ProSiebenSat.1 sieht sich wieder im Aufwind

Montag, 8. März 2010 13:24
ProSiebenSat.1 Media

(IT-Times) - Deutschlands größter Privatsender, die ProSiebenSat.1 Media AG (WKN: 777117), konnte dank eines erfolgreichen Schlussquartals mit einem Nettogewinn von 144,5 Mio. Euro abschließen, nachdem im Jahr vorher noch ein Verlust von 119 Mio. Euro zu Buche stand.

Der Erfolg ist jedoch weniger auf das Wachstum der Sendergruppe, sondern vielmehr auf einen strikten Sparkurs zurückzuführen. Nachdem das Unternehmen in 2009 rund 484 Stellen und damit rund neun Prozent der Arbeitsplätze gestrichen hat, konnten die Kosten um 221 Mio. Euro gedrückt werden. Geht es nachdem Management, sollen diesem Jahr weitere Einsparungen im Volumen von 20 bis 50 Mio. Euro realisiert werden.

N24 - Verkauf oder Sanierung? Entscheidung noch im ersten Halbjahr
Ziel der Einsparpläne ist vor allem der defizitäre Nachrichtensender N24, der zuletzt noch 220 Mitarbeiter beschäftigte. Der Sender fährt derzeit jährlich Verluste in Höhe von 40 Mio. Euro ein, wodurch das Senderkonzept seit geraumer Zeit auf dem Prüfstand steht. Noch bis Juli will ProSiebenSat.1 eine Lösung für den verlustreichen Nachrichtensender finden. Entweder wird der Sender verkauft, oder saniert, wie zuletzt ProSiebenSat.1-Manager Andreas Bartl auf der jüngsten Pressekonferenz durchblicken ließ. Ob der Sender verkauft wird, hängt auch von den Konzepten ab, die ein möglicher Käufer vorlegt, merkt ProSiebenSat.1-Konzernchef Thomas Ebeling an.

Zuletzt wurden der N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann sowie der ehemalige Spiegel-Chefredakteur Stefan Aust als mögliche Käufer gehandelt, dennoch dürfte sich die Schar der hochkarätigen Interessenten in Grenzen halten. Das Nachrichtengeschäft gilt als Zuschuss-Geschäft, denn auch nach einer Sanierung erwartet ProSiebenSat1-Chef Ebeling keine schwarzen Zahlen bei N24. Ähnlich gelagert sind die Probleme beim Konkurrenzsender n-tv, der ebenfalls seit Jahren mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpft.

Insgesamt dürfte auch das Jahr 2010 für ProSiebenSat.1 ein Übergangsjahr werden, zumal die Fußballweltmeisterschaft das Interesse an ProSiebenSat.1-Sendungen zur Jahresmitte eher begrenzen dürfte. Auch wird der TV-Werbemarkt in diesem Jahr lediglich um zwei bis drei Prozent zulegen, glauben Marktbeobachter.

Größere Wachstumschancen bieten lediglich die neuen Medien. Hier soll der ehemalige British Telecom-Manager Dan Marks nunmehr das Geschäft vorantreiben und neue Erlösquellen erschließen, nachdem der Vorgänger Marcus Englert nicht überzeugen konnte. Allerdings sind die Chancen für ProSiebenSat.1 in diesem Sektor begrenzt, sieht sich das Unternehmen im Bereich Web-TV und Internet-Videos der Konkurrenz von YouTube & Co gegenüber.

Kurzportrait

Die in Unterföhring bei München ansässige ProSiebenSat.1 Media AG gilt als einer der führenden Medienkonzerne in Europa. Das Unternehmen ist zudem der größte Free-TV-Sender in Deutschland. Mehrheitlich gehört die in Unterföhring ansässige Sendergruppe den beiden Finanzinvestoren KKR (Kohlberg Kravis Roberts & Co.) und Permira.

Hierfür betreibt das Unternehmen die Sender-Marken Sat.1, ProSieben, Kabel 1, 9Live und N24 in Deutschland. Die Sender finanzieren sich mehrheitlich über Werbeschaltung zwischen Serien und Spielfilmen. Das Werbefinanzierte Free-TV-Geschäft bildet daher auch das Kerngeschäft des Unternehmens. Insgesamt operiert ProSiebenSat.1 aus dem Geschäftsbereich Free-TV und Diversifikation heraus, der wiederum in drei Geschäftsbereiche Free-TV in Deutschland, Free-TV International und Diversifikation gegliedert ist.

Jedoch ist die Mediengruppe nicht nur in Deutschland aktiv. Auch in den Niederlanden betreibt ProSiebenSat.1 mit Veronica, Net 5 und SBS 6 eigene TV-Sender. In Belgien ist der Medienkonzern über die Sender Belgien VT 4 und Vijf TV vertreten, während das Unternehmen in Schweden die Sender Kanal 5 und Kanal 9 betreibt. In Norwegen ist ProSiebenSat.1 mit den Sendern TV Norge und FEM am Start, während man in Dänemark die Sender Kanal 4, Kanal 5 und SBS Net betreibt. Auch in Osteuropa ist man mit den TV2 (Ungarn) und mit Prima TV und Kiss TV (Rumänien) aktiv.

Der Sender sonnenklar.TV wurde hingegen im September 2005 an BigXtra verkauft. Mitte 2007 hatte sich ProSiebenSat.1 in Europa durch die Übernahme der SBS Broadcasting Group für 3,3 Mrd. Euro noch mal verstärkt. Ende 2008 hatte sich ProSiebenSat.1 von seinem Pay-TV-Sender C More getrennt. Mitte 2009 bündelte ProSiebenSat.1 seine TV- und Online-Vermarktungsaktivitäten in der SevenOne Media GmbH.

In den vergangenen Jahren expandierte ProSiebenSat.1 zunehmend ins World Wide Web. So betreibt das Unternehmen mit den Video-Portalen Maxdome und MyVideo populäre Internet-Angebote im deutschsprachigen Raum. Bereits im Jahr 2006 kaufte die Sendergruppe die Solute GmbH, welche die Preissuchmaschine Billiger.de betreibt. Zudem übernahm ProSiebenSat.1 das Frauen-Portal Fem.com. Neben Fem.com betreibt ProSiebenSat.1 noch die Webseiten Wer-Weis-Was.de, Wetter.com und Oktoberfest.de. Im Frühjahr 2008 übernahm der Sender zudem die Mehrheit an dem Online-Netzwerk Lokalisten.de. Im Herbst 2008 folgte schließlich die Übernahme der Social-Newsseite Webnews.de. Ende 2009 startete ProSiebenSat.1 den Frauen-Sender „Fem TV“. Zudem soll im Mai 2010 der Frauen-Sender Sixx starten.

Zahlen

Für das Jahr 2009 meldet die Sendergruppe einen rückläufigen Umsatz, der nach vorläufigen, untestierten Zahlen gegenüber 2008 von 3,05 Mrd. Euro auf 2,76 Mrd. Euro nachgab. Hauptmarkt der ProSiebenSat.1 Media AG blieb dabei mit Umsatzerlösen in Höhe von 1,75 Mrd. Euro der deutschsprachige TV-Sektor. Das internationale TV-Geschäft erzielte einen Umsatzbeitrag von 707,84 Mio. Euro, auf die Sparte „Diversifikation“ entfielen 369,57 Mio. Euro.

Als Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) für das Geschäftsjahr 2009 nannte die ProSiebenSat.1 Media AG 623 Mio. Euro nach 618, 3 Mio. Euro im Jahr zuvor. Mit einem Zuwachs von 263,5 Mio. Euro auf 475,1 Mio. Euro präsentierte sich das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) deutlich verbessert. Das Finanzergebnis verbesserte sich mit minus 244,5 Mio. Euro deutlich gegenüber dem Vorjahreswert von minus 334,9 Mio. Euro. Mit 144,5 Mio. Euro schaffte das Nettoergebnis den Marsch aus dem Verlustbereich. Im Vorjahr hatte das Unternehmen ein Nettoergebnis in Höhe von minus 129,1 Mio. Euro ausgewiesen. Entsprechend verbesserte sich das (unverwässerte) Ergebnis je Aktie von auf minus 0,58 Euro auf plus 0,68 Euro.

Meldung gespeichert unter: Free-TV

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