nVidia kommt unter die Räder

Dienstag, 15. Juli 2008 12:42
Nvidia Unternehmenslogo

(IT-Times) Steigende Lagerbestände, defekte Chips, Patentklage, schwache Umsatzentwicklung. Schlechter könnten die Nachrichten beim weltweit führenden Hersteller von Grafikchips nVidia (Nasdaq: NVDA, WKN: 918422) kaum sein.

Hektisch reagiert das Unternehmen mit einer drastischen Preissenkung seiner neuen GTX 200er Grafikchipserie, um keine Marktanteile an den Rivalen AMD/ATI zu verlieren. Dies könnte die Gewinnmargen des Unternehmens jedoch zunächst weiter belasten und damit den Aktienkurs noch weiter in den Keller drücken. Ob die Einmalrückstellungen in Höhe von 150 bis 200 Mio. Dollar im zweiten Quartal ausreichen werden, die Probleme mit defekten Chips zu beheben, bleibt abzuwarten. Nvidia hofft, dass Versicherer einspringen werden, um einen Teil der Kosten zu decken.

Als Konsequenz der jüngsten Probleme verwende man nunmehr ein anderes Material bei der Chipfertigung, dass nVidia-Grafikchips vor Überhitzungsproblemen schützen soll, heißt es bei nVidia. Zudem arbeite man gemeinsam mit Zulieferern und PC-Herstellern an der Lösung der Probleme, verspricht der Branchenprimus.

Der Ruf und das Image sind jedoch von entscheidender Bedeutung in einer Branche, die von Geschwindigkeit, neuen Innovationen und Zuverlässigkeit geprägt ist. In den letzten Jahren lieferte sich nVidia immer ein Kopf-an-Kopf Rennen mit der kanadischen ATI, wenn es um die schnellsten Grafikkarten geht. Die jetzigen Probleme bedeuten zweifelsohne einen Rückschlag für nVidia im Kampf um Marktanteile, zumal sich das Unternehmen gerade anschickt mit seiner Tegra-Produktlinie den Markt für Windows Mobile Smartphones erobern zu wollen, in dem auch der Wettbewerber Intel ein Wörtchen mitreden wird.

nVidia will Chip-Fertigung an TSMC auslagern
Aufgrund des gesunkenen Börsenkurses werden wieder neue Übernahmespekulationen laut, wonach der Rivale Intel die niedrige Marktkapitalisierung für einen Vorstoß nutzen könnte. Doch nVidia gibt sich nicht so leicht geschlagen.

Nach einem Bericht des Branchendienstes DigiTimes will nVidia seine gesamte GPU-Fertigung bis zum Jahresende an Taiwan Semiconductor Manufacturing Corp (TSMC) und dessen neue 55nm Fertigungsanlagen übertragen. Durch den Schachzug könnten die Produktionskosten um weitere 20 Prozent gedrückt werden, wodurch nVidia seine Produkte günstiger am Markt anbieten und seine Gewinnmargen stabil halten könnte, heißt es aus der Branche…

Kurzportrait

Die im kalifornischen Santa Clara ansässige nVidia gilt neben AMD/ATI als der weltweit führende Anbieter von Grafikchips. Das Unternehmen befasst sich seit seiner Gründung mit der Entwicklung und Fertigung von 2D- und 3D-Grafikchips, welche auf verschiedenen Plattformen zum Einsatz kommen. Neben PCs, finden die Chipsätze ebenso in Spielekonsolen, Workstations, Handhelds als auch in Macintosh-Computern, sowie in Notebooks und Handys Verwendung. Durch die Übernahme von 3dfx Interactive ist nVidia im Besitz der Marken- und Patentrechte der früheren Grafikkarten-Marke Voodoo gekommen. Als besonders aussichtsreich gilt inzwischen das Konsolengeschäft. NVidia liefert dabei unter anderem auch die Grafikchips für die PlayStation 3 (PS3). NVidia war darüber hinaus auch maßgeblich an dem PC-Grafikstandard DirectX 8.0 bzw. 9.0 beteiligt, welcher in Zusammenarbeit mit Microsoft entwickelt wurde.

Das Geschäft mit Grafikprozessoren besteht mehrheitlich aus drei großen Produktfamilien: der GeForce-Reihe, der GeForce Go sowie aus der nVidia Quadro Reihe. Mit Quadro2 Go brachte das Unternehmen nach eigenen Angaben nach den weltweit ersten mobilen Workstation-Chipsatz auf den Markt, welcher insbesondere für den Einsatz bei professionellen Anwendern gedacht ist. Mit der GoForce-Produkfamilie deckt nVidia den Handheld-Bereich ab, während das Unternehmen mit seiner nVidia nForce-Produktfamilie neben dem PC- und Notebook-, auch den Markt für professionelle Workstations und Server abdeckt. Mit seiner neuen Tesla-Produktreihe ist nVidia nunmehr auch im Markt für Supercomputer-Grafikchips vertreten.

Darüber hinaus arbeitet das Unternehmen mit allen wichtigen Computerherstellern weltweit zusammen. Zu den Kunden und Lizenzpartnern zählen dabei Dell, Gateway, Hewlett Packard, Sony, Toshiba, aber auch Apple und Fujitsu Siemens. Durch Kooperationen mit Systemhäusern versucht nVidia seinen Absatz weiter zu steigern und so Marktanteile zu sichern. In diesem Bereich kooperiert der Konzern unter anderem mit AOpen, Asus und Aztech. Nachdem sich nVidia im Bereich mobile Grafiklösungen durch die Übernahme von MediaQ verstärkte, kaufte das Unternehmen Ende 2005 den taiwanschen Chipspezialisten ULi Electronics. Im Herbst 2006 folgte schließlich die Übernahme des Chipentwicklers PortalPlayer. Ende 2007 übernahm nVidia die Berliner mental images. Anfang 2008 verstärkte sich nVidia durch den Kauf des PhysX-Entwicklers AGEIA Technologies sowie durch den Kauf von RaScale (Ray-Tracing).

Zahlen

Für das vergangene Aprilquartal berichtet nVidia von einem Umsatzsprung auf 1,15 Mrd. US-Dollar, was einem Zuwachs von 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Der Gewinn kletterte dabei zunächst um 34 Prozent auf 176,8 Mio. Dollar oder 30 US-Cent je Aktie, nach einem Plus von 132,3 Mio. Dollar oder 22 US-Cent je Aktie im Jahr vorher.

Ausgenommen außergewöhnlicher Sonderbelastungen ergibt sich für das jüngste Quartal ein Nettogewinn von 36 US-Cent je Aktie, womit nVidia die Erwartungen verfehlte. Am Markt war man zuvor von einem Nettogewinn von 38 US-Cent je Aktie ausgegangen.

Trotz der verfehlten Erwartungen gab sich nVidia CEO Jen-Hsun Huang zufrieden. So konnte nVidia 42 Prozent mehr Grafikchips zur Auslieferung bringen als im Vorjahr. Allerdings stiegen auch die internen Lagerbestände des Unternehmens deutlich an. So türmten sich die Lagerbestände im jüngsten Quartal auf 420 Mio. Dollar, ein Zuwachs von 17 Prozent gegenüber dem Vorquartal.

Markt und Wettbewerb

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