Amazon.com nimmt neue Märkte ins Visier

Dienstag, 7. Februar 2006 11:41
Amazon

(IT-Times) Das Shopping via Internet boomt nach wie vor und ist nicht zuletzt auch in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Insgesamt wurden nach comScore-Angaben im vergangenen Jahr rund 143 Mrd. US-Dollar im weltweiten Online-Handel umgesetzt, ein Zuwachs von 22 Prozent gegenüber 2004. Dennoch konnte der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon.com (Nasdaq: AMZN, WKN: 906866) davon nicht im vollem Umfang profitieren.

Zwar gelang es Amazon.com im zurückliegenden Weihnachtsgeschäft 108 Mio. Produkte auszuliefern und den Umsatz zweistellig zu steigern, allerdings brach auf der anderen Seite der Gewinn um 43 Prozent ein. Hintergrund der sinkenden Gewinne ist unter anderem das Programm „Amazon Prime“, dass Kunden für 79 Dollar im Jahr eine kostenlose Zustellung gewährt. Auch neue Produkte und Investitionen in neue Technologien drückten auf die Gewinnmargen.

Wettbewerb nimmt zu

Einen weiteren Aspekt bringt RBC-Analyst Jordan Rohan ins Spiel. Amazons Preisstragie wird zunehmend von Produktvergleichern, wie Froogle unterwandert. Kleine und entsprechend spezialisierte Online-Händler bieten bestimmte Waren oft günstiger an, als der große Online-Pionier. Amazon.com versucht seit geraumer Zeit gegenzusteuern, um in anderen Bereichen, wie im lukrativen Suchmaschinenmarkt Fuß zu fassen. Nach der Suchmaschine A9.com will Amazon.com offenbar auch ein eigenes Werbenetzwerk im Bereich „sponsored Links“ aufbauen, wie US-Medien berichten.

Aber nicht nur in diesem Bereich machen kleinere Anbieter Amazon.com das Leben schwer. Stifel Nicolaus Analyst Scott Devitt geht davon aus, dass Amazon.com den Einstieg in den Bereich Film-Downloads vorbereitet. Medien erwarten, dass ein entsprechender Service im Frühjahr an den Start gehen wird. Doch auch in diesem Bereich steht die Konkurrenz bereits in den Startlöchern. Der führende Online-DVD-Verleiher Netflix, der Amazon.com trotz dessen Vorstoßes in diesem Marktsegment bislang sehr gut die Stirn bieten konnte, will sein Angebot ebenfalls durch digitale Downloads erweitern.

Kurzportrait

Die in Seattle ansässige Amazon.com öffnete seine virtuellen Einkaufstüren im Jahre 1995. Als Online-Buchhändler an den Start gegangen, entwickelte sich das Unternehmen in den letzten Jahren zu einem universellen Online-Kaufhaus, welches nicht nur Bücher, sondern auch Musik-CDs, Videos, DVDs, Spielzeug, Computerspiele, Elektrogeräte, Küchenzubehör und vieles mehr anbietet. Nach eigenen Angaben nach, bietet Amazon.com damit das weltweit größte Produktangebot im weltweiten Datennetz. Insgesamt ist das Internet-Unternehmen in mehr als 220 Ländern weltweit aktiv und betreut 44 Millionen Kunden.

Neben dem eigentlichen Online-Produktangebot, bietet Amazon.com aber auch Auktionen und E-Commerce Plattformen (zShops) für Geschäftskunden an. Inzwischen können auch gebrauchte Produkte über die Internet-Plattform von Amazon.com verkauft werden.

Daneben hält der Online-Händler noch zahlreiche Beteiligungen an anderen Internet-Unternehmen. Unter anderem ist die Gesellschaft an dem Internet-Händler drugstore.com beteiligt. Drugstore.com versteht sich als eine Art virtuelle Apotheke, welche nicht nur mit dem Roten Kreuz in den USA, sondern auch mit dem Online-Händler Amazon.com eng zusammenarbeitet. Die Amazon-Projekte Pets.com und living.com wurden inzwischen wieder gestoppt. Über die Einheit Amazon.com Anywhere will das Unternehmen den Markt für den mobilen E-Commerce erschließen. Wenn es nach Amazon.com geht, sollen Kunden in naher Zukunft mit Hilfe des Mobiltelefons oder PDAs ihre Einkäufe erledigen. Zuletzt konnte das Unternehmen mit Preisnachlässen und einem kostenlosen Lieferservice gebunden an den Bestellwert bei den Kunden punkten.

Neben den USA ist das Unternehmen vor allem aber auch in Europa verstärkt aktiv. Niederlassungen in Asien und in Lateinamerika ergänzen den globalen Auftritt des weltweit führenden Online-Händlers. Ende 2004 stieg das Unternehmen mit seiner Suchmaschine A9.com in den Markt für bezahlte Links ein. Mitte 2005 übernahm Amazon.com den DVD-Spezialisten CustomFlix. Mit seinem Online-Buchshop Yoyo.com ist Amazon.com auch in China präsent.

Der visionäre Unternehmensgründer Jeff Bezos, welcher gleichzeitig als CEO der Gesellschaft fungiert, hält zusammen mit seiner Familie etwa ein Drittel der Anteile am Unternehmen.

Zahlen

Für das vergangene Dezemberquartal meldet Amazon.com einen Umsatzanstieg auf 2,98 Mrd. US-Dollar, ein Zuwachs von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Währungsverschiebungen hätten den Umsatz um 121 Mio. Dollar dezimiert, heißt es bei Amazon.com. Ausgenommen etwaiger Währungseffekte hätte sich ein Umsatzwachstum von 22 Prozent ergeben, so der Online-Händler.

Der Gewinn brach im vierten Quartal zunächst um 43 Prozent auf 199 Mio. Dollar oder 47 US-Cent je Aktie ein, nachdem im Jahr vorher noch ein Plus von 347 Mio. Dollar oder 82 US-Cent je Anteil zu Buche stand.

Die jüngsten Zahlen beinhalten eine einmalige Steuergutschrift in Höhe von 38 Mio. Dollar, so dass sich für das vierte Quartal ein operativer Gewinn von 26 US-Cent je Aktie ergibt, womit Amazon.com die Gewinnerwartungen übertreffen konnte. Zwar hatte man an der Wall Street im Vorfeld mit Einnahmen von 3,08 Mrd. Dollar, aber nur mit einem Nettogewinn von 21 US-Cent je Aktie kalkuliert.

Für das somit abgeschlossene Gesamtjahr 2005 meldet Amazon.com einen Umsatzanstieg auf 8,49 Mrd. Dollar, was einem Zuwachs von 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Gewinn kletterte dabei auf 359 Mio. Dollar oder 78 US-Cent je Aktie, ein Plus von 39 Prozent gegenüber dem Jahr 2004.

Meldung gespeichert unter: E-Commerce

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