Vodafone verschafft sich mehr Präsenz in Europa

Konsolidierung im Telekommarkt

Dienstag, 25. Juni 2013 12:43
Vodafone Logo

(IT-Times) - Die Woche begann mit einem Paukenschlag. Der britische Mobilfunkkonzern Vodafone Group ist bereit, 87 Euro je Aktie bzw. bis zu 10,7 Mrd. Euro inklusive der Übernahme von Schulden für den deutschen TV-Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland zu zahlen.

Analysten schätzen den Kaufpreis zwar als hoch ein, was Risiken im Bezug auf mögliche Abschreibungen birgt, wenn der Deal nicht so funktioniert, wie sich dies beide Unternehmen erhoffen. Dennoch macht die Übernahme für die Vodafone Group plc (WKN: A0J3PN) Sinn.

Kostenvorteile auf 300 Mio. Euro taxiert
Durch den Zukauf hat das Unternehmen die Möglichkeit, zum führenden Telekom- und TV-Anbieter in Deutschland aufzusteigen und der Deutschen Telekom die Stirn zu bieten. Vodafone taxiert die Synergieeffekte und Kostenvorteil aus dem Deal auf mehr als 300 Mio. Euro, die schon wenige Jahre nach Abschluss der Übernahme realisiert werden sollen.

Der Grund: Kabel Deutschland besitzt eine gut ausgebaute Infrastruktur und betreut mit seinen Kabelanschlüssen bereits 8,5 Millionen Kunden in 13 Bundesländern. Die Kabelanschlüsse sind von großer Bedeutung, können diese nicht nur für die Übertragung von Telefone- und TV-Signalen, sondern auch für schnelle Breitbandinternetanschlüsse genutzt werden.

Derartige Triple-Play-Angebote kommen immer mehr in Mode. Viele Kunden greifen inzwischen auf solche Angebote zurück, um Services nicht nur aus einer Hand zu beziehen, sondern auch Kostenvorteile zu nutzen. Durch die Finanzkraft von Vodafone scheint zudem ein weiterer Ausbau des Kabelnetzes in weitere Bundesländer sowie in urbanen Gebieten möglich.

Breitband-Infrastruktur von Kabel Deutschland ein Glücksfall für Vodafone
Die von Kabel Deutschland aufgebaute Infrastruktur könnte in der Zukunft noch eine größere Rolle spielen, nachdem derartige Breitband-Infrastrukturen immer wichtiger werden, wenn es um die Auslieferung von Video-Streaming oder Cloud Computing Angebote geht.

Darüber hinaus hat der Zukauf noch einen weiteren Vorteil für Vodafone: Die Briten sparen sich teilweise die Miete im Bezug von Festnetzkapazitäten von der Telekom, da Vodafone teilweise auf die Infrastruktur von Kabel Deutschland zurückgreifen kann.

Darüber hinaus dürfte der Deal noch eine weitere Folgewirkung haben. Um durch den hohen Kaufpreis keine Rating-Abstufung zu riskieren, dürfte Vodafone nunmehr eher daran interessiert sein, den Verkauf seiner 45%igen Beteiligung am US-Mobilfunk-Venture Verizon Wireless so schnell wie möglich über die Bühne zu bringen.

Einem Bericht der Financial Times zufolge ist Verizon bereit, bis zu 130 Mrd. US-Dollar für den Anteil zu bezahlen, der augenblicklich noch im Besitz von Vodafone ist.

Kurzportrait

Die im Jahre 1984 gegründete Vodafone Group Plc ist einer der weltweit größten Mobilfunknetzbetreiber und Anbieter von Kommunikationsdienstleistungen. Das Unternehmen bietet sowohl, Sprach- und Datenservices an ist mit seinem Serviceangebot sowohl in Europa, wie auch in Afrika, in Asien und im Mittleren Osten aktiv. Insgesamt betreute Vodafone zuletzt mehr als 400 Millionen Mobilfunkkunden.

Durch eigene Niederlassungen bzw. durch Tochterfirmen betreibt Vodafone rund 7.600 eigene Verkaufsläden weltweit, über die das Unternehmen Mobilfunkverträge samt Mobiltelefone vermarkten. In Europa ist Vodafone vor allem mit den Marken Vodafone, Arcor, Tele2 und TeleTu präsent. Neben Mobilfunkservices bietet Vodafone aber auch eine ganze Reihe von Datenservices an. PC Connectivity Services vermarktet Vodafone über seine Einheit Vodafone Mobile Broadband. Vodafone unterhält Beteiligungen an Mobilfunkbetreibern in 30 Ländern sowie Kooperationen mit 40 Partnern weltweit.

Im Frühjahr 2009 kaufte Vodafone 15 Prozent der Anteile an der afrikanischen Vodacom Group, womit Vodafone seine Beteiligung an dem Mobilfunk-Carrier auf 65 Prozent erhöhte. Vodacom ist einer der führenden Mobilfunknetzbetreiber in Südafrika.

Gleichzeitig betreibt Vodafone gemeinsam mit Verizon das Joint Venture Verizon Wireless. Während Verizon 55 Prozent der Anteile hält, kontrolliert Vodafone 45 Prozent der Anteile. Verizon Wireless gilt als der größte Mobilfunk-Carrier in den USA im Bezug auf die Kundenzahlen.

In 2007 stieg Vodafone großflächig in den indischen Markt durch die Übernahme von Hutchison Essar ein. Vodafone sicherte sich für 13,1 Mrd. Dollar 67 Prozent der Anteile. Daneben hält Vodafone noch eine 4,4%ige Beteiligung an dem indischen Mobilfunk-Carrier Bharti Airtel. Mitte Juni 2009 fusionierte Vodafone Australia mit Hutchison 3G Australia und formte damit ein 50:50 Joint Venture.

Im Frühjahr 2011 kaufte Vodafone für rund fünf Mrd. US-Dollar die restlichen 33 Prozent der Anteile an der indischen Vodafone Essar. Zudem wurde der 44%ige Anteil an der französischen SFR an Vivendi verkauft. Im November 2011 trennte sich Vodafone von seiner 24,4%igen Beteiligung an der polnischen Polkomtel. Im April 2012 kaufte die niederländische Tochter Vodafone Libertel BV den Spezialisten Telespectrum-DJ. Im Herbst 2012 wurde der Spezialist TelstraClear Limited übernommen. Im Mai 2013 gab Vodafone den Start seines Carrier-Service-Geschäfts bekannt. Mitte 2013 gab Vodafone ein Übernahmeangebot von 10,7 Mrd. Euro für Kabel Deutschland ab.

Meldung gespeichert unter: Vodafone

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