Nintendo unter Zugzwang - Analysten erwarten Preissenkung

Mittwoch, 2. September 2009 12:37
Nintendo

(IT-Times) - Der japanische Konsolenhersteller Nintendo Co Ltd (WKN: 864009) hält bislang beharrlich an seiner Preisstrategie fest, den Preis für seine Wii-Konsole trotz der Aktionen der Konkurrenz zunächst nicht zu senken.

Doch Analysten und Marktbeobachter glauben den Beteuerungen aus Kyoto nicht mehr. Für die Mehrheit der Branchenbeobachter steht längst fest, dass Nintendo den Preis für seine Wii über kurz oder lang wird senken müssen. Die jüngsten Verkaufszahlen sprechen für sich. Im Juli brach der Wii-Absatz in den USA um 55 Prozent ein, während Microsoft mit seiner Xbox 360 die Verkaufszahlen weitgehend stabil halten konnte. Auch in Japan ging der Wii-Absatz im jüngsten Quartal auf 21.000 Stück zurück, nachdem Nintendo im Jahr vorher noch 53.000 Konsolen verkaufen konnte.

Preissenkung bei der Wii erwartet
Nunmehr geht Microsoft auch in Japan in die Offensive und senkt den Preis für seine high-end Konsole Xbox 360 Elite um 25 Prozent auf 29.800 Yen bzw. auf 320 US-Dollar, nachdem der Konsolenhersteller bereits in der Vorwoche die Preise für seine high-end Konsole in den USA um 100 auf 299 Dollar gesenkt hatte.

Auf dem japanischen Konsolenmarkt kontrollierte bislang Nintendo mit seiner Wii das Geschehen und kam auf einen Marktanteil von 65 Prozent, während Microsoft bislang mit einem Marktanteil von 9 Prozent nur eine Nebenrolle spielte. Auch Sony kam mit seiner PS3 bislang über einen Marktanteil von 26 Prozent in Japan nicht hinaus. Dennoch könnten die jüngsten Preisnachlässe zu Marktanteilsverlusten für Nintendo führen, glauben Marktbeobachter.

Ein schnelles Entkommen aus der Preisfalle scheint derzeit nicht in Sicht. Der Wii-Nachfolger, die Wii HD, soll laut Marktgerüchten erst Ende 2010 bzw. Anfang 2011 auf den Markt kommen.

Führt Nintendos Publishing-Strategie in die Sackgasse?
Doch nicht nur die Preisstrategie dürfte entscheidend für den weiteren Erfolg in der milliardenschweren Spieleindustrie sein. Die Marktstrategen aus dem Hause Strategy Analytics empfehlen Nintendo, sich von seiner bisher traditionell Konsolen-gebundenen Publishing-Strategie zu verabschieden. Nintendo solle vielmehr seine Spiele für jede Plattform anbieten, womit die Japaner Zugang zu weiteren 77 Mio. Konsolen-Spieler gewinnen könnten, so das Kalkül der Analysten.

Nintendo erreiche derzeit einen Teil der aktuellen Spieler-Generation nicht, so das Fazit von Strategy Analytics Vizepräsident David Mercer. Zwar dürfte es Nintendo schwer fallen, seinen Kurs in dieser Beziehung zu ändern, jedoch sei dies erforderlich, um sich langfristig als führender Game-Publisher zu positionieren, glaubt der Branchenexperte…

Kurzportrait

Die im japanischen Kyoto ansässige Nintendo Co Ltd. gilt nicht nur als eine der ältesten, sondern auch als eine der erfolgreichsten Unternehmen im Bereich Konsolenspiele. Nintendo zeichnet für so bekannte Marken wie dem Game Boy, sowie die Charaktere Super Mario, Donkey Kong und Pokémon verantwortlich. Insgesamt verkaufte Nintendo inzwischen mehr 460 Mio. Hardware-Systeme und über 2,2 Mrd. Softwaretitel weltweit.

Erstmals tauchte der Name Nintendo im Jahre 1933 auf, als die Yamauchi Nintendo & Co gegründet wurde. Die Umbenennung in Nintendo erfolgte dann im Jahr 1963 als das Unternehmen nicht nur Spielekarten, sondern auch ganze Spiele zu produzieren begann. Der Durchbruch gelang dem Unternehmen im Jahr 1989 als Nintendo mit dem Game Boy den erfolgreichsten Taschenspiel-Computer auf den Markt brachte. Der Game Boy schlug so gewaltig am Markt ein, so dass Nintendo im Jahr 2000 bereits mehr als 100 Mio. verkaufte Einheiten melden konnte.

Die Einführung der Nintendo 64 im Jahre 1996 und des Nintendo GameCube im Jahr 2004 waren anschließend die weiteren Meilensteine in der Firmengeschichte der Japaner. Mit der Einführung der portablen Konsole Nintendo DS gelang den Japanern im Jahr 2004 erneut ein Überraschungserfolg. Ebenso überraschend schlug auch die aktuelle Konsole der Japaner, die Nintendo Wii, am Markt ein. Nachdem die Wii im Herbst 2006 auf den Markt kam, setzte sich Nintendo damit innerhalb weniger Monate an die Spitze der Verkaufscharts. Inzwischen steht mit der Nintendo DSi der Nachfolger der portablen Spielekonsole in den Startlöchern. Die Nintendo DS verkaufte sich inzwischen mehr als 100 Mio. Mal weltweit.

Insgesamt operiert Nintendo heute aus zwei Geschäftsbereichen heraus. Der Freizeit-Equipment-Bereich umfasst das Segment mit der Entwicklung, der Herstellung und dem Vertrieb von portablen und nicht portablen Konsolen sowie Spiele für diese Konsolen-Systeme. Der zweite Geschäftsbereich beschäftigt sich vornehmlich mit dem Verkauf von Poker- und Karuta-Karten sowie der Vermarktung von Pokèmon-Produkten und dem damit verbundenen geistigem Eigentum. Nintendo unterhält weltweit 21 Tochterfirmen, darunter auch Nintendo of America.

Zahlen

So weist Nintendo für das vergangene Juniquartal einen Umsatzrückgang auf 256,5 Mrd. Yen bzw. 2,7 Mrd. US-Dollar aus. Dies entspricht einem Rückgang von 40 Prozent im Vergleich zum Jahr vorher. Während die Spielesoftwareerlöse um 34 Prozent auf 105,5 Mrd. Dollar schrumpften, brach das Hardware-Geschäft um 44 Prozent ein.

Der Gewinn sank dann auch um 60 Prozent auf 42,3 Mrd. Yen bzw. 445,4 Mio. US-Dollar, nachdem der Spielehersteller im Jahr vorher noch einen Profit von 107,3 Mrd. Yen melden konnte. Damit verfehlte Nintendo auch die Analystenprognosen, die mit einem Gewinn von 49,8 Mrd. Yen gerechnet hatten.

Nintendo führt den Umsatz- und Gewinnrückgang maßgeblich auf die schwächeren Verkaufszahlen seines Verkaufsschlagers Nintendo Wii zurück. Im jüngsten Quartal konnte Nintendo nur 2,23 Mio. Wii-Konsolen absetzen, nachdem die Japaner im Jahr vorher noch weltweit 5,17 Mio. Wii-Konsolen absetzen konnten. Allein in Amerika brachen die Absatzzahlen um zwei Drittel auf 880.000 verkaufte Konsolen ein, nachdem Nintendo in den USA im Jahr vorher noch 2,5 Mio. Wii-Konsolen absetzen konnte. In Japan ging der Wii-Absatz auf 21.000 Stück zurück, nachdem Nintendo im Jahr vorher noch 53.000 Konsolen verkaufen konnte.

Meldung gespeichert unter: Nintendo

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