Ausverkauf bei Amazon.com

Donnerstag, 27. Juli 2006 00:00
Amazon

(IT-Times) Nahezu panikartig trennten sich Investoren am Vortag von Amazon-Aktien. Insgesamt wurden nicht weniger als über 75 Mio. Amazon-Aktien gehandelt, wobei die Papiere den Nasdaq-Handel mit einem Kursminus von knapp 22 Prozent beendeten.

Hintergrund der massiven Verkäufe waren die jüngsten Quartalszahlen des weltgrößten Online-Einzelhändlers (Nasdaq: AMZN, WKN: 906866). Zwar konnte Amazon.com im zweiten Quartal deutlich mehr als 40 Mio. Besucher auf seine Webseiten locken, die dem Unternehmen zwar ein zweistelliges Umsatzplus bescherten, durch Preiszugeständnisse und Investitionen brach der Gewinn letztendlich aber um mehr als die Hälfte ein.

Die operativen Kosten schnellten um 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 462 Mio. Dollar in die Höhe. Allein die Ausgaben für Technologie und Webinhalte kletterten um 58 Prozent, während die Marketingausgaben um 26 Prozent anzogen und damit schneller wuchsen als der Umsatz. Unter den steigenden Kosten gingen die operativen Gewinnmargen in die Knie. Nur noch 3,7 Prozent vom Umsatz konnte Amazon.com zuletzt als operativen Gewinn verbuchen. Dieser Trend könnte sich auch in den nächsten Quartalen fortsetzen. RBC Capital Markets Analyst Jordan Rohan geht davon aus, dass die Investitionen in die beiden neuen Kategorien Spielzeug und Lebensmittel, sowie der kostenfreie Versandt und die niedrigen Preise die Margen weiter belasten werden.

Neuer Spielzeug- und Lebensmittel-Shop

Nachdem Ende der Zusammenarbeit mit Toys R Us sah sich Amazon.com quasi gezwungen, Anfang Juli seinen eigenen Online-Spielzeugshop (amazon.com/toys) zu eröffnen. Auf dieser Plattform bietet Amazon.com Spielzeug zahlreicher bekannter Marken, wie Fisher-Price, Hasbro, Lego und Mattel an. Mitte Juli präsentierte Amazon.com dann seinen eigenen Online-Lebensmittel-Shop (amazon.com/grocery), über dem mehr als 1.200 bekannte Marken namhafter Hersteller, wie Nestle, Kellogg und Kraft angeboten werden.

Mit den jüngsten Vorstößen entwickelt sich Amazon.com endgültig zum universellen Online-Kaufhaus, was zumindest die künftige Umsatzentwicklung positiv beeinflussen dürfte. Investoren und Analysten bleiben aber vorerst auf der Seitenlinie und warten ab, inwieweit sich die jüngsten Bemühungen dann auch positiv auf die Gewinnzahlen auswirken.

Kurzportrait

Die in Seattle ansässige Amazon.com öffnete seine virtuellen Einkaufstüren im Jahre 1995. Als Online-Buchhändler an den Start gegangen, entwickelte sich das Unternehmen in den letzten Jahren zu einem universellen Online-Kaufhaus, welches nicht nur Bücher, sondern auch Musik-CDs, Videos, DVDs, Spielzeug, Computerspiele, Elektrogeräte, Küchenzubehör und vieles mehr anbietet. Nach eigenen Angaben nach, bietet Amazon.com damit das weltweit größte Produktangebot im weltweiten Datennetz. Insgesamt ist das Internet-Unternehmen in mehr als 220 Ländern weltweit aktiv und betreut über 44 Millionen Kunden.

Neben dem eigentlichen Online-Produktangebot, bietet Amazon.com aber auch Auktionen und E-Commerce Plattformen (zShops) für Geschäftskunden an. Inzwischen können auch gebrauchte Produkte über die Internet-Plattform von Amazon.com verkauft werden.

Daneben hält der Online-Händler noch zahlreiche Beteiligungen an anderen Internet-Unternehmen. Unter anderem ist die Gesellschaft an dem Internet-Händler drugstore.com beteiligt. Drugstore.com versteht sich als eine Art virtuelle Apotheke, welche nicht nur mit dem Roten Kreuz in den USA, sondern auch mit dem Online-Händler Amazon.com eng zusammenarbeitet. Die Amazon-Projekte Pets.com und living.com wurden inzwischen wieder gestoppt. Über die Einheit Amazon.com Anywhere will das Unternehmen den Markt für den mobilen E-Commerce erschließen. Wenn es nach Amazon.com geht, sollen Kunden in naher Zukunft mit Hilfe des Mobiltelefons oder PDAs ihre Einkäufe erledigen. Zuletzt konnte das Unternehmen mit Preisnachlässen und einem kostenlosen Lieferservice gebunden an den Bestellwert bei den Kunden punkten.

Neben den USA ist das Unternehmen vor allem aber auch in Europa verstärkt aktiv. Niederlassungen in Asien und in Lateinamerika ergänzen den globalen Auftritt des weltweit führenden Online-Händlers. Ende 2004 stieg das Unternehmen mit seiner Suchmaschine A9.com in den Markt für bezahlte Links ein. Mitte 2005 übernahm Amazon.com den DVD-Spezialisten CustomFlix. Mit seinem Online-Buchshop Yoyo.com ist Amazon.com auch in China präsent. Mitte 2006 rief Amazon.com seinen eigenen Online-Spielzeug- und Lebensmittel-Shop ins Leben. Die Kooperation mit Toys R Us wurde beendet.

Der visionäre Unternehmensgründer Jeff Bezos, welcher gleichzeitig als CEO der Gesellschaft fungiert, hält zusammen mit seiner Familie etwa ein Drittel der Anteile am Unternehmen.

Zahlen

Für das vergangene zweite Quartal meldet Amazon.com einen Umsatzzuwachs auf 2,14 Mrd. Dollar, nach Einnahmen von 1,75 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Ohne negative Währungseinflüsse hätten die Erlöse sogar um 23 Prozent zulegt, heißt es bei Amazon.com. Der Gewinn brach dabei allerdings auf 22 Mio. Dollar oder fünf US-Cent je Aktie ein, nach einem Plus von 52 Mio. Dollar oder 12 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Wie Amazon-Finanzchef Tom Szkutak mitteilt, wurde der Gewinn im jüngsten Quartal durch die Auflösung des Kontraktes mit Toys R Us um zehn Mio. Dollar belastet. Ausgenommen dieser Sonderbelastungen ergibt sich ein Nettogewinn von sieben US-Cent je Anteil. An der Wall Street hatte man im Vorfeld mit Einnahmen von 2,1 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von sieben US-Cent je Aktie kalkuliert.

Der von Amazon.com in den vergangenen zwölf Monaten generierte freie Cashflow sank um 23 Prozent auf 375 Mio. Dollar, nach 486 Mio. Dollar im Vorjahreszeitraum.

Markt und Wettbewerb

Amazon.com gilt als weltweit größtes Online-Kaufhaus als unbestrittener Marktführer im Bereich Online-Buchhandel. Der traditionelle Buchhändler Barnes & Noble betreibt neben seiner gleichnamigen Online-Plattform 590 Buchläden in den USA. Die zu Barnes & Noble gehörende Online-Spielekette GameStop ist landesweit mit ebenfalls 1.000 Verkaufsniederlassungen vertreten.

Im Online-Vertrieb von Musik-CDs und DVDs sieht sich Amazon.com dem Mitbewerber CDnow gegenüber, sowie zahlreichen Online-Musikplattformen, wie iTunes. Daneben hat sich inzwischen im Bereich DVD-Verleihservice auch der Online-Anbieter Netflix etabliert.

Meldung gespeichert unter: E-Commerce

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