Ericsson im Abwärtssog

Donnerstag, 22. November 2007 13:09
Ericsson Unternehmenslogo

(IT-Times) Nachdem die Aktien des schwedischen Telekom- und Mobilfunkausrüsters LM Ericsson (Nasdaq: ERIC, WKN: 850001) schon Ende Oktober stark eingebrochen waren, geraten die Papiere erneut unter Druck, nachdem das Unternehmen abermals vor einer enttäuschenden Umsatzentwicklung im vierten Quartal warnen musste.

Die zuletzt schwachen Zahlen werden zunehmend als Schwäche des Managements ausgelegt, dass die Kosten bzw. Gewinnmargen offenbar nicht in den Griff bekommt. Während man im dritten Quartal 2006 noch bei einem ähnlichen Umsatz eine Gewinnmarge von rund 21 Prozent vorweisen konnte, waren es ein Jahr später nur noch knapp acht Prozent.

So wird Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg nicht müde zu betonen, dass man die operativen Gewinnmargen wieder im Bereich von 15 Prozent führen wolle. Bis die Gewinnmargen wieder steigen werden, wird es allerdings noch dauern. Vor dem zweiten Halbjahr 2008 bzw. vor 2009 sei damit nicht zu rechnen, so der Ericsson-Manager.

Mehrere Probleme auf einmal
Insgesamt sieht sich Ericsson zwei grundlegenden Problemen gegenüber. Zum einen wird die Konkurrenz aus Asien immer stärker. Zum anderen investieren Mobilfunknetzbetreiber derzeit nicht so schnell in den Aufbau bzw. Ausbau neuer 3G-Netze, wie Aufträge im Bereich der traditionellen GSM-Netze wegfallen. Andere Mobilfunkbetreiber, wie zuletzt in Italien oder Großbritannien, haben zuletzt ihre Netze zusammengelegt, um Kosten zu sparen. Durch die voranschreitende Fusion unter den Netzbetreibern fallen aber potentielle Kunden für Ericsson weg.

Durch die Investitionszurückhaltung und den anhaltenden Konkurrenzdruck fallen wiederum die Preise, was auch Ericsson zuletzt deutlich zu spüren bekam. Allein im dritten Quartal beziffert Ericsson den Preisverfall auf drei bis vier Prozent im Bereich Mobilfunkausrüstung.

An diesem Preistrend dürfte sich auch kurzfristig nur wenig ändern, zu stark drängen chinesische Anbieter wie Huawei und ZTE auf den Netzausrüstermarkt. Ericsson-Chef Svanberg sieht daher asiatische Anbieter und insbesondere die Chinesen als einen der Hauptkonkurrenten in der Zukunft.

Belastend wirkte sich zuletzt auch die politische Instabilität in verschiedenen Boomregionen wie in Pakistan aus. Sollte es in der Asien-Region länger kriseln, würde dies Ericsson besonders hart treffen, zumal das Unternehmen bereits bis zu 55 Prozent seines Umsatzes in Schwellenmärkten erzielt…

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1918 und ansässig im schwedischen Stockholm, bietet LM Ericsson Telephone Company (Ericsson) Mobilfunk- und Kommunikationsservices weltweit an. Der Konzern ist im Wesentlichen in drei Hauptgeschäftsbereiche strukturiert. Der Bereich Systeme umfasst dabei die Segmente Mobile Networks, Fixed Networks und Professional Services. Der Bereich Phones deckt das Vertriebsgeschäft mit Mobiltelefonen an Endnutzern ab. Der Bereich andere Operationen (other Operations) umfasst eine Reihe von Einheiten, darunter die Divisionen Ericsson Mobile Platforms, Network Technologies, Enterprise und Power Modules.

Über das 50:50 Joint Venture Sony Ericsson stellen die Schweden Mobilfunktelefone her. In China ist Ericsson unter anderem mit dem Joint Venture Nanjing Ericsson Panda Communications Company präsent. Über den Geschäftsbereich Systems vermarktet Ericsson Infrastruktur-Lösungen wie GSM- und WCDMA-Systeme. Transport- und andere Hardwaresysteme ergänzen diesen Geschäftsbereich. Im Geschäftssegment Mobile Networks vermarktet Ericsson Mobilfunklösungen. Dabei bietet Ericsson nicht nur 2G-, 2,5G- und 3G-Mobilfunklösungen an, sondern auch Upgrade-Systeme, die es erlauben, die vorhandenen Ressourcen und Infrastrukturen optimal zu nutzen. Der Geschäftsbereich Fixed Networks umfasst das Geschäft mit traditionellen Festnetzanbietern. Ericsson bietet dabei umfassende Multi-Serviceplattformen, wobei zum Beispiel das AXE-System inzwischen in mehr als 135 Ländern weltweit eingesetzt wird.

In den letzten Jahren kaufte Ericsson verstärkt zu. So wurde im Jahr 2005 der schwedische Systemintegrator Teleca OSS AB übernommen. Ende 2006 verstärkte sich Ericsson im Netzwerkbereich durch die Übernahme der amerikanischen Redback Networks, wobei auch die Firmen Tandberg und Entrisphere sowie UIQ übernommen wurden. Über UIQ wollen Motorola und Sony Ericsson in Zukunft zusammenarbeiten und in die Weiterentwicklung der UIQ Plattform investieren. Mitte 2007 übernahm Ericsson den deutschen Softwareanbieter LHS AG. Gleichzeitig wurde der Plattform-Provider Drutt Coporation übernommen.

Unter dem Geschäftsbereich Professional Services fasst Ericsson die Bereiche Wartung und Beratung zusammen. Auch die Integration und das Management von Services gehören zu diesem Aufgabenbereich. Daneben lizenziert Ericsson auch Bluetooth-Technologie an andere Hersteller. WLAN-Technik und mobile Intranet-Lösungen sollen das mobile Büro Wirklichkeit werden lassen und die Produktpalette der Schweden abrunden.

Zahlen

Ericsson machte im dritten Quartal 43,5 Mrd. Schwedische Kronen Umsatz und einen operativen Gewinn von 5,6 Mrd. Kronen. Im dritten Quartal 2006 erwirtschaftete der Mobilfunkausrüster noch 40,9 Mrd. Kronen Umatz und einen operativen Gewinn von 8,8 Mrd. Kronen. Eine Umsatzsteigerung um sechs Prozent bei gleichzeitigem Gewinnrückgang um 36 Prozent. Der Cash-Flow betrug 1,6 Mrd. Kronen.

Netto konnte Ericsson für das dritte Quartal einen Gewinn von vier Mrd. Kronen melden. Die EBITDA Marge betrug 17,4 Prozent (2006: 25,4 Prozent). Laut Carl-Henric Svanberg, President und CEO von Ericsson, fußen die schlechten Zahlen auf einem unerwartet schlechten Absatz im Bereich Mobile Network Upgrades und Expansions. Alle anderen Konzernteile hätten den erwarteten Umsatz erbracht.

Meldung gespeichert unter: Ericsson

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