Amazon vor schwierigem Weihnachtsgeschäft

Montag, 27. Oktober 2008 13:08
Amazon Unternehmenslogo

(IT-Times) Zwar konnte der weltgrößte Online-Einzelhändler Amazon.com (Nasdaq: AMZN, WKN: 906866) im jüngsten Quartal noch mit soliden Zahlen aufwarten, doch der unsichere Gewinnausblick stellt die jüngsten Zahlen in den Schatten.

Bislang profitierte das Unternehmen davon, dass sich immer mehr Kunden angesichts der hohen Benzinpreise den Weg ins Kaufhaus sparen und Waren einfach und schnell über das Internet ordern. Mit dem Versandprogramm Amazon Prime hatte das Online-Kaufhaus auch gleich das richtige Programm zur richtigen Zeit parat. Dies zeigt sich auch an dem Plus von 70 Prozent bei den Prime-Mitgliedschaften gegenüber dem Vorjahr. Auch die Zahl der aktiven Kunden zog zuletzt um weitere 17 Prozent an und überschritt nunmehr die Marke von 84 Mio. Mitglieder.

Dennoch zeigt der Wachstumstrend nach unten. Stellte Amazon auf Jahressicht noch ein Umsatzplus von bis zu 35 Prozent in Aussicht, revidiert das Unternehmen seine Wachstumsprognose auf 24 bis 31 Prozent nach unten. Beim operativen Gewinn könnte der Einbruch besonders drastisch ausfallen. Im vierten Quartal erwartet Amazon.com im schlimmsten Fall einen Gewinneinbruch von bis zu 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr und dies im traditionell sehr starken Weihnachtsgeschäft. Die Unsicherheit über die Auswirkungen der US-Banken- und Finanzkrise auf das Konsumverhalten lässt Grüssen.

Amazon setzt auf Diversifikation
Um sich breiter aufzustellen, erweiterte Amazon zuletzt nicht nur seine Produktkategorien um weitere Rubriken wie Autoteile (Deutschland) und Gesundheitsprodukte (England), sondern versucht auch stärker im Bereich Web Services Fuß zu fassen. Neue Online-Speicherangebote wie Amazon Elastic Block Store (Amazon EBS) oder das neue CDN-Angebot für den schnellen Webseitenaufbau sollen kleine und mittelgroße Firmenkunden locken.

Vorerst jedoch dürften vor allem sinkende Preise das Geschehen beherrschen. Ab dem ersten 1. November 2008 gelten für den Amazon-Speicherservice Amazon S3 niedrigere Preise. Gleichzeitig senkte der englische Amazon-Ableger Amazon.co.uk die Order-Schwelle für den kostenlosen Versand von 15 auf fünf Pfund. Daneben wurde in Frankreich am 1. Oktober ebenfalls das Versandprogramm Amazon Prime eingeführt. Für einen jährlichen Obolus von 49 Euro schickt Amazon die Pakete in Frankreich kostenlos ins Haus. Diese Maßnahmen dürften zwar das Geschäft kurzfristig beflügeln, könnten aber auch die Gewinne weiter belasten, was sich in der breiten Spanne bei den Gewinnprognosen für das laufende Quartal bereits zeigt…

Kurzportrait

Die in Seattle ansässige Amazon.com öffnete seine virtuellen Einkaufstüren im Jahre 1995. Als Online-Buchhändler an den Start gegangen, entwickelte sich das Unternehmen in den letzten Jahren zu einem universellen Online-Kaufhaus, das nicht nur Bücher, sondern auch Musik-CDs, Videos, DVDs, Spielzeug, Computerspiele, Elektrogeräte, Küchenzubehör, Lebensmittel (Amazon Fresh) und vieles mehr anbietet. Nach eigenen Angaben nach bietet Amazon.com damit das weltweit größte Produktangebot im weltweiten Datennetz. Insgesamt ist das Internet-Unternehmen in mehr als 220 Ländern weltweit aktiv und betreut über 80 Millionen Kunden.

Neben dem eigentlichen Online-Produktangebot, bietet Amazon.com aber auch Auktionen und E-Commerce Plattformen (zShops) für Geschäftskunden an. Inzwischen können auch gebrauchte Produkte über die Internet-Plattform von Amazon.com verkauft werden.

Daneben hält der Online-Händler noch zahlreiche Beteiligungen an anderen Internet-Unternehmen. Über die Einheit Amazon.com Anywhere will das Unternehmen den Markt für den mobilen E-Commerce erschließen. Wenn es nach Amazon.com geht, sollen Kunden in naher Zukunft mit Hilfe des Mobiltelefons ihre Einkäufe erledigen können. Zuletzt konnte das Unternehmen mit Preisnachlässen und seinem Flate-Rate-Lieferservice (Amazon Prime) bei den Kunden punkten.

Neben den USA ist das Unternehmen vor allem aber auch in Europa verstärkt aktiv. Niederlassungen in Asien und in Lateinamerika ergänzen den globalen Auftritt des weltweit führenden Online-Händlers. Nachdem Amazon.com in den Jahren 1999 mit Exchange.com, Accept.com und Alexa Internet einen dreistelligen Millionenbetrag für Zukäufe ausgab, stieg das Unternehmen in 2004 mit seiner Suchmaschine A9.com in den Markt für bezahlte Links ein. Mitte 2005 übernahm Amazon.com den DVD-Spezialisten CustomFlix Labs. Die Amazon-Tochter bietet erfolgreich DVD on Demand-Dienste an. Zugleich wurde der On-Demand-Spezialist BookSurge aufgekauft. In 2006 übernahm Amazon.com den US-Händler Shopbob. Im Frühjahr 2007 schluckte Amazon.com die englische Fotoseite dpreview.com Ende 2007 brachte Amazon seinen eBook-Reader Amazon Kindle auf den Markt und startete gleichzeitig die Frage- und Antwortseite Askville.com. Mit Shelfari, AbeBooks.com und dem Spielespezialisten Reflexive wurden in 2008 weitere Zukäufe getätigt.

Mit seinem Online-Buchshop Yoyo.com ist Amazon.com auch in China präsent. Durch eine Kooperation mit dem DVR-Spezialisten TiVo können Amazon-Kunden Filme über die Amazon-Seiten (Amazon Unbox) herunterladen und auf dem Fernseher abspielen.

Der visionäre Unternehmensgründer Jeff Bezos, welcher gleichzeitig als CEO der Gesellschaft fungiert, hält zusammen mit seiner Familie etwa ein Drittel der Anteile am Unternehmen.

Zahlen

Für das vergangene Septemberquartal berichtet Amazon.com von einem Umsatzanstieg um 31 Prozent auf 4,26 Mrd. Dollar, nach Einnahmen von 3,26 Mrd. Dollar im Jahr vorher. Während das Media-Geschäft mit dem Verkauf von CDs, Büchern und DVDs um 19 Prozent auf 2,49 Mrd. Dollar anzog, kletterte das Geschäft mit Elektronikprodukten um 52 Prozent auf 1,64 Mrd. Dollar. Der Absatz von elektronischen Büchern für seinen eBook-Reader Kindle steuerte mehr als zehn Prozent zum gesamten Bücherumsatz bei, heißt es bei Amazon.com.

Der Nettogewinn legte dabei um 48 Prozent auf 118 Mio. Dollar oder 27 US-Cent je Aktie zu, nach einem Plus von 80 Mio. Dollar oder 19 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Mit den vorgelegten Zahlen konnte Amazon zugleich die Markterwartungen übertreffen. Analysten hatten im Vorfeld mit Einnahmen von 4,27 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 25 US-Cent je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: E-Commerce

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