Kunden einstellen müssen, nachdem die Pleitewelle bereits im jüngsten Quartal zu Belastungen von rund 125 Mio. Dollar bei Flextronics geführt haben...

Kurzportrait

Flextronics International, mit Hauptsitz in Singapur, gilt als die Nummer eins im Bereich der Auftragshersteller in der Elektronik- und Halbleiterindustrie. Das Unternehmen fertigt in über 100 Fertigungsfabriken weltweit Halbleiter und ganze Endgeräte für Auftraggeber aus der Hightech-Industrie. So kommen beliebte Unterhaltungselektronikprodukte, wie die Microsoft-Konsole Xbox, aus den Fabriken des Auftragsherstellers Flextronics. Auch Mobilfunktelefone und Handys werden von Auftragsherstellern wie Flextronics gefertigt.

Zu den Kunden des Konzerns zählen unter anderem große Namen wie Sony Ericsson, Nokia, Motorola, Philips, Cisco Systems und Hewlett-Packard. Vor allem durch Übernahmen baute das Unternehmen seine Marktposition in den vergangenen Jahren weiter aus. So übernahm man unter anderem das Fertigungsgeschäft der Mobilfunksparte des schwedischen Mobilfunkers Ericsson. Sony Ericsson trägt daneben mehr als zehn Prozent der gesamten Flextronics-Umsatzerlöse. Daneben übernahm Flextronics den Fertigungsspezialisten NatSteel Broadway. Mit dieser Übernahme erweiterte das Unternehmen vor allem seine Fertigungskapazitäten im Süden Chinas. Gleichzeitig will das Unternehmen dadurch sein Produktionsangebot in Sachen Unterhaltungselektronik erweitern. Durch die Verlegung von Fertigungskapazitäten nach China und den damit einhergehenden Stellenabbau in anderen Regionen will Flextronics seine Kosten weiter senken.

Im Jahr 2004 kaufte Flextronics die restlichen Fertigungseinheiten Nortels für rund 700 Mio. Dollar. Im Jahr 2005 übernahm Flextronics dann die Mehrheit am indischen Software- und Telekomspezialisten Hughes Network Systems, wobei kurze später mit FutureSoft ein weiteres indisches Unternehmen zugekauft wurde. Auch der kalifornische Designer Frog Design sowie die indische DeccaNet gehörden inzwischen zum Flextronics-Konzern. Über die Tochter Multek kaufte Flextronics den Elektronik- und Halbleiterspezialisten Sheldahl. Nach der Übernahme von Microcell Group und des Konkurrenten DII Group, trennte man sich bereits im Jahr 2005 von seinem Netzwerkservicegeschäft. Gleichzeitig wurde im Frühjahr 2006 die Softwareentwicklungsdivision für 900 Mio. Dollar an KKR veräußert. Ende 2006 verstärkte man sich mit der Übernahme von International DisplayWorks (IDW). Im Jahr 2007 übernahm Flextronics den rivalisierenden Auftragshersteller Solectron für 3,6 Mrd. Dollar. Darüber hinaus gab das Unternehmen die Übernahme des Notebook- und Server-Geschäfts des Spezialisten Arima Computer bekannt.

Über die Tochter SpinCircuit ist Flextronics auch im Markt für D2M (Design to Manufacturing) vertreten. Die von SpinCircuit angebotenen Services sollen Ingeneure dabei unterstützen, Entwicklungsprozesse in der Halbleiterherstellung zu beschleunigen und effizienter zu gestalten. Neben dem Stammhaus in Singapur ist das Unternehmen in weiteren 28 Ländern weltweit auf vier Kontinenten vertreten.

Zahlen

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2008/2009 hat Flextronics einen Umsatz von 8,86 Mrd. US-Dollar erwirtschaftet - ein neuer Rekord. Im Vergleichszeitraum 2007 waren dies 5,55 Mrd. Dollar gewesen. Der operative Gewinn sank von 161 Mio. Dollar im zweiten Quartal des Vorjahres auf 159 Mio. Dollar im aktuell abgelaufenen Quartal. Flextronics konnte auch beim Nettoergebnis nicht die Werte vom Vorjahr erreichen. So hatte das Unternehmen im Geschäftsjahr 2007/2008 einen Nettogewinn von 121 Mio. Dollar erwirtschaftet, während es im aktuell abgelaufenen Quartal noch 38 Mio. Dollar waren.

Insgesamt konnte Flextronics damit einen Nettogewinn von 28 US-Cent je Aktie realisieren und blieb damit um einen Cent hinter den Markterwartungen der Analysten zurück.

Während das Infrastruktur-Segment mit 2,8 Mrd. Dollar um 88 Prozent gegenüber dem Vorjahr wuchs, kletterte das Computing-Geschäft um 175 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Bereich Consumer Digital legten die Erlöse um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Stark wuchs auch der Industrial-, Automotive- und Medical-Bereich. Hier kletterten die Erlöse um 105 Prozent auf 1,3 Mrd. Dollar.

Meldung gespeichert unter: Flextronics International

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