Netflix nimmt internationale Expansion in Angriff - Lateinamerika im Vordergrund

Mittwoch, 6. Juli 2011 12:26
Netflix

(IT-Times) - Jetzt also doch. Der amerikanische Online-Streaming-Spezialist Netflix (Nasdaq: NFLX, WKN: 552484) wagt den Sprung über den großen Teich und will in Lateinamerika und in die Karibik expandieren. An der Wall Street wurde die Nachricht euphorisch aufgenommen, Netflix-Aktien legten um acht Prozent auf knapp 290 US-Dollar zu und markierten damit ein neues Allzeithoch.

Die Geschichte von Netflix ist eine der beeindruckendsten Erfolgsstorys an der New Yorker Nasdaq. In den letzten vier Jahren legten die Papiere um mehr als 1.000 Prozent zu, nachdem es dem Unternehmen gelang Wettbewerber wie Blockbuster praktisch aus dem Markt zu drängen. Auch die Bemühungen von Amazon.com und Apple im Filmverleihgeschäft Fuß zu fassen, taten dem Wachstum bei Netflix keinen Abbruch.

Internationale Expansion lässt sich Netflix viel Geld kosten
Inzwischen zählt Netflix rund 24 Millionen Abonnenten - zum Jahresende dürften weitere Millionen neue Kunden hinzukommen, nachdem Netflix im Jahresverlauf auch in Lateinamerika und in der Karibik an den Start gehen will. Das Angebot werde sowohl in spanischer, portugiesischer oder in englischer Sprache zur Verfügung stehen, heißt es aus dem Unternehmen.

Die Expansion lässt sich Netflix viel Kosten. Die Verluste aus dem internationalen Geschäft sollen sich im zweiten Halbjahr auf 50 bis 70 Mio. US-Dollar summieren, so das Management. Angesichts des enormen Wachstumspotentials können sich diese Investitionen aber lohnen.

45 Millionen potentielle Kunden in Lateinamerika
Bei der Citi Investment verweist man auf die stark steigende Zahl der Breitbandnutzer in Lateinamerika. Rund 45 Millionen Einwohner dürften mittlerweile über einen Breitbandzugang verfügen, davon entfallen allein 36 Millionen Breitbandnutzer auf Brasilien, Mexiko, Chile und Argentinien, heißt es bei der Investmentbank.

Citi Investment Experte Mark Mahaney glaubt, dass es Netflix bereits in den nächsten 12 bis 18 Monaten gelingt, sich einen Marktanteil von acht Prozent im lateinamerikanischen Markt zu sichern. Zwar gebe es keine Garantie, dass Netflix in jedem dieser 43 Märkte erfolgreich sein wird, jedoch werde Internet-Video-Streaming in jedem dieser Märkte an Bedeutung gewinnen.

Sollte der Markteinstieg in Lateinamerika erfolgreich verlaufen, dürfte es nicht mehr lange dauern, bis Netflix seine Fühler auch nach Europa und Asien ausstreckt...

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1998, gilt Netflix heute als weltweit führender Online-DVD-Verleihservice für private Konsumenten. Das im kalifornischen Los Gatos ansässige Unternehmen betreute zuletzt mehr als 15 Millionen registrierte Kunden, welche aus einer DVD-Datenbank bestehend aus über 100.000 Filmtiteln wählen können. Dabei stehen verschiedene Kategorien, von Actionfilme, bis Komödien, Erotik und Thriller zur Auswahl. Auch Nischenangebote, wie Naturfilme und Gesundheitsratgeber hat Netflix im Angebot. Das Geschäftsmodell von Netflix funktioniert denkbar einfach. Ab 8,99 US-Dollar pro Monat haben Kunden bereits unbegrenzten Zugriff auf das Filmarchiv des Unternehmens. Die bestellten DVDs treffen innerhalb von ein bis drei Tagen bei der angegebenen Lieferadresse ein. Der Kunde kann die DVDs solange behalten wie er will und zahlt keinen Versäumniszuschlag oder dergleichen. Der Kunde kann dabei permanent maximal drei DVDs im Haus behalten. Erst wenn der Kunde eine DVD zurückgibt, sendet Netflix die nächste DVD auf dem Wunschzettel an den Kunden. Derzeit kann Netflix mehr als die Hälfte seiner Kundschaft über den Express-Zustellungsservice erreichen, so dass die ausgeliehenen DVDs bereits am nächsten Tag im Briefkasten liegen.

Nachdem das Unternehmen vor Jahren sein erstes Vertriebszentrum eröffnet hat, kann das Unternehmen heute zahlreiche US-Bundesstaaten erreichen. Insgesamt betreibt Netflix über 18 Vertriebszentren darunter in Atlanta, Boston, Dallas, Denver, Detroit, Fort Lauderdale, Houston, Los Angeles, Minneapolis, New York, Newark, Phoenix, Philadelphia, San Jose, Stamford, Seattle und Washington. Im Frühjahr 2005 übernahm Netflix die Kundenbasis des Mitbewerbers Walmart.com, nachdem der US-Einzelhändler aus dem DVD-Verleihgeschäft weitgehend ausstieg. Gleichzeitig unterzeichneten beide Unternehmen eine Marketingvereinbarung, die Services des jeweilig anderen Unternehmens zu promoten. Anfang 2007 rief Netflix seinen Online-Download-Service "Watch Now" ins Leben, der kostenlos im Monatsabo enthalten ist. Inzwischen hat Netflix auch einen stand-alone Streaming-Service gestartet, der für 7,99 Dollar im Monat verfügbar ist. Mit diesem Service ist das Unternehmen inzwischen auch nach Kanada expandiert.

Seinen Stammkunden bietet Netflix darüber hinaus durch seinen Datenbankservice CineMatch einen zusätzlichen Service an. Der Kunde kann für Filme ein entsprechendes Rating abgeben, so dass die Software automatisch andere mit dem gleichen Thema verwandten Streifen empfiehlt. Gleichzeitig hat Netflix nach eigenen Angaben ständig aktuelle Hollywood-Produktionen im Angebot.

Zahlen

Netflix verzeichnete in den ersten drei Monaten des Jahres 2011 einen Nettozuwachs bei den Abonnenten von 3,59 Millionen. In der Summe wies man 23,60 Millionen zahlende Nutzer aus oder 69 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Etwas zurück gegangen ist der durchschnittliche Umsatz je Nutzer, was sich in einem "nur" um 46 Prozent zugelegten Umsatz darlegt. Er bezifferte sich damit auf 719 Mio. US-Dollar.

Profitiert hat Netflix allerdings bei der Kostenstruktur, welche scheinbar von wachsenden Nutzerzahlen profitiert. So bezifferte sich der Nettogewinn auf 60 Mio. Dollar und stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 88 Prozent.

Eine kleine Delle verzeichnete Netflix beim internationalen Wachstum. Erstmals im dritten Quartal 2010 außerhalb der USA aktiv geworden, kamen alleine im vierten Quartal 2010 380.000 neue Abonnenten außerhalb der Staaten hinzu. Im ersten Quartal 2011 sank dieser Nettozuwachs allerdings auf 0,29 Millionen. Insgesamt stammen damit auch nach wie vor mit 0,80 Millionen nur ein geringer Teil der Umsatzquellen nicht aus den USA.

Meldung gespeichert unter: Internet TV (IPTV)

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