ProSiebenSat.1 steuert in ungewisse Zukunft - innovative TV-Konzepte fehlen

Freitag, 4. März 2011 14:02
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(IT-Times) - Um Deutschlands führenden Privatsender ProSiebenSat.1 Media AG (WKN: 777117) rumort es derzeit kräftig. Laut diverser Medienberichte wollen sich die beiden Finanzinvestoren Permira und KKR aus dem Unternehmen zurückziehen - ein Käufer für die 88%ige Beteiligung an den Stammaktien bzw. 18%igen Beteiligung an den Vorzugsaktien wird daher dringend gesucht.

Das Medienhaus Axel Springer galt bislang als heißer Kandidat für einen Einstieg beim Münchner Privatsender, allerdings kam aus Berlin inzwischen ein klares Dementi. Man habe weder Pläne, noch führe man Gespräche, um sich an ProSiebenSat.1 zu beteiligen, heißt es aus Berlin.

Kein Wunder, startete ProSiebenSat.1 denkbar schlecht ins neue Jahr. Gegen die Dschungelcamp-Konkurrenz von RTL hatte man zu Jahresbeginn wenig entgegenzusetzen. Im Februar legte der Marktanteil von ProSieben bei der Zielgruppe der relevanten 14- bis 49-jährigen Zuschauer zwar wieder leicht auf 11,2 Prozent zu, doch von dem ausgegebenen Ziel von 12 Prozent Marktanteil ist man noch weit entfernt.

Heidi Klum soll es richten - fünfte Topmodel-Staffel startet verhalten
Nunmehr hofft man bei ProSiebenSat.1 auf den März und auf Heidi Klum. Die fünfte Staffel von "Germany`s next Topmodel" soll es richten. Zwar konnte sich die gestrige Sendung bei den 14- bis 49-jährigen Zusehern einen Marktanteil von 18,5 Prozent sichern, doch mit 2,24 Millionen Zuschauern interessierten sich weniger Zuschauer als beim Staffelstar im Vorjahr für die Laufsteg-Saga, wie der Branchendienst Kress.de meldet.

Klums Laufstegschönheiten scheinen bei den Zuschauern zunehmend an Glanz zu verlieren, immerhin zog "Alarm für Cobra 11" des Konkurrenten RTL 2,32 Millionen Zuseher in der relevanten Zielgruppe an. Ob es nach der fünften Topmodel-Staffel eine weitere Fortsetzung der Klum-Veranstaltung geben wird, steht daher noch in den Sternen.

Zukunft von 9Live ungewiss - Unternehmen plant neuen Pay-TV-Sender
Daneben scheint auch der Quizsender 9Live bei ProSiebenSat.1 zu wackeln. ProSiebenSat.1 Vorstandschef Thomas Ebeling sieht in dem Sender keine großen Wachstumschancen mehr, wie der Manager jüngst im Rahmen der Bilanzpressekonferenz durchblicken ließ. Der Sender steht auf dem Prüfstand - eine Einstellung gilt als nicht mehr ausgeschlossen.

Stattdessen will der Medienkonzern mit ProSieben Comedy in diesem Jahr einen neuen Pay-TV-Sender an den Start bringen. Wie sich dieser von dem bereits betriebenen Spartenkanal Sat.1 Comedy unterscheiden soll, bleibt aber ein Rätsel. Ein genauer Starttermin steht jedenfalls noch nicht fest...

Kurzportrait

Die in Unterföhring bei München ansässige ProSiebenSat.1 Media AG gilt als einer der führenden Medienkonzerne in Europa. Das Unternehmen ist zudem der größte Free-TV-Sender in Deutschland. Mehrheitlich gehört die in Unterföhring ansässige Sendergruppe den beiden Finanzinvestoren KKR (Kohlberg Kravis Roberts & Co.) und Permira.

Hierfür betreibt das Unternehmen die Sender-Marken Sat.1, ProSieben, Kabel 1 und 9Live in Deutschland. Die Sender finanzieren sich mehrheitlich über Werbeschaltung zwischen Serien und Spielfilmen. Das Werbefinanzierte Free-TV-Geschäft bildet daher auch das Kerngeschäft des Unternehmens. Insgesamt operiert ProSiebenSat.1 aus dem Geschäftsbereich Free-TV und Diversifikation heraus, der wiederum in drei Geschäftsbereiche Free-TV in Deutschland, Free-TV International und Diversifikation gegliedert ist.

Jedoch ist die Mediengruppe nicht nur in Deutschland aktiv. Auch in den Niederlanden betreibt ProSiebenSat.1 mit Veronica, Net 5 und SBS 6 eigene TV-Sender. In Belgien ist der Medienkonzern über die Sender Belgien VT 4 und Vijf TV vertreten, während das Unternehmen in Schweden die Sender Kanal 5 und Kanal 9 betreibt. In Norwegen ist ProSiebenSat.1 mit den Sendern TV Norge und FEM am Start, während man in Dänemark die Sender Kanal 4, Kanal 5 und SBS Net betreibt. Auch in Osteuropa ist man mit den TV2 (Ungarn) und mit Prima TV und Kiss TV (Rumänien) aktiv.

Der Sender sonnenklar.TV wurde hingegen im September 2005 an BigXtra verkauft. Mitte 2007 hatte sich ProSiebenSat.1 in Europa durch die Übernahme der SBS Broadcasting Group für 3,3 Mrd. Euro noch mal verstärkt. Ende 2008 hatte sich ProSiebenSat.1 von seinem Pay-TV-Sender C More getrennt. Mitte 2009 bündelte ProSiebenSat.1 seine TV- und Online-Vermarktungsaktivitäten in der SevenOne Media GmbH. Mitte 2010 trennte sich ProbSiebenSat.1 von seinem Nachrichtensender N24.

In den vergangenen Jahren expandierte ProSiebenSat.1 zunehmend ins World Wide Web. So betreibt das Unternehmen mit den Video-Portalen maxdome und MyVideo populäre Internet-Angebote im deutschsprachigen Raum. Bereits im Jahr 2006 kaufte die Sendergruppe die Solute GmbH, welche die Preissuchmaschine Billiger.de betreibt. Zudem übernahm ProSiebenSat.1 das Frauen-Portal Fem.com. Neben Fem.com betreibt ProSiebenSat.1 noch die Webseiten Wer-Weis-Was.de, Wetter.com und Oktoberfest.de. Im Frühjahr 2008 übernahm der Sender zudem die Mehrheit an dem Online-Netzwerk Lokalisten.de. Im Herbst 2008 folgte schließlich die Übernahme der Social-Newsseite Webnews.de. Gleichzeitig wurde die IT-Sparte an IBM verkauft. Ende 2009 startete ProSiebenSat.1 den Frauen-Sender "Fem TV". Im Mai 2010 ist zudem der Frauen-Sender Sixx an den Start gegangen.

Zahlen

Nach vorläufigen Zahlen kletterte der Umsatz von ProSiebenSat.1 gegenüber 2009 um 8,7 Prozent auf drei Mrd. Euro (2009: 2,76 Mrd. Euro). Der Umsatzbeitrag des internationalen Free-TV-Segments stieg im Jahr 2010 um 8,4 Prozent auf 764,2 Mio. Euro (2009: 705,2 Mio. Euro). Im Segment Diversifikation konnten die Erlöse von 357,6 Mio. Euro auf 373,2 Mio. Euro gesteigert werden. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) verbuchte ProSiebenSat.1 mit 807,6 Mio. Euro einen Anstieg gegenüber dem Vorjahr um 29,6 Prozent. Das Netto-Ergebnis konnte mit 312,7 Mio. Euro im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahreswert von 146,6 Mio. Euro mehr als verdoppelt werden.

Auch das vierte Quartal bescherte ProSiebenSat.1 Zuwächse bei Umsatz und Ergebnis. Im Vergleich mit dem Vorjahresquartal verbesserten sich die Erlöse um 8,4 Prozent auf 954,1 Mio. Euro. Beim Nettoergebnis erzielte der deutsche Free-TV-Anbieter mit 181,5 Mio. Euro ein Plus von 60,1 Prozent.

Meldung gespeichert unter: Free-TV

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