Satyam-Skandal erschüttert Indiens IT-Industrie

Dienstag, 13. Januar 2009 12:56
Satyam Computer Services

(IT-Times) Nunmehr hat auch Indien seinen Bilanzskandal, den sich in seinen Dimensionen wohl niemand hätte träumen lassen. Die Bilanzen des IT-Spezialisten Satyam Computer Services Ltd. (NYSE: SAY, WKN: 675236), die Nummer vier der Branche waren gefälscht. Firmengründer Ramalinga Raju hat gestanden, die Bilanzen um eine Mrd. Dollar künstlich aufgebläht zu haben.

Damit sind rund 94 Prozent der Barreserven gar nicht vorhanden. Statt der umgerechnet nur 800 Mio. Euro, hat Satyam nach ersten Schätzungen vermutlich nur 40 Mio. Euro auf dem Konto. Die Zahlen bezüglich der bestehenden Verbindlichkeiten werden derzeit noch geprüft. Mitarbeiter und Investoren bangen, denn derzeit ist kaum vorstellbar, dass Satyam als eigenständiges Unternehmen weitermachen kann.

53.000 Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel
Zwar hat die indische Regierung schnell reagiert und jede erdenkliche Hilfe versprochen, um die 53.000 Arbeitsplätze zu sichern, dennoch dürfte das Vertrauen bei den Kunden dahin sein. Satyam betreute zuletzt zahlreiche Firmen in Europa und in den USA in Sachen Outsourcing. Zu den Satyam-Kunden gehörten große Namen wie Nestle, Citigroup, General Electric, Nissan und viele mehr.

Cowen-Analyst Moshe Katri glaubt nicht, dass US-Firmen noch länger indischen IT-Firmen Vertrauen schenken werden. Insbesondere nachdem zuvor die Weltbank schon Sanktionen nicht nur gegen Satyam, sondern auch gegen Wipro, die Nummer drei der Branche, verhängt hat. Hintergrund waren angebliche Bestechungsgelder, die an Bankangestellte geflossen sein sollen. Selbst wenn es Satyam gelingt, das Management mit kompetenten Führungspersönlichkeiten neu zu besetzen und die finanzielle Lage klären kann, bleibt die Vertrauensfrage. Insbesondere US-Firmen werden sich nachdem Skandal wohl stärker den einheimischen Anbietern IBM und Accenture zuwenden, die ebenfalls mit Niederlassungen in Indien stark präsent sind, glaubt Cowen-Analyst Katri.

IBM und Accenture als weißer Ritter?
Kaufman-Analyst Karl Keirstead sieht sogar die gesamte IT-Branche in Indien auf den Prüfstand stehen. Insbesondere Firmen in Europa und USA werden sich künftig zwei Mal überlegen, ob sie Geschäftsbereiche nach Indien verlagern, meint der Analyst. Morgan Stanley Experte Dhruv Chopra sieht die Lage für die indischen Spezialisten ähnlich. Chopra geht davon aus, dass Satyam-Kunden ihre Aufträge an andere IT-Spezialisten vergeben werden, mit denen sie bereits im Geschäft sind. Viele Satyam-Kunden arbeiten bereits mit IBM und Accenture zusammen, so dass eine Übertragung dieser Aufträge auf der Hand liegt.

Deepak Parekh, einer von drei neuen Aufsehern, scheint auf eine Fusion bzw. Übernahme zu hoffen. „Die Option für einen Merger ist immer offen“, meinte der indische Banker auf eine Reporterfrage. IBM und Accenture dürften sich wohl aber mit Offerten zurückhalten, solange nicht die tatsächliche Finanzlage bei Satyam geklärt ist…

Kurzportrait

Die im indischen Hyderabad ansässige Satyam Computer Services gilt als die Nummer vier unter Indiens IT-Servicedienstleistern. Das Unternehmen bietet umfassende IT-Servicedienstleistungen an, dass neben traditionellen Offshore-Services auch Business Process Outsourcing (BPO) umfasst. BPO-Services werden von der Tochter Nipuna Services Limited erbracht.

Zum Kerngeschäft der Gesellschaft gehört insbesondere die Anwendungsentwicklung und Betreuung von IT-Systemen und IT-Infrastrukturlösungen. Im Rahmen der Softwareentwicklung übernimmt Satyam auch die Planung von entsprechenden Projekten, das Prototyping, sowie das Software-Design, Testen, sowie die Installation und Wartung der Systeme. Auch Modifizierungen und Anpassungen bestehender IT-Systeme und Programme gehören zum Leistungsspektrum der Gesellschaft. Zu denn namhaften Firmenkunden zählen unter anderem General Electric, der japanische Autobauer Nissan und das US-Parlament.

Das Geschäftsfeld der Anwendungsentwicklung und Wartung wird durch den Bereich IT-Beratung und Enterprise Business Solutions ergänzt. So bietet Satyam auch Lösungen und Services rund um die Bereiche Enterprise Resource Planning (ERP), Kunden-Management (CRM), sowie elektronische Beschaffungssysteme, Analysesoftware und Data Warehousing an. Auch die Integration von Systemen und Prozessen gehört zu den Aufgabenfeldern der Gesellschaft. Um diese Lösungen optimal umzusetzen, arbeitet Satyam mit unabhängigen Softwareanbietern zusammen. Zu den Kooperationspartnern gehören neben Oracle, Microsoft und SAP auch Informatica.

Über den Geschäftsbereich Infrastruktur-Management-Services werden umfangreiche Support-Services und komplexe Sicherheitslösungen für verschiedene Plattformen angeboten. Nach Unternehmensangaben decken die von Satyam angebotenen Lösungen verschiedene Hardware- und Betriebssystemumgebungen (UNIX, AIX, Solaris, HP Unix, Windows) ab. Das Unternehmen erwirtschaftet den Großteil seiner Einnahmen in Nordamerika. Umgesetzt werden die Aufträge zum Großteil jedoch vor Ort in Indien.

Im Frühjahr 2005 verstärkte sich Satyam durch die Übernahme des IT-Beratungsspezialisten Citisoft. Anschließend kaufte Satyam den BPO-Spezialisten Nipuna Services Limited. Die Einheit fungiert nunmehr unter dem Namen Satyam BPO Limited. Im Herbst 2007 schluckte Satyam den britischen Consulting-Spezialisten Nitor Global Solutions. Anfang 2008 kaufte Satyam die Forschungs- und Analyseeinheit von Caterpillar, sowie den belgischen IT-Berater S&V Management Consultants. Zudem kaufte Satyam die Softwareentwicklungseinheit von Motorola in Malaysia.

Zahlen

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