Amazon.com mutiert zum Technologiekonzern - Bruttomargen steigen

Montag, 30. April 2012 13:17
Amazon Unternehmenslogo

(IT-Times) - Mit einem Kursfeuerwerk gingen Amazon-Aktien am Freitag ins Wochenende. Nicht nur der Umsatzsprung von 34 Prozent auf 13,18 Mrd. Dollar beeindruckte Analysten und Investoren, sondern insbesondere die höheren Gewinnmargen.

Die Bruttomarge kletterte im jüngsten Quartal um 120 Basispunkte gegenüber dem Vorjahr auf knapp 24 Prozent, der größte Sprung seit zehn Jahren, weiß RBC Capital Markets Experte Ross Sandler. Die höheren Bruttomargen rühren daher, dass Amazon.com mehr digitale Produkte wie Kindle eBooks, Filme, Musik und Apps verkaufen konnte. Hier sind die Margen höher, als im traditionellen Handel. Neun der Top-10-Besteller kamen dann auch aus dem Bereich digitale Produkte, wobei sich insbesondere der Kindle Fire Tablet weiterhin großer Nachfrage erfreute.

Kindle Fire dominiert Markt für Android Tablets
Detaillierte Verkaufszahlen wollte Amazon.com (Nasdaq: AMZN, WKN: 906866) bezüglich seines Tablets zwar nicht veröffentlichen, doch die Zahlen aus dem Hause comScore sprechen eine deutliche Sprache. Binnen weniger Monate brachte Amazon.com den Markt für Android-basierte Tablets unter seine Kontrolle. Kam der Online-Händler mit seinem Kindle Fire im Dezember 2011 noch auf einen Marktanteil von 29,4 Prozent unter den Android-Tablets, ist dieser im Februar 2012 auf nunmehr 54,4 Prozent gestiegen.

Abgeschlagen auf Platz zwei rangiert Samsung mit seiner Galaxy Tab Reihe, dessen Marktanteil von 23,8 Prozent im Dezember 2011 auf zuletzt nur noch 15,4 Prozent einbrach. comScore-Analysten führen die Dominanz von Amazon.com vor allem auf die Entscheidung des Online-Händlers zurück, den Kindle Fire für 199 US-Dollar im Markt zu platzieren. Damit genießt der Kindle Tablet einen preislichen Wettbwerbsvorteil, da die meisten Android-Tablets in der Preiskategorie von 500 US-Dollar angesiedelt sind.

Zudem kursieren bereits Gerüchte über den nächsten Coup von Amazon.com. Demnach könnten noch in diesem Jahr ein Kindle Fire mit einem 8,9-Zoll großen Display bzw. ein 10,1-Zoll großes Gerät auf den Markt kommen. Bestätigen wollte Amazon.com die neuen Modelle zwar noch nicht, Analysten rechnen jedoch fest damit, dass Amazon.com in diesem Jahr nochmals nachlegen wird.

Expansion in profitablere Geschäftsbereiche - Analysten heben Kursziele deutlich an
Daneben glauben Analysten an weiter steigende Gewinnmargen, denn nicht nur Kindle eBooks dürften sich angesichts der boomenden Kindle-Absatzzahlen weiterhin großer Beliebtheit erfreuen. Auch die Expansion des Online-Händlers in profitablere Serviceangebote wie Cloud- und Online-Marktplatzangebote dürfte ihren Teil dazu beitragen, dass die Gewinnmargen in den nächsten Quartalen bzw. auf Jahre hinaus weiter klettern werden.

Analystenhäuser wie Banc of America Merrill Lynch und Nomura Securities halten daher Kursziele von 270 bis 285 US-Dollar für erreichbar.

Kurzportrait

Die in Seattle ansässige Amazon.com öffnete seine virtuellen Einkaufstüren im Jahre 1995. Als Online-Buchhändler an den Start gegangen, entwickelte sich das Unternehmen in den letzten Jahren zu einem universellen Online-Kaufhaus, das nicht nur Bücher, sondern auch Musik-CDs, Videos, DVDs, Spielzeug, Computerspiele, Elektrogeräte, Küchenzubehör, Lebensmittel (Amazon Fresh) und vieles mehr anbietet. Insgesamt ist das Internet-Unternehmen in mehr als 220 Ländern weltweit aktiv und betreut über 90 Millionen Kunden weltweit. Dabei operiert Amazon.com heute aus zwei Kerngeschäftsbereichen heraus: Nordamerika und International.

Neben dem eigentlichen Online-Produktangebot, bietet Amazon.com aber auch Auktionen und E-Commerce Plattformen (zShops) für Geschäftskunden an. Inzwischen können auch gebrauchte Produkte über die Internet-Plattform von Amazon.com verkauft werden.

Über die Einheit Amazon.com Anywhere will das Unternehmen den Markt für mobiles E-Commerce erschließen. Zuletzt konnte das Unternehmen mit Preisnachlässen und seinem Flate-Rate-Lieferservice (Amazon Prime) bei den Kunden punkten. Mit seinem Online-Buchshop Yoyo.com ist Amazon.com auch in China präsent.

Neben den USA ist das Unternehmen vor allem aber auch in Europa verstärkt aktiv. Niederlassungen in Asien und in Lateinamerika ergänzen den globalen Auftritt von Amazon.com. Nachdem Amazon.com Ende der 1990er Jahre mit Exchange.com, Accept.com und Alexa Internet einen dreistelligen Millionenbetrag für Zukäufe ausgab, stieg das Unternehmen in 2004 mit seiner Suchmaschine A9.com in den Markt für bezahlte Links ein. Gleichzeitig übernahm man die chinesische E-Commerce Seite Joyo.com (heute Amazon China). Mitte 2005 übernahm Amazon.com den DVD-Spezialisten CustomFlix Labs. Zugleich wurde der On-Demand-Spezialist BookSurge aufgekauft. In 2006 übernahm Amazon.com den US-Händler Shopbob. Im Frühjahr 2007 schluckte Amazon.com die englische Fotoseite dpreview.com. Ende 2007 brachte Amazon seinen eBook-Reader Amazon Kindle auf den Markt und startete gleichzeitig die Frage- und Antwortseite Askville.com. Mit Audible, Shelfari, AbeBooks.com, Withoutabox, Fabric.com und dem Spielespezialisten Reflexive wurden in 2008 weitere Zukäufe getätigt. Nach der Übernahme von SnapTell, übernahm Amazon.com in 2009 den Online-Schuhhändler Zappos.com. Zudem kündigte Amazon.com mit AmazonBasics eine eigene Produktlinie an. Anfang 2010 schluckte Amazon.com mit Touchco zudem einen TouchScreen-Display-Spezialisten. Im Herbst 2010 verstärkte sich Amazon.com durch die Übernahme von BuyVip.com. Anfang 2011 übernahm Amazon.com den europäischen DVD-Verleiher Lovefilm vollständig. Im Herbst 2011 stellte Amazon mit dem Kindle Fire seinen ersten Tablet PC vor.

Der visionäre Unternehmensgründer Jeff Bezos, welcher gleichzeitig als CEO der Gesellschaft fungiert, hält zusammen mit seiner Familie etwa ein Drittel der Anteile am Unternehmen.

Zahlen

Für das vergangene erste Quartal 2012 meldet Amazon.com einen Umsatzsprung um 34 Prozent auf 13,18 Mrd. US-Dollar. Der Nettogewinn ging um 35 Prozent auf 130 Mio. US-Dollar oder 28 US-Cent je Aktie zurück, nachdem Amazon.com im Vorjahr noch einen Profit von 201 Mio. Dollar oder 44 US-Cent je Aktie ausweisen konnte, allerdings übertraf der Kindle-Hersteller damit die Gewinnerwartungen der Analysten deutlich. An der Wall Street hatte man im Vorfeld nur mit Einnahmen von 12,91 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von sieben US-Cent je Aktie gerechnet.

Amazon-Finanzchef Tom Szkutak verwies auf die gestiegenen Media-Umsätze in Nordamerika, die nicht zuletzt auf die hohe Nachfrage des Kindle Fire Tablets zurückzuführen seien. Kunden hätten zudem sehr viele Inhalte gekauft, so der Manager, ohne allerdings detaillierte Absatzzahlen nennen zu wollen. So kletterten die Nordamerika-Umsätze bei Amazon.com um 36 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 7,43 Mrd. Dollar, während das internationale Geschäft um 31 Prozent auf 5,76 Mrd. Dollar zulegte. Im Bereich Worldwide Media zogen die Umsätze um 19 Prozent auf 4,71 Mrd. Dollar an, während die weltweiten Elektronikumsätze um 43 Prozent auf 7,97 Mrd. Dollar kletterten.

Meldung gespeichert unter: E-Commerce

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