Nokia - From Dusk Till Dawn? Ende einer Ära

Montag, 14. Februar 2011 13:45
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(IT-Times) - Der finnische Mobilfunkmarktführer Nokia (NYSE: NOK, WKN: 870737) zieht die Notbremse und will künftig im Smartphone-Bereich auf Microsoft und Windows Phone 7 setzen, um die Marktanteilsverluste zu stoppen. Der radikale Schnitt wurde notwendig, nachdem Nokia im Smartphone-Markt mit seinem Symbian-Betriebssystem von der Spitze verdrängt wurde - eine Demütigung für den Mobilfunkweltmarktführer.

Am Markt reagiert man äußerst kritisch auf die Ankündigung: Nokia-Aktien brachen am Freitag an der New Yorker Börse um rund 14 Prozent ein. Marktteilnehmer hatten offenbar damit gerechnet, dass sich Nokia mehr dem aufstrebenden Betriebssystem Android zuwendet. Das Nokia-Betriebssystem Symbian gilt bereits seit längerem als Auslaufmodell - zu komplex und obsolet, so der allgemeine Tenor.

Nokia und Microsoft - Duo der Verlierer?
Mit dem Wechsel auf Windows Phone 7 dürfte auch das gemeinsam mit Intel konzipierte Betriebssystem MeeGo vor dem Aus stehen, zumal Nokia die Entwicklung des MeeGo-Smartphones N9 gestoppt hat. Mit dem nunmehr angekündigten Strategiewechsel im Smartphone-Bereich setzt Nokia auf ein Betriebssystem, dessen Erfolg noch nicht belegt ist. Der Marktanteil von Microsoft dümpelte zuletzt trotz der Einführung von Windows Phone 7 bei 7,2 Prozent herum. Allerdings wird Nokia mehrere Milliarden US-Dollar von Microsoft erhalten, so Nokia-Chef Stephen Elop am Sonntag.

Ob der Milliardenzuschuss Nokia mittel- bis langfristig retten wird, bleibt offen. Nokia geht davon aus, dass die Übergangsphase im Zusammenhang mit der Umstellung auf die neue Strategie bis 2012 dauern wird. Zeit, die der finnische Hersteller nicht hat, da immer modernere Android-Handys von HTC, Motorola und Samsung fast im Wochentakt auf den Markt kommen.

Studie: Apps und App Store für den Smartphone-Kauf entscheidend
Zudem dürfte auf das Betriebssystem an sich weniger Bedeutung zukommen, als Nokia vielleicht denkt. Der Erfolg oder Nicht-Erfolg im Smartphone-Markt könnte vor allem vom App Store und den für die Plattform zur Verfügung stehenden Anwendungen abhängen.

In einer aktuellen Studie der Berater Arthur D. Little zeigt sich, dass für 54 Prozent der Befragten Smartphone-Käufer die Zahl der Apps, die für das Smartphone zur Verfügung stehen, entscheidend für den Kauf gewesen ist. Die Bedeutung des App Stores dürfte noch an Gewicht gewinnen, geben 74 Prozent der Befragten an, dass die Attraktivität des App Stores für den künftigen Kauf neue Telefone entscheidend sei.

Im App Store von Apple finden sich derzeit mehr als 300.000 Apps für iPhone & Co, während der Android Market inzwischen weit mehr als 100.000 Apps zählt und zuletzt schneller wuchs als der Apple App Store. Google hat zudem nochmal nachgelegt und einen Web-basierten Android Market ins Leben gerufen, so dass Apps auch vom Desktop aus ausgewählt werden können.

Microsofts Windows Phone 7 Marketplace dagegen überschritt zuletzt gerade erst die Marke von 6.000 Apps, bei mehr als 20.000 registrierten Entwicklern. Zwar dürfte Windows Phone 7 durch die Entscheidung von Nokia mehr Entwickler anlocken, ob dies ausreichen wird, um Android und Apples iOS ernsthaft zu gefährden, darf aber bezweifelt werden - zu groß scheint bereits der Vorsprung von Google und Apple im App Markt?

Kurzportrait

Die im Jahre 1865 gegründete und im finnischen Espoo ansässige Nokia stellte nach seiner Gründung ursprünglich Papier her. In den späteren Jahren machte sich Nokia als Hersteller von Gummistiefeln einen Namen. Erst im Jahre 1960 wandte sich Nokia den modernen Kommunikationstechniken zu. In den 80er Jahren stellte das Unternehmen dann elektronische Komponenten und ganze Computer her. Im Jahre 1987 folgte schließlich mit der Entwicklung von Mobilfunktelefonen der Durchbruch und der Beginn einer neuen Ära.

Nokia entwickelte damals das erste Mobilfunktelefon, mit dem Ziel auf Basis des GSM-Netzes ein globales mobiles Kommunikationsnetz in Europa zu schaffen. Heute ist Nokia der weltweit führende Handy-Hersteller. Das Unternehmen ist heute in drei wesentliche Kerngeschäftsbereiche unterteilt: Devices and Services, Navteq und der Netzwerksparte (Nokia Siemens Networks).

Nokia erregte in den vergangenen Jahren auch Aufmerksamkeit durch seine Expansion im Netzwerkbereich. So erwarb der finnische Technologiekonzern in den vergangenen Jahren Beteiligungen an amerikanischen Netzwerkfirmen wie Ipsilon Networks, Aircom International, Rooftop Communications, Ramp Networks und F5 Networks. Später übernahm Nokia den Softwarespezialisten Eizel Technologies. Im Jahr 2004 kaufte Nokia Lizenzen und Technologien der Freescale-Tochter Metrowerks. Im Februar übernahm Nokia schließlich den Mobilfunksoftwareanbieter Intellisync Corporation. Im Jahr 2007 schluckte Nokia den mobilen Marketingspezialisten Enpocket. Anschließend kaufte Nokia den GPS- und Kartenspezialisten Navteq im Rahmen einer Milliardentransaktion. Ende 2007 schloss man die Übernahme der Internettauschbörse Avvenu ab. Mitte 2008 kaufte Nokia auch die restlichen Anteile an dem britischen Mobile-Softwarehersteller Symbian. Gleichzeitig übernahm Nokia den Social-Networking-Anbieter Plazes. Daneben wurde auch die Übernahme des Softwarespezialisten Trolltech erfolgreich abgeschlossen. Im Herbst 2009 schluckte Nokia den Spezialisten Cellity. Mitte 2010 wurde zudem die Modemsparte (Wireless Modem) für 200 Mio. Dollar veräußert. Die Netzwerk-Tochter NSN übernahm im Herbst 2010 die türkische Iris Telecom.

Gemeinsam mit der Siemens AG betreibt Nokia das 50:50 Joint Venture Nokia Siemens Networks (NSN). Mitte 2010 übernahm NSN die Netzwerkausrüstungssparte von Motorola. Gemeinsam mit Texas Instruments und STMicroelectronics will Nokia in Konkurrenz zu Qualcomm treten und den neuentwickelten CDMA-Standard CDMA 2000 1X vermarkten. Mit seiner eigenen Internet-Plattform Ovi will Nokia im weltweiten Datennetz stärker Fuß fassen. Zudem besteht eine Kooperation mit Intel, um mit MeeGo eine neue Linux-basierte Softwareplattform für Mobiltelefone, Tablet PCs und Netbooks zu entwickeln. Anfang 2011 schloss Nokia eine Kooperation mit Microsoft, womit Windows Phone 7 zur Hauptplattform im Smartphone-Bereich aufsteigen soll.

Zahlen

Für das vergangene vierte Quartal 2010 meldet Nokia einen Quartalsumsatz von 12,65 Mrd. Euro. Im Vorjahr hatte der Umsatz sich auf 11,98 Mrd. Euro beziffert. Den größten Teil trug dabei das Segment Devices & Service mit 8,4 Mrd. Euro zum Umsatz dabei, das als einziger Bereich seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahr leicht steigern konnte.

Das Segment Navteq (Navigationssoftware) konnte einen Umsatz von 0,3 Mrd. Euro vermelden und Nokia Siemens Networks steuerte 3,96 Mrd. Euro zum Gesamtumsatz bei. Die Finnen vermeldeten ein Bruttoergebnis von 3,72 Mrd. Euro für das vierte Quartal 2010 (Vorjahr: 4,07 Mrd. Euro). Das operative Ergebnis fiel auf 0,88 Mrd. Euro, im Vergleich zu 1,47 Mrd. Euro im Vorjahr. Das EBIT (Ergebnis vor Zinsen) belief sich im Vorjahr auf 1,06 Mrd. Euro, nun musste Nokia einen Rückgang auf 0,83 Mrd. Euro bekannt geben.

Insgesamt fiel so auch das Ergebnis des Konzerns. Dieses lag bei 742 Mio. Euro (Vorjahr: 882 Mio. Euro). Der Gewinn pro Aktie verminderte sich somit auf 0,2 Euro pro Aktie, im Vorjahr hatte dieser Wert noch bei 0,26 Euro pro Aktie gelegen.

Im gesamten Geschäftsjahr 2010 konnte Nokia den Umsatz leicht steigern. So betrug dieser 42,44 Mrd. Euro, während er im Geschäftsjahr 2009 nur bei 40,98 Mrd. Euro lag. Der Bereich Devices & Service vermeldete einen Umsatz von 29,13 Mrd. Euro, der Umsatz des Segments Navteq belief sich auf etwa eine Mrd. und der Bereich Nokia Siemens Network wies einen Umsatz des Geschäftsjahres 2010 von 12,66 Mrd. Euro aus.

Meldung gespeichert unter: Nokia

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