Yahoo - Marissa Mayer die letzte Rettung?

Freitag, 20. Juli 2012 13:08
Yahoo Unternehmenslogo

(IT-Times) - Die ehemalige Google-Managerin Marissa Mayer soll das angeschlagene Internet-Portal Yahoo wieder auf die Gewinnerstraße zurückführen. Mit der Benennung der 37-jährigen Technik-Expertin ist Yahoo zunächst ein Überraschungs-Coup gelungen. An der Wall Street hatte man mit dem Medien-Mann Ross Levingsohn als Nachfolger gerechnet, der bislang als Interim CEO fungierte.

Im Rahmen einer spontanen Umfrage auf Mashable (7.500 Teilnehmer), glauben 88 Prozent der Befragten, dass Yahoo mit Mayer die richtige Entscheidung getroffen hat. Die 37-jährige Managerin bringt enormes technisches Wissen mit, galt Mayer bei Google als die Nummer drei hinter den beiden Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin. So zeichnete Mayer als Google Produkt-Managerin unter anderem für die Suchmaschine und viele weitere Produkte wie Google Mail und iGoogle verantwortlich. Wall Street Beobachter glauben daher, dass Mayer dem angestaubten Internet-Pionier neues Leben einhauchen kann.

Neue Yahoo-Chefin soll 100 Mio. Dollar in fünf Jahren erhalten
Wie ernst die Lage bei Yahoo (Nasdaq: YHOO, WKN: 900103) wirklich ist, lässt sich durch die fürstliche Entlohnung der neuen Yahoo-Chefin erahnen. Das Grundgehalt der ehemaligen Google-Managerin wurde auf eine Mio. Dollar festgesetzt. In den nächsten fünf Jahren könnte die die neue Yahoo-Chefin inklusiver Aktien-Optionen und Beteiligungen bis zu 100 Mio. US-Dollar verdienen, wie eine Yahoo-Sprecherin gegenüber Reuters bestätigt.

Marissa Mayer scheint die letzte Hoffnung für Yahoo, um doch noch die Kurve im Zeitalter von Social-Networking und mobilen Internet zu kriegen. Zwar kletterten die Mobile-Umsätze im jüngsten Quartal laut Aussagen von Yahoo-Finanzchef Tim Morse um 50 Prozent, doch von einer kleinen Basis aus. Noch spielt der Mobile-Bereich noch keine tragende Rolle beim Gesamtumsatz.

Auch im Social-Networking-Bereich hat Yahoo bislang das Nachsehen. Während Facebook einsam an der Spitze seine Kreise zieht, hat Google zumindest mit Google+ den Anschluss im Social-Networking-Bereich geschafft. Bei Yahoo wartet man bislang vergeblich auf ein innovatives Produkt in diesem Bereich.

Mayer fordert mehr Innovation, Kreativität und Inspiration
Die Stärken von Yahoo sehen Marktbeobachter dann auch im klassischen Medienbereich rund um die Dienste Yahoo! News, Yahoo! Finance, Yahoo! Sports und Yahoo! Mail. In einem internen Memo an die Yahoo-Mitarbeiter deutete Mayer an, wohin die Reise gehen soll. Man benötige mutige Innovationen, couragierte Kreativität und eine ultimative Inspiration, so Mayer in dem Memo, dass dem Branchendienst AllThingsD zugespielt wurde.

Mayer hat nach eigenem Bekunden zwar schon einige Ideen, doch wie diese im Detail aussehen, schweigt sich die Google-Managerin im Memo noch aus. Die werdende Mutter will sich zunächst ein Bild von der Gesamtsituation bei Yahoo verschaffen.

Doch die Zeit wird knapp. Während Yahoo in den vergangenen fünf Jahren ohne großen Erfolg vier verschiedene CEOs verschließen hat, ist die Konkurrenz weit enteilt. Es wird also schon ein kleines Wunder benötigt, um Yahoo wieder zu alter Stärke zu verhelfen.

Kurzportrait

Das Internet-Unternehmen Yahoo wurde ursprünglich im Jahre 1994 von den Studenten Jerry Yang und David Filo als Internet-Suchmaschine gegründet. Die Suchmaschine Yahoo sollte das Navigieren im weltweiten Datennetz erleichtern und das Auffinden von Informationen vereinfachen. Heute präsentiert sich das Unternehmen als vollwertiges Internet-Portal, das seinen weltweit rund 700 Millionen Nutzern im Monat umfassende Services und Zusatzdienste anbietet.

Nach und nach wurden Auslandstöchter gegründet und das inhaltliche Angebot weiter ergänzt, so dass Yahoo bereits im Jahre 1998 ein umfassendes Inhaltsangebot anbieten konnte und nicht länger nur als Suchmaschine fungierte. In den Jahren 1999 bis 2000 ergänzte das Unternehmen sein Angebot durch weitere Zukäufe. Mit der Akquisition der Online-Stellenbörse HotJobs.com konnte Yahoo den Mitbieter TMP Worldwide ausstechen, inzwischen wurde HotJobs.com an den Konkurrenten Monster abgegeben. Im Jahr 2002 übernahm Yahoo den Suchmaschinenspezialisten Inktomi, um seine Suchtechnik zu stärken. Im Jahr 2003 verstärkte sich Yahoo durch die Übernahme von Overture Services im Bereich "sponsored Links", um dem bisherigen Marktführer Google die Stirn zu bieten. Danach folgte die Übernahme des chinesischen Suchspezialisten 3721 Network Software, anschließend übernahm Yahoo den Web-Spezialisten Musicmatch und den VoIP-Spezialisten DialPad Communications. Gleichzeitig beteiligte sich Yahoo mit insgesamt einer Mrd. Dollar mit 40 Prozent an Chinas führendem E-Commerce Unternehmen Alibaba und brachte damit seine China-Aktivitäten in das Venture mit ein. Daneben hält Yahoo noch eine 35%ige Beteiligung an Yahoo Japan.

Später übernahm Yahoo den Bookmark-Dienst Del.icio.us sowie die Musik-Community Webjay. Mit demVideo-Editor Jumpcut und den Online-Werbespezilaisten AdInterax folgten weitere Zukäufe. Anfang 2007 kaufte man die Online-Community MyBlogLog. Später übernahm Yahoo den Spezialisten Right Media vollständig. Mitte 2007 schluckte Yahoo die Webseite Rivals.com, das Werbenetzwerk BlueLithium und den Email-Spezialisten Zimbra und die Newsseite BuzzTracker. Anfang 2008 übernahm Yahoo die Videoplattform Maven Networks und den Marketing-Spezialisten IndexTools. Ende 2008 trennte sich Yahoo von seiner Preissuchmaschine Kelkoo. Im Herbst 2009 schluckte Yahoo die arabische Internet-Community Maktoob.com. Anfang 2010 trennte sich Yahoo wieder von Zimbra und verkaufte den Email-Spezialisten an VMware. Anfang 2010 wurde die indonesische Koprol übernommen, zudem wurden Dapper und Citizen Sports aufgekauft. In 2011 schluckte Yahoo neben IntoNow, auch den Spezialisten interclick. Im Frühjahr 2012 verkauft Yahoo die Hälfte seiner Alibaba-Beteiligung (20 Prozent) für 7,1 Mrd. Dollar an die Alibaba Group.

Die Einnahmequelle Online-Werbung trägt nach wie vor die Mehrheit der gesamten Yahoo-Umsätze. Durch Kooperationen mit AT&T und BT vermarktet Yahoo! auch erfolgreich Breitbandzugangsservices. Die beiden Firmengründer David Filo und Jerry Yang halten nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Yahoo.

Zahlen

Für das vergangene zweite Quartal 2012 meldet Yahoo einen Umsatz von 1,22 Mrd. US-Dollar, der damit auf Vorjahresniveau von 1,23 Mrd. Dollar stagnierte, gleichzeitig sanken die Ergebniswerte von Yahoo spürbar.

So stürzte das operative Ergebnis gegenüber dem Vorjahresquartal von 190,9 Mio. auf 54,81 Mio. Dollar. Sondererträge und ein gutes Finanzergebnis sorgten trotzdem für ein Nettoergebnis von 226,63 Mio. Dollar oder 0,18 Dollar je Aktie. Damit blieb der Quartalsüberschuss allerdings immer noch hinter dem Vorjahreswert von 236,97 Mio. Dollar (0,18 Dollar je Aktie) zurück.

Meldung gespeichert unter: Yahoo

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