Seagate - die große Zeit der Festplatten ist vorbei

Freitag, 24. Oktober 2008 12:18
Seagate Technology Public Limited Co.

(IT-Times) Die Aktien des US-Festplattenherstellers Seagate Technology (NYSE: STX, WKN: 164367) rauschten zuletzt um mehr als zehn Prozent in den Keller, nachdem das Unternehmen einen Gewinneinbruch um 83 Prozent melden musste. Nicht genug der negativen Nachrichten, blieb auch der Ausblick für das laufende Quartal deutlich hinter den Markterwartungen zurück.

Im Analystenlager sieht man die schwachen Ergebnisse nicht nur im Zusammenhang mit der aktuellen wirtschaftlichen Gesamtsituation. Auch die Preise im Festplattenmarkt geraten immer stärker unter Druck und zwingen Hersteller wie Seagate ihre Preise nach unten anzupassen. Um die Lage in den Griff zu bekommen, will Seagate verstärkt seine Lagerbestände im Auge behalten und Kostenmaßnahmen ergreifen, um das Kostenniveau der Nachfragesituation anzupassen.

Zwar konnte Seagate im jüngsten Quartal mit 48 Mio. Einheiten um elf Prozent mehr Festplatten ausliefern als im Vorquartal, gegenüber dem Vorjahr ergibt sich aber nur ein geringfügiger Anstieg. Hoffnungsanker war bislang das Notebook-Geschäft, welches auch die Nachfrage nach Festplatten antrieb. Doch in diesen Wachstumsmarkt beginnen sich immer mehr Flash-basierte Solid State Drives (SSD) Laufwerke durchzusetzen, die der traditionellen Festplatte zunehmend den Rang ablaufen.

Seagate läuft bei SSD-Laufwerken hinterher
Doch genau in diesem Markt trappt Seagate bislang hinterher. Ursprünglich wollte Seagate bereits in 2008 erste SSD-Laufwerke auf den Markt bringen. Dieses Vorhaben wurde inzwischen auf das Jahr 2009 verschoben. Nunmehr sollen erste SSD-Laufwerke für Firmenkunden her, ließ Seagate-Manager Rich Vignes gegenüber Cnet durchblicken. SSD-Laufwerke für den Privatkundenmarkt sollen dann später im Jahr 2009 folgen, heißt es bei Seagate.

Seagate-Rivalen wie Samsung, aber auch Micron und Toshiba sind schon weiter. Die drei Hersteller wollen bereits bis Jahresende mit dem Verkauf von 256GB Festplatten beginnen. Die südkoreanische Samsung ist überzeugt, dass SSD-Laufwerke im nächsten Jahr den Sprung in den Massenmarkt schaffen werden. Entsprechend hat sich Samsung auf diese Marktentwicklung vorbereitet. Neben Samsung könnte auch Intel dem bislang führenden Festplattenhersteller das Leben schwer machen. Intel bezeichnete SSD-Laufwerke jüngst als die Zukunft im Speicherbereich und lieferte bereits in der Vorwoche seine ersten SATA SSD-Laufwerke aus.

Seagate droht durch sein Zögern ins Hintertreffen zu geraden und seine Selbständigkeit zu verlieren. Ähnlich wie SanDisk könnte Seagate bald zum Ziel von Übernahmespekulationen werden…

Kurzportrait

Die im kalifornischen Scotts Valley ansässige und auf den Cayman Islands registrierte Seagate Technology gilt als weltweit führender Festplattenhersteller. Die Laufwerke der Gesellschaft finden sich aber nicht nur in Desktop-PCs, sondern auch in Notebook-, Server-, Workstation- und Mainframe-Systeme sowie in Mobile-Computer und PDAs wieder.

Das Unternehmen vertreibt seine Produkte überwiegend direkt an OEM-Hersteller, wie Dell, EMC, Hewlett-Packard, IBM und Sun Microsystems. Daneben unterhält Seagate aber auch Schlüsselpartnerschaften mit Vertriebshändlern und Systemintegratoren auf der ganzen Welt. Das Geschäft mit OEM-Hersteller steuerte im Jahr 2005 rund 72 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Die Wirtschaftsregion rund um Nordamerika zeichnete für rund ein Drittel Prozent der Gesamterlöse verantwortlich. Europäische Kunden trugen zuletzt rund ein Viertel der Gesamtumsätze, während Asien mit über 40 Prozent Umsatzanteil für Seagate die wichtigste Wirtschaftsregion ist.

Zu den Kernprodukten des Unternehmens gehören unter anderem die Produktfamilien Cheetah, Savvio und Barracuda. Während Cheetah-Laufwerke überwiegend in E-Commerce Servern, Mainframe-Computern bzw. Super-Computern zum Einsatz kommen, ist die Savvio-Produktfamilie für den Einsatz bei großen Unternehmen konzipiert. Die U-Serie X- und Barracuda-Laufwerke sind insbesondere für den Einsatz in Desktop-Rechnern, Workstations und low-end Server bestimmt.

Ende 2005 gab Seagate die Übernahme des Rivalen Maxtor für rund 1,9 Mrd. US-Dollar bekannt. Seagate schluckte damit die Nummer drei der Branche, womit das Unternehmen seine marktführende Position weiter ausbaut. Anfang 2006 übernahm Seagate zudem das Software-Startup Mirra. Ende 2006 schluckte Seagate den Backup-Spezialisten EVault. Auch der Softwareprovider MetaLINCS wurde übernommen.

Nach der Privatisierung im Jahr 2000, sind die US-Beteiligungsgesellschaften Silver Lake Partners und Texas Pacific Group heute mit zehn bzw. sieben Prozent an dem weltgrößten Festplattenhersteller beteiligt.

Zahlen

Auch der Umsatz schrumpfte im jüngsten Quartal um acht Prozent auf 3,03 Mrd. US-Dollar, nachdem Seagate im Vorjahr noch 3,29 Mrd. Dollar umsetzen konnte. Der Gewinn brach dabei zunächst um 83 Prozent auf 60 Mio. Dollar oder 12 US-Cent je Aktie ein, nach einem Plus von 355 Mio. Dollar oder 64 US-Cent je Aktie im Jahr vorher. Die Ergebnisse wurden durch Aufwendungen in Höhe von 71 Mio. Dollar oder 14 US-Cent je Aktie belastet, nachdem Seagate im Vorjahr den Backup-Spezialisten EVault für 186 Mio. Dollar und den Softwareprovider MetaLINCS übernahm.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Seagate im jüngsten Quartal einen Nettogewinn von 26 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Gewinnerwartungen deutlich übertreffen. Analysten hatten zunächst nur mit einem Nettogewinn von 22 US-Cent je Aktie bei Einnahmen von 3,16 Mrd. Dollar gerechnet.

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