Yahoo - Aufwärtstrend gerät ins Stocken

Donnerstag, 22. Juli 2010 13:54
Yahoo Campus

(IT-Times) - Sah sich das amerikanische Internet-Portal Yahoo (Nasdaq: YHOO, WKN: 900103) zu Jahresbeginn noch im Aufwind, kommen nunmehr erneut Zweifel auf, ob die neue Yahoo-Chefin Carol Bartz das Unternehmen wieder zurück auf die Erfolgsspur führen kann.

Zwar meldete Yahoo einen Zuwachs von 19 Prozent im Geschäft mit Display-Anzeigen, die Einnahmen aus dem Geschäft mit Suchmaschinenwerbung schrumpfen allerdings um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Yahoo-Chefin Carol Bartz gab dann auch im Rahmen der Pressekonferenz unumwunden zu, dass man Suchanfragen nicht so monetarisieren konnte, wie erhofft.

Yahoo hält an langfristigen Margenziel fest
Durch die strickte Kostenkontrolle erholte sich die operative Gewinnmarge zuletzt deutlich auf 11,0 Prozent, nach 4,8 Prozent im Vorjahr. Yahoo-Finanzchef Tim Morse hat noch ehrgeizigere Ziele. In den kommenden Jahren soll die operative Marge auf über 20 Prozent steigen, so der Manager.

Dieses Ziel scheint durchaus realistisch, sollte die Ausgliederung des Suchmaschinengeschäfts an Microsoft erfolgreich verlaufen. Erste Tests seien bereits angelaufen, im Herbst bzw. im vierten Quartal soll der Umstieg dann vollzogen werden, wodurch Microsofts Suchmaschine Bing Yahoo Search auf Yahoo-Seiten ersetzen wird. Hiervon erhofft sich Yahoo beträchtliche Kosteneinsparungen, was sich positiv auf die Gewinnmargen auswirken soll.

Margen steigen - Fragen bleiben
Trotz der Bemühungen von Seiten des Managements bleiben viele Fragen offen. In etwa die Frage, wie Yahoo den Trend der sinkenden Umsatzerlöse aufhalten will. Social-Networking-Portale wie Facebook gewinnen immer mehr an Bedeutung, während Yahoo zunehmend in die Defensive gerät. Durch eine Kooperation mit Facebook und Social-Networking-Portalen wie mit Zynga will Yahoo von diesem Trend profitieren und gleichzeitig seine Zukunft sichern.

Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten. Angesichts der jüngsten Umsatzzahlen scheint ein Befreiungsschlag notwendig. Erst im April wurde über eine Übernahme des Social-Dienstes Foursquare durch Yahoo spekuliert. Für 100 Mio. US-Dollar sollte das Unternehmen den Besitzer wechseln, doch ein Deal kam bislang nicht zu Stande.

Bereits im Jahr 2007 agierte Yahoo zu zögerlich. Facebook-Gründer Mark Zuckerberg forderte damals eine Mrd. Dollar, ein Preis den Yahoo-Chef Terry Semel damals nicht bezahlen wollte - heute wird der Wert von Facebook auf rund 15 bis 20 Mrd. Dollar taxiert, nachdem das Unternehmen jüngst den 500 millionsten aktiven Nutzer begrüßen konnte…

Kurzportrait

Das Internet-Unternehmen Yahoo wurde ursprünglich im Jahre 1994 von den Studenten Jerry Yang und David Filo als Internet-Suchmaschine gegründet. Die Suchmaschine Yahoo sollte das Navigieren im weltweiten Datennetz erleichtern und das Auffinden von Informationen vereinfachen. Heute präsentiert sich das Unternehmen als vollwertiges Internet-Portal, das seinen weltweit mehr als 580 Mio. Nutzern im Monat umfassende Services und Zusatzdienste bietet.

Der eigentliche Aufstieg der Gesellschaft begann im Jahre 1996 mit dem Börsengang an die Nasdaq. So folgten bereits zwei Jahre nachdem IPO die Übernahmen der Internet-Unternehmen WebCal, Viaweb, HyperParallel und Yoydyne Entertainment. Im Jahr 1999 wurden weitere Zukäufe getätigt und anderem die weltweit führende Online-Gemeinschaft GeoCities, als auch der Internet-Dienst broadcast.com übernommen, wobei GeoCities inzwischen wieder geschlossen wurde. Mit der Akquisition von Online Anywhere, Encompass und Log-Me-On.com stillte das Unternehmen seinen Expansionsdrang. Nach und nach wurden Auslandstöchter gegründet und das inhaltliche Angebot weiter ergänzt, so dass Yahoo bereits im Jahre 1998 ein umfassendes Inhaltsangebot anbieten konnte und nicht länger nur als Suchmaschine fungierte.

In den Jahren 1999 bis 2000 ergänzte das Unternehmen sein Angebot durch weitere Special-Interest-Angebote. Im Jahr 2001 folge die Übernahme des Online-Musikdienstes Launch Media. Mit der Akquisition der Online-Stellenbörse HotJobs.com konnte Yahoo den Mitbieter TMP Worldwide ausstechen. Im Jahr 2002 übernahm Yahoo den Suchmaschinenspezialisten Inktomi, um seine Suchtechnik zu stärken. Im Jahr 2003 verstärkte sich Yahoo durch die Übernahme von Overture Services im Bereich „sponsored Links“, um dem bisherigen Marktführer Google die Stirn zu bieten. Danach folgte die Übernahme des chinesischen Suchspezialisten 3721 Network Software. Anschließend übernahm Yahoo den Web-Spezialisten Musicmatch und den VoIP-Spezialisten DialPad Communications. Gleichzeitig beteiligte sich Yahoo mit insgesamt einer Mrd. Dollar mit 40 Prozent an Chinas führendem E-Commerce Unternehmen Alibaba und brachte damit gleichzeitig seine China-Aktivitäten in das Venture mit ein.

Später übernahm Yahoo den Bookmark-Dienst Del.icio.us sowie die Musik-Community Webjay. Gleichzeitig kaufte Yahoo den Video-Editor Jumpcut. Im Herbst folgte schließlich die Akquisition des Online-Werbespezilaisten AdInterax. Ende 2006 übernahm Yahoo über seine Einheit Yahoo Kimo die taiwansche Social-Media-Plattform WRETCH. Anfang 2007 kaufte man die Online-Community MyBlogLog. Später übernahm Yahoo den Spezialisten Right Media vollständig. Mitte 2007 schluckte Yahoo die Webseite Rivals.com, das Werbenetzwerk BlueLithium sowie den Email-Spezialisten Zimbra und die Newsseite BuzzTracker. Anfang 2008 übernahm Yahoo die Videoplattform Maven Networks und den Marketing-Spezialisten IndexTools. Ende 2008 trennte sich Yahoo von seiner Preissuchmaschine Kelkoo. Mitte 2009 übernahm Yahoo den Foto-Service Xoopit. Im Herbst 2009 schluckte Yahoo die arabische Internet-Community Maktoob.com. Anfang 2010 trennte sich Yahoo wieder von Zimbra und verkaufte den Email-Spezialisten an VMware. Anfang 2010 wurde die indonesische Koprol übernommen.

Die Einnahmequelle Online-Werbung trägt nach wie vor die Mehrheit der gesamten Yahoo-Umsätze. Durch Kooperationen mit AT&T und BT vermarktet Yahoo! auch erfolgreich Breitbandzugangsservices. Die beiden Firmengründer David Filo und Jerry Yang halten nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an Yahoo.

Zahlen

Für das vergangene Juniquartal meldet Yahoo einen Nettoumsatzrückgang auf 1,128 Mrd. US-Dollar, nachdem das Internet-Unternehmen im Jahr vorher 1,14 Mrd. Dollar umsetzen konnte. Der Bruttoumsatz zog dagegen um zwei Prozent auf 1,6 Mrd. Dollar an, nach Bruttoeinnahmen von 1,57 Mrd. Dollar im Jahr vorher.

Der Nettogewinn kletterte im vergangenen zweiten Quartal um 51 Prozent auf 213,3 Mio. US-Dollar oder 15 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 141,4 Mio. Dollar oder zehn US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode. Mit den vorgelegten Zahlen übertraf Yahoo die Markterwartungen der Analysten um einen Cent. Analysten hatten im Vorfeld mit einem Nettoumsatz von 1,16 Mrd. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 14 US-Cent je Aktie gerechnet.

Meldung gespeichert unter: Yahoo

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