Conergy vor Schlüsseljahr - neue Strategie und Eigenverbraucher sollen Unternehmen retten

Mittwoch, 24. März 2010 13:06
Conergy

(IT-Times) - Der Hamburger Solarkonzern Conergy AG (WKN: 604002) kämpft nach wie vor ums Überleben. Nachdem das Unternehmen seine Fertigung in Frankfurt/Oder saniert hatte, stehen nunmehr schwierige Verhandlungen mit 19 Gläubigerbanken an.

Conergy drückt nach wie vor ein Schuldenberg von etwa 500 Mio. Euro, wobei der Solarkonzern nunmehr auf die Hilfe der Gläubigerbanken angewiesen ist, um die Umschuldung zu stemmen. Diese zieren sich offenbar, denn eigentlich sollten die Verhandlungen bis Ende März abgeschlossen sein, wie Dow Jones Newswires erfahren haben will. Stattdessen soll nunmehr bis Mitte April eine Einigung erreicht werden.

Marktbeobachter und Analysten halten die Umschuldungsmaßnahme für existenziell, um den Fortbestand der Gesellschaft zu sichern. Ob Conergy die Banken überzeugen kann, hängt nicht zuletzt von der neuen Strategie ab, mit der Conergy die Wende schaffen will. Das Unternehmen will künftig Standard-Module von Fremdherstellern fertigen lassen und anschließend diese Module unter der Marke Conergy verkaufen. Hochwertige Module sollen hingegen in der Conergy-Fabrik in Frankfurt/Oder vom Band laufen, so Vorstandschef Dieter Ammer gegenüber dem Handelsblatt. Mit diesem Schachzug will das Unternehmen seine Produktionskosten drastisch senken und zugleich von der Marke Conergy stärker profitieren.

Conergy setzt auf Eigenverbraucher
Neben der Senkung der Produktionskosten will sich Conergy stärker auf das Geschäft mit Eigenverbrauchern konzentrieren. Bislang wurden vornehmlich Solaranlagen auf Dächern montiert, um den Strom ins Netz einzuspeisen, um so von der staatlichen Einspeisevergütung zu profitieren. Diese soll allerdings nach aktuellen Plänen des Bundesumweltministeriums zur Jahresmitte deutlich sinken.

Stattdessen will die Regierung den Eigenverbrauch von Solarstrom stärker fördern. Anlagenbetreiber, die den Solarstrom selbst verbrauchen, sollen ab 1. Juli 2010 für jedes selbst erzeugte und verbrauchte einen Betrag von 20,88 Cent erhalten. Rechnet man noch die vermiedenen Kosten für den eingesparten Strom, so erhält man beim aktuellen Strompreis einen Gesamtertrag von rund 40,88 Cent pro Kilowattstunde. Da die Vergütung für ins Netz eingespeisten Solarstrom zur Jahresmitte nur noch 32,88 Cent pro Kilowattstunde betragen soll, ergibt sich ein Vorteil von fast zehn Cent pro Kilowattstunde. Damit würde sich trotz der Kürzung der Einspeisevergütung die Anschaffung einer entsprechenden Anlage dennoch lohnen.

Genau an diesem Punkt will Conergy ansetzen und zur Jahresmitte maßgeschneiderte Lösungen (Conergy „EIGENVERBRAUCH-JETZT“-Lösung) anbieten, um effizientes Energiemanagement für Eigenverbraucher zu ermöglichen. Damit schlägt Conergy einen vielversprechenden Weg ein, der jedoch zu spät kommen könnte, sollten die Banken nicht mitspielen. Denn eines dürfte auch sicher sein: Hat Conergy mit seiner neuen Strategie Erfolg, dürfte es nicht lange dauern, bis Wettbewerber auf den Zug aufspringen und vergleichbare Lösungen anbieten…

Kurzportrait

Das Solarunternehmen Conergy wurde im Jahr 1998 durch den ehemaligen Vorstand Hans-Martin Rüter gegründet und ist ein voll integrierter Solarkonzern, der sowohl Solar-Wafer, Solarzellen und Solarmodule im eigenen Haus produziert und weltweit vertreibt. Das Unternehmen hat sich dabei auf die Installation, Projektierung und Produktion von Solarsystemen und anderen Erneuerbare Energien spezialisiert. Schwerpunkt ist jedoch der Vertrieb von Photovoltaik-Produkten.

Zum Produktportfolio von Conergy gehören nicht nur Solarmodule, sondern auch Nachführsysteme, Befestigungssysteme, (SunTopp III) für Aufdachsysteme, sowie String-Wechselrichter (Conergy IPG Serie) als auch Zentral- und Insel-Wechselrichter. Daneben bietet Conergy auch ein entsprechendes Anlagenüberwachungssystem (Conergy SunReader und Conergy SmartControl) an, die den reibungslosen Betrieb der installierten Solaranlage überwachen soll.

Heute ist Conergy mit seinem Geschäft in 20 Ländern auf fünf Kontinenten aktiv. Insgesamt operiert Conergy von zwei Hauptgeschäftssegmenten heraus. Während die Conergy Solarsysteme produziert, installiert und projektiert, bietet die Tochter Epuron GmbH (vormals voltwerk AG) Projektentwicklung und die Finanzierung von erneuerbaren Energieprojekte an. Epuron unterzeichnete in 2008 eine Joint Venture Vereinbarung mit der australischen Macquarie Capital Group, über die Finanzierung eines Windkraftprojektes mit einer Leistung von 1.000 Megawatt.

Seine Wafer, Solarzellen und Solarmodule produziert Conergy an seinem neuen Produktionsstandort in Frankfurt an der Oder. Zudem bezieht Conergy Solar-Wafer vom amerikanischen Hersteller MEMC. Den Vertrieb hat das Unternehmen im Jahr 2008 neu strukturiert und die beiden Geschäftseinheiten für Unernehmen (Conergy) und Privatkunden (SunTechnics) miteinander verschmolzen. Insgesamt zählt das Conergy-Vertriebsnetz mehr als 100 Installationsbetriebe, die mit dem Solarspezialisten zusammenarbeiten.

Nachdem das Unternehmen in 2007 in finanzielle Schieflage geriet, versucht das Unternehmen durch eine Kapitalerhöhung wieder auf die Erfolgsstraße zurückzukehren, nachdem sich das Unternehmen durch eine zu starke Expansion verhoben hatte.

Zahlen

Im Geschäftsjahr 2009 sanken die Umsatzerlöse der Conergy AG gegenüber dem Vorjahr von 975,3 Mio. Euro auf 600,9 Mio. Euro. Im gleichen Zeitraum konnte das Unternehmen die Verluste allerdings erheblich eindämmen. So ging das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 147,3 Mio. Euro auf 10,8 Mio. Euro zurück. Das Betriebsergebnis (EBIT) für 2009 gab Conergy mit minus 36,8 Mio. Euro an, nach einem Vorjahres-EBIT von minus 181,8 Mio. Euro. Der Vorsteuerverlust reduzierte sich von 225,7 Mio. Euro auf 81,1 Mio. Euro.

Unter dem Strich erwirtschaftete die Conergy AG im Geschäftsjahr 2009 ein Nettoergebnis von minus 79,3 Mio. Euro. Ein Jahr zuvor stand ein Minus in Höhe von 306,6 Mio. Euro in den Büchern des Solarunternehmens.

Meldung gespeichert unter: Conergy

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