Cisco tritt die Flucht nach vorne an - Cloud Services sollen für neues Wachstum sorgen

Cloud Services

Freitag, 4. April 2014 13:35
Cisco Unternehmenslogo

(IT-Times) - In den 90er Jahren profitierte Cisco Systems wie kaum ein anderes Unternehmen vom Einzug des Internets in die moderne Arbeitswelt. Immerhin stellte das Unternehmen mit seinen Routern das eigentliche Rückgrat des World Wide Web. Doch in den letzten zehn Jahren wurde es ruhig um den Netzwerkgiganten, der Cisco-Aktienkurs dümpelte meist Seitwärts in einer Spanne zwischen 15 und 25 US-Dollar.

Cisco mit Cloud-Offensive - Intercloud soll neue Kunden locken
Nunmehr tritt Cisco Systems (Nasdaq: CSCO, WKN: 878841) die Flucht nach vorne an. Ende März gab das Unternehmen den Einstieg in den Markt für Cloud Services bekannt. Hierfür will Cisco in den nächsten zwei Jahren rund eine Mrd. US-Dollar investieren. Die Offensive kommt nicht von ungefähr, kämpft das Unternehmen seit geraumer Zeit mit rückläufigen Umsätzen. Auch das laufende Fiskaljahr 2014 dürfte Cisco voraussichtlich mit einem Umsatzrückgang abschließen. Neue Ideen bzw. Geschäftsmodelle müssen her.

Cisco will mit seiner Intercloud das weltgrößte Cloud-Netzwerk errichten. Der Grund: Konzerne werden nach einer aktuellen Studie von IHS bis 2107 mehr als 235 Mrd. US-Dollar in Cloud Architekturen und Services investieren, um schnellere und effizientere IT-Umgebungen zu schaffen. Allein in 2014 dürften sich die Cloud-Investitionen auf 174 Mrd. US-Dollar summieren, drei Mal so viel wie im Jahr 2011 (78 Mrd. Dollar), so die Marktforscher aus dem Hause IDC.

Internet- und Telekom-Provider im Visier
Von dieser Entwicklung will auch Cisco profitieren, schließlich sollen die Umsätze in den nächsten drei bis fünf Jahren wieder um drei bis sechs Prozent pro Jahr steigen. Gartner Vice President Bern Elliot glaubt, dass Cisco seine Cloud direkt an große Kunden wie Internet- und Telekomserviceanbieter verkaufen wird, so der Business Insider. Hierfür setzt Cisco auf ein Netzwerk von Partnern: Neben Telstra (Australien), werden Allstream (Kanada), Canopy und Wipro (Indien)  Cisco bei der Auslieferung von Cloud Services helfen.

Allerdings sieht sich Cisco dabei verschiedenen Herausforderungen gegenüber. Zum einen ist Cisco spät dran, haben andere große Anbieter wie Amazon.com, Google, Microsoft und seit kurzem auch VMware diesen Markt besetzt. Außerdem kann Cisco nicht allzu viel Erfahrungen mit dem Betrieb von Cloud Umgebungen vorweisen und was noch schwerer wiegen dürfte: Die Preisspirale bei Cloud Services dreht sich immer schneller nach unten.

Weiterer Preisverfall bei Cloud Services erwartet
Fast monatlich senken Amazon.com, Microsoft und Google ihre Preise für Cloud Computing Angebote, so dass Cloud Provider mit Gewinnmargen auskommen müssen, die deutlich unter den Margen von Cisco (60 Prozent Bruttomarge) liegen.

Kurzum: Die Cloud-Offensive ist ein riskantes Unterfangen, jedoch hat Cisco keine andere Wahl. Zu groß ist der Druck von Seiten neuer Technik-Trends wie Software-Defined Networking (SDN), die direkt auf das Kerngeschäft von Cisco abzielen, so dass sich der Netzwerkgigant auf der Suche nach neuen Wachstumsfeldern begeben muss.

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1984 und in der kalifornischen Hightech-Schmiede San Jose ansässig, schaffte das Unternehmen vor allem in den 90er Jahren den Aufstieg zum Weltkonzern. Bedingt durch eine aggressive Expansionspolitik - das Unternehmen kaufte allein von 1993 bis heute mehr als 100 Unternehmen - gelang es dem Hightech-Konzern auch in andere Geschäftsfelder zu expandieren. Heute operiert Cisco vor allem aus fünf Geschäftsbereichen heraus: USA und Kanada, Europäische Märkte, Emerging Markets, Asien Pazifik und Japan. Künftig will sich Cisco vor allem auf fünf Kernsegmente konzentrieren: Core-Routing, Switching und Services, Collaboration, Data Center Virtualization und Cloud Video, sowie Architekturen für Business-Transformation.

In den vergangenen Jahren war Cisco vor allem durch Übernahmen gewachsen.

Neben der Übernahme des Sicherheitsspezialisten IronPort kaufte Cisco auch den Anbieter von Web-Konferenzsysteme WebEx Communications sowie den Spezialisten BroadWare Technologies. Später wurden neben dem Home-Networking-Spezialisten Pure Networks auch die dänische DiviTech, Jabber und PostPath aufgekauft. Anfang 2009 wurde der SaaS-Spezialist ScanSafe übernommen. Im Herbst 2009 gab Cisco die Übernahme des Videokonferenzspezialisten Tandberg bekannt, die in 2010 abgeschlossen wurde. Im Dezember 2009 schloss der Router-Hersteller die Übernahme von Starent Networks ab. In 2010 wurde der optische Netzwerkspezialist CoreOptics sowie MOTO Development übernommen, später Arch Rock Corporation hinzugekauft. Anfang 2011 kaufte Cisco den Spezialisten newScale. Mitte 2011 wurde der Spezialist BNI Video übernommen. Anfang 2012 schluckte Cisco den US-Netzwerkspezialisten Lightwire, Mitte 2012 wurde der Spezialist NDS Group Ltd übernommen. Ebenfalls in 2012 wurde Meraki aufgekauft. In 2013 kaufte Cisco weiter ein und übernahm mit Cariden Technologies BroadHop und Intucell sowie Ubiquisys weitere Firmen. Mitte 2013 verstärkte sich Cisco durch die Übernahme von zwei weiteren Firmen: Composite Software, Sourcefire und Whiptail. Ende 2013 wurde der Datacenter-Spezialist Insieme vollständig übernommen.

Zahlen

Für das vergangene zweite Fiskalquartal 2014 meldet Cisco Systems einen Umsatzrückgang um 7,8 Prozent auf 11,16 Mrd. US-Dollar. Das Geschäft mit Switching-Produkte schrumpfte um 12 Prozent, während der Umsatz mit Routern um elf Prozent zurückging. Gleichzeitig brach das Geschäft mit Video-Produkten um 22 Prozent ein. Im Bereich Collaboration-Produkte gingen die Umsätze um sieben Prozent zurück. Der Gewinn (GAAP) bracht zunächst um 54,5 Prozent auf 1,4 Mrd. US-Dollar oder 27 US-Cent je Aktie ein. Der bereinigte Nettogewinn (Non-GAAP) schrumpfte um 7,4 Prozent auf 2,5 Mrd. US-Dollar oder 47 US-Cent je Aktie, womit Cisco die Gewinnerwartungen der Wall Street um einen Cent je Aktie übertreffen konnte. An der Wall Street hatte man darüber hinaus mit Einnahmen von 11,04 Mrd. US-Dollar gerechnet.

Im jüngsten Quartal konnte Cisco einen positiven Cashflow aus der operativen Geschäftstätigkeit von 2,9 Mrd. US-Dollar erzielen, die Barreserven summierten sich zum Quartalsende auf 47,1 Mrd. US-Dollar. Cisco kaufte im jüngsten Quartal 185 Millionen eigene Aktien zum Durchschnittskurs von 21,73 Dollar je Aktie zurück und gab damit rund 4,0 Mrd. US-Dollar für Aktienrückkäufe aus.

Meldung gespeichert unter: Cisco Systems

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