Amazon.com im Investitionsmodus - Aktionäre haben (noch) das Nachsehen

Streaming-TV: Amazon.com geht in die Offensive

Montag, 29. April 2013 13:58
Amazon Unternehmenslogo

(IT-Times) - Die Aktien des Online-Händlers Amazon.com gerieten am Ende der Vorwoche kräftig unter die Räder. Amazon-Aktien verloren mehr als sieben Prozent an Wert, nachdem der Online-Händler einen Gewinnrückgang von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr melden musste und zugleich mit einem düsteren Ausblick für das laufende Quartal enttäuschte.

Bei Amazon.com steht derzeit klar das Wachstum im Vordergrund. Für das laufende zweite Quartal erwartet Amazon.com (Nasdaq: AMZN, WKN: 906866) einen operativen Verlust bis zu 340 Mio. US-Dollar. Aktionäre, die auf höhere Gewinne hofften, haben derzeit das Nachsehen.

Der Grund: Amazon.com will weiter in seine Zukunft investieren. Neue Logistikzentren und mehr digitale Inhalte sollen neue Kunden locken. Amazon.com will insbesondere im Streaming-Bereich zu einem großen Player aufsteigen.

Amazon.com wandelt auf den Spuren von Netflix - Eigenproduktionen sollen mehr Kunden locken
Dies soll mit Hilfe von Eigenproduktionen realisiert werden. Derzeit laufen 14 Pilot-Programme in den USA, England und Deutschland. Zuschauer können dabei mit entscheiden, welche Pilotprogramme weitere Episoden erhalten sollen. Amazon-Mitgründer Jeff Bezos stellt dann auch klar, dass die Zuschauer letztlich entscheiden werden, welche TV-Serie in Produktion gehen wird.

Mit dem Pilotprogramm wandelt Amazon.com auf den Spuren von Netflix. Der Streaming-Konkurrent hatte es nicht zuletzt durch seine Erfolgsproduktion „House of Cards“ geschafft, zahlreiche Abonnenten im ersten Quartal zu gewinnen.

Abkommen mit A&E, CBS und Public Broadcasting
Amazon.com hatte sich im vergangenen ersten Quartal 2013 mit A&E Television Networks, CBS Corp und Public Broadcasting Service auf Lizenzabkommen geeinigt, wodurch das Unternehmen TV-Shows wie „Downton Abbey“ und „Justified“ seinen Videokunden zeigen darf.

Nach einem Bericht des Wall Street Journal plant Amazon.com eine eigne Set-Top-Box (Kindle Box), über die Kunden TV-Serien und Filme direkt über das Internet ins Wohnzimmer streamen können. Die Streaming-Box soll noch bis Jahresende auf den Markt kommen, heißt es.

Digitales Geschäft wächst am schnellsten
Das digitale Geschäft boomt bei Amazon.com. Detaillierte Zahlen wollte Amazon.com Finanzchef Thomas Szkutak zwar nicht nennen, jedoch wachse das digitale Inhaltsgeschäft derzeit „sehr viel schneller“ als das Geschäft mit physischen Produkten, so der Manager.

Unter den Top-10-Bestsellern auf der Amazon-Seite fanden sich im ersten Quartal 2013 ausschließlich digitale Produkte oder Produkte rund um Kindle Tablets und eBook Reader, so Szkutak.

Wenig verwunderlich also, dass Amazon.com das Geschäft mit digitalen Inhalten noch weiter ausbauen will. Kurzfristig dürften die hohen Investitionskosten die Ertragssituation belasten, langfristig könnte sich diese Strategie aber auch für die Aktionäre auszahlen.

Kurzportrait

Die in Seattle ansässige Amazon.com öffnete seine virtuellen Einkaufstüren im Jahre 1995. Als Online-Buchhändler an den Start gegangen, entwickelte sich das Unternehmen im vergangenen Jahrzehnt zu einem universellen Online-Kaufhaus, das nicht nur Bücher, sondern auch Musik-CDs, Videos, DVDs, Spielzeug, Computerspiele, Elektrogeräte, Küchenzubehör, Lebensmittel (Amazon Fresh) und vieles mehr anbietet. Insgesamt ist das Internet-Unternehmen in mehr als 220 Ländern weltweit aktiv und betreut über 100 Millionen Kunden weltweit. Dabei operiert Amazon.com heute aus zwei Kerngeschäftsbereichen heraus: Nordamerika und International.

Neben dem eigentlichen Online-Produktangebot, bietet Amazon.com aber auch Auktionen und E-Commerce Plattformen (zShops) für Geschäftskunden an Mit seiner Einheit Amazon Web Services (AWS) ist Amazon.com inzwischen auch im Cloud Computing Markt vertreten.

Über die Einheit Amazon.com Anywhere will das Unternehmen den Markt für mobiles E-Commerce erschließen. Zuletzt konnte das Unternehmen mit Preisnachlässen und seinem Flate-Rate-Lieferservice (Amazon Prime) bei den Kunden punkten. Mit seinem Online-Buchshop Yoyo.com ist Amazon.com auch in China präsent.

Niederlassungen in Asien und in Lateinamerika ergänzen den globalen Auftritt von Amazon.com. Nachdem Amazon.com Ende der 1990er Jahre mit Exchange.com, Accept.com und Alexa Internet einen dreistelligen Millionenbetrag für Zukäufe ausgab, stieg das Unternehmen in 2004 mit seiner Suchmaschine A9.com in den Markt für bezahlte Links ein. Gleichzeitig übernahm man die chinesische E-Commerce Seite Joyo.com (heute Amazon China). Ende 2007 brachte Amazon seinen eBook-Reader Amazon Kindle auf den Markt und startete gleichzeitig die Frage- und Antwortseite Askville.com. Mit Audible, Shelfari, AbeBooks.com, Withoutabox, Fabric.com und dem Spielespezialisten Reflexive wurden in 2008 weitere Zukäufe getätigt. Nach der Übernahme von SnapTell, übernahm Amazon.com in 2009 den Online-Schuhhändler Zappos.com. Zudem kündigte Amazon.com mit AmazonBasics eine eigene Produktlinie an. Im Herbst 2010 verstärkte sich Amazon.com durch die Übernahme von BuyVip.com. Anfang 2011 übernahm Amazon.com den europäischen DVD-Verleiher Lovefilm vollständig. Im Herbst 2011 stellte Amazon mit dem Kindle Fire seinen ersten Tablet PC vor. Mitte 2012 gründete Amazon mit den Amazon Game Studios sein eigenes Entwicklerstudio. Anfang 2013 schnappte sich Amazon.com den Softwarespezialisten IVONA Software.

Der visionäre Unternehmensgründer Jeff Bezos, welcher gleichzeitig als CEO der Gesellschaft fungiert, hält zusammen mit seiner Familie etwa ein Drittel der Anteile am Unternehmen.

Zahlen

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