Oracle forciert Cloud-Strategie - Hardware-Geschäft schwächelt weiter

Donnerstag, 22. März 2012 14:33
Oracle

(IT-Times) - Der US-Software- und Datenbankhersteller Oracle hat zwar im jüngsten Quartal die Gewinnerwartungen des Marktes übertreffen können, vollends überzeugen konnte das Unternehmen jedoch nicht. Oracle-Papiere zeigten sich am Vortag leichter.

Canaccord Genuity Analyst Richard Davis sieht Oracle im Bereich Softwarearchitektur noch nicht auf der Höhe der Zeit. Hier habe das Unternehmen noch keinen Vorsprung vor der Konkurrenz, glaubt der Analyst. Allerdings dürfte Oracle auch hier weiter aufholen.

Oracle Secure Cloud soll in den nächsten Wochen verfügbar sein
Bestes Beispiel ist Oracle Secure Cloud, womit Oracle seinen Vorstoß im Bereich Cloud Computing weiter forcieren will. Oracle Secure Cloud soll in den nächsten Wochen verfügbar sein. Bei der Lösung handelt es sich um eine private Cloud, die Kunden auf Monatsbasis mieten können. Diese Cloud wird anschließend von Oracle verwaltet.

Oracle (Nasdaq: ORCL, WKN: 871460) will dabei vor allem in punkto Sicherheit für sein neues Cloud-Angebot werben, denn Oracle Secure Cloud sitzt hinter der hauseigenen Firewall im Datenzentrum. Bei Oracle verweist man darauf, dass der Konkurrent Salesforce.com diese Sicherheit nicht bietet. Dies sei ein wichtiger Vorteil für Oracle, glaubt Oracle-Chef Larry Ellison. Zudem bietet SAP weder CRM-, HCM- und Finanzanwendungen in der Cloud an ihre großen Kunden an, so Ellison weiter.

Oracle President Mark Hurd verwies zudem auf den Erfolg von Fusion in der Cloud. Die modulare, integrierte Plattform bestehend aus 100 Apps in der Cloud sei ein Schlüssel, um sich gegen andere Wettbewerber zu differenzieren, glaubt der Manager.

Hardware-Geschäft zeigt weiterhin Schwächen
Schwächen zeigt das Unternehmen dagegen weiter im Hardware-Segment. Auch für das laufende Maiquartal dürfte sich das Hardware-Geschäft weiter schwach präsentieren. Oracle erwartet in diesem Bereich nur Umsätze von 870 bis 980 Mio. US-Dollar.

Analysten hatten an dieser Stelle mit Einnahmen von mehr als eine Mrd. US-Dollar gerechnet, nachdem Oracle nach der Übernahme von Sun Microsystems Maßnahmen ergriffen hat, um das Hardware-Geschäft auf die Erfolgsspur zurückzuführen. Bei JP Morgen geht man allerdings davon aus, dass das Hardware-Geschäft noch für längere Zeit eine größere Baustelle bei Oracle bleiben wird. Die Analysten erwarten, dass das Hardware-Geschäft noch bis ins erste Kalenderjahr 2013 hinein schwächeln und das Ergebnis belasten wird.

Kurzportrait

Die im Jahre 1977 gegründete und in Redwood City/Kalifornien ansässige Oracle galt in der Vergangenheit als klassischer Datenbankspezialist. Inzwischen operiert Oracle von drei wesentlichen Geschäftsbereichen heraus: Software, Hardware Systeme und Services. Über das Softwaregeschäft erwirtschaftet Oracle nach wie vor den Großteil seiner Umsatzerlöse.

Mit dem neuen Datenbank- und Anwendungsserver 11g will Oracle verstärkt auf verteiltes Rechnen und Cloud Computing setzen. Darüber hinaus expandierte Oracle auch in die Bereiche elektronische Beschaffungssysteme, Customer Relationship Management (CRM) und Business Intelligence (BI). Der Bereich Supply Chain Management bildet eine Ergänzung zu den bisherigen Datenbank- und Anwendungslösungen aus dem Hause Oracle.

Neben dem Datenbankgeschäft bietet Oracle weitere Systemsoftware in Form von Serversoftware an. Der Visionäre Oracle-Chef Larry Ellison hält nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an dem Softwarehaus, welches nach Microsoft und IBM als drittgrößter Softwarehersteller der Welt gilt.

Nach einer 18-monatigen Übernahmeschlacht übernahm Oracle im Januar 2005 den US-Softwarespezialisten PeopleSoft. Wenige Monate später folgte die Übernahme des kleineren Rivalen Retek. Gleichzeitig übernahm Oracle den Sicherheitsspezialisten Oblix und TimesTen. Später kaufte Oracle den finnischen Open Source Spezialisten Innobase OY, sowie den Logistikspezialisten G-Log. Ende 2005 folgte der Zukauf der beiden Sicherheitsspezialisten Thor Technologies, OctetString sowie die Übernahme des führenden Kunden-Management-Softwarehersteller Siebel Systems. Anfang 2006 übernahm Oracle den Softwarenanbieter 360Commerce und den Open Source Spezialisten Sleeypcat.

Mitte 2006 schloss Oracle die Übernahme von Portal Software ab. Gleichzeitig erhöhte Oracle seine Beteiligung an der indischen i-flex auf inzwischen über 80 Prozent. Anfang 2007 kaufte Oracle dann den Business Intelligence Spezialisten Hyperion Solutions. Wenige Monate später folgte dann die Übernahme von Agile Software. Anschließend wurden mit Bharosa, Netsure Telecom, Bridgestream, LogicalApps, Interlace Systems und Moniforce weitere Firmen hinzugekauft. Nach der Übernahme von BEA Systems, kaufte Oracle in 2008 mit Skywire, Global Knowledge Software, ClearApp, Advanced Visual Technology und Primavera weitere Firmen auf. Auch in 2009 setzte Oracle seine Einkaufstour weiter fort und schluckte die Unternehmen mValent, Relsys sowie Virtual Iron Software und übernahm zudem Sun Microsystems für 7,4 Mrd. Dollar. Mitte 2009 kaufte Oracle GoldenGate Software. Auch in 2010 blieb Oracle weiter auf Einkaufstour und übernahm mit Silver Creek Systems, AmberPoint, PhaseForward, eServGlobal und Secerno weitere Unternehmen. Anfang 2011 schloss Oracle die Übernahme von Art Technology Group (ATG) ab, zudem wurden weitere kleinere Firmen aufgekauft. Anfang 2012 verstärkte sich Oracle mit der Übernahme von Taleo für 1,9 Mrd. Dollar.

Mit der Einheit OracleMobile.com will der Datenbankspezialist insbesondere den Mobilfunkbereich erschließen. Mobile Geschäftslösungen und Services rund um das Handy sollen das bestehende Oracle-Angebot ergänzen. Bereits im Jahr 2007 stieg Oracle mit Oracle VM auch in den Virtualisierungsmarkt ein.

Zahlen
Für das vergangene Februarquartal meldete Oracle einen Umsatzanstieg um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 9,1 Mrd. US-Dollar. Dabei strich Oracle einen Gewinn von 2,5 Mrd. Dollar oder 49 US-Cent je Aktie ein, ein Zuwachs von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen konnte Oracle einen Nettogewinn von 62 US-Cent je Aktie realisieren und damit die Markterwartungen der Analysten übertreffen, die im Vorfeld nur mit einem Nettogewinn von 56 US-Cent je Aktie gerechnet hatten.

Der Schlüssel für das Umsatzwachstum war vor allem das neue Softwarelizenzgeschäft, welches um sieben Prozent auf 2,4 Mrd. Dollar zulegte. Das Hardware-Geschäft schrumpfte dagegen um elf Prozent. Oracle war in 2010 durch die Übernahme von Sun Microsystems für 7,3 Mrd. Dollar in das Hardware-Geschäft eingestiegen.

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