Netflix meldet sich zurück - Investitionen sollen sich in 2013 auszahlen

Montag, 30. Januar 2012 14:15
Netflix

(IT-Times) - Netflix-Aktien kletterten zuletzt unter hohen Umsätzen auf ein 3-Monatshoch bei über 123 US-Dollar an der Nasdaq, nachdem das Unternehmen für das vergangene vierte Quartal 2011 besser als erwartete Zahlen präsentieren konnte.

Nachdem Preisschock im Herbst 2011, als rund 800.000 Abonnenten Netflix (Nasdaq: NFLX, WKN: 552484) den Rücken kehrten, konnte der Film- und Streaming-Spezialist im jüngsten Quartal wieder 600.000 Kunden zurückgewinnen. Investoren und Analysten fragen sich nunmehr, ob sich dieser Trend im laufenden Jahr weiter fortsetzt.

Investmentbanken wie Morgan Stanley warnen aber vor zuviel Euphorie und verweisen auf den sich verstärkenden Wettbewerb durch Anbieter wie Amazon.com und dessen Tochter Lovefilm sowie durch Hulu. Als echte Barriere zur Eroberung weiterer Marktanteile dürften sich die Content-Kosten erweisen.

Analysten erwarten stark steigende Content-Kosten
Nachdem mehr und mehr Anbieter in den Video-Streaming-Markt drängen, werden die Content-Kosten, insbesondere für exklusive Inhalte, weiter steigen und die Profitabilität der einzelnen Anbieter untergraben, glaubt man im Hause Pacific Crest. Aus diesem Grunde raten die Banker aus dem Hause Canaccord Genuity trotz der jüngsten Entwicklungen zum Verkauf von Netflix-Aktien. Steigende Content-Kosten und der starke Wettbewerb dürften den Aktienkurs kurzfristig belasten, glauben die Canaccord-Analysten.

Bei Netflix sieht man die Situation ähnlich. Das Netflix-Management rund um CEO Reed Hastings erwartet, dass Amazon.com weiterhin einen kostenlosen Videoservice im Zusammenhang mit seinem Lieferservice Amazon Prime in den USA anbieten wird. Zudem rechnet Netflix damit, dass auch ein stand-alone Streaming-Angebot von Amazon.com in diesem Jahr kommen wird, welches preislich deutlich günstiger sein dürfte, als das Netflix-Angebot.

Zahl der DVD-Abonnenten soll stetig sinken - 2013 wieder schwarze Zahlen
Während der Streaming-Bereich steigende Kundenzahlen meldete, verabschiedeten sich im jüngsten Quartal 2,8 Millionen Abonnenten, die sich DVDs per Post ausleihen. Im laufenden ersten Quartal rechnet Netflix mit einem weiteren Minus von 1,5 Millionen DVD-Abonnenten.

Insgesamt geht man bei Netflix davon aus, dass die Zahl der DVD-Abonnenten in jedem Quartal von nun an sinken wird. Man werde das DVD-Geschäft jedoch weiterhin aufrecht erhalten und mit neuen DVD-Titeln aufstocken, heißt es. Dennoch sieht das Unternehmen seine Zukunft ganz klar im Internet-Streaming-Geschäft. Dieses Geschäft will Netflix im laufenden Jahr kräftig ausbauen, womit der DVD-Verleiher sogar Verluste in Kauf nimmt.

Erst in 2013 dürfte das internationale Geschäft dann nachhaltig schwarze Zahlen schreiben, wobei Analysten dann schon wieder mit einem Nettogewinn von 2,59 Dollar je Aktie auf Jahressicht rechnen.

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1998, gilt Netflix heute als weltweit führender Online-DVD-Verleihservice für private Konsumenten. Das im kalifornischen Los Gatos ansässige Unternehmen betreute zuletzt mehr als 23 Millionen registrierte Kunden, welche aus einer DVD-Datenbank bestehend aus über 100.000 Filmtiteln wählen können. Der Kombi-Service aus DVD-Verleih- und Straming-Service kostet 16 US-Dollar im Monat. Der Streaming only Service ist für 7,99 US-Dollar im Monat verfügbar.

Dabei stehen verschiedene Kategorien, von Actionfilme, bis Komödien, Erotik und Thriller zur Auswahl. Auch Nischenangebote, wie Naturfilme und Gesundheitsratgeber hat Netflix im Angebot. Das Geschäftsmodell von Netflix funktioniert denkbar einfach. Die bestellten DVDs treffen innerhalb von ein bis drei Tagen bei der angegebenen Lieferadresse ein. Der Kunde kann die DVDs solange behalten wie er will und zahlt keinen Versäumniszuschlag oder dergleichen. Der Kunde kann dabei permanent maximal drei DVDs im Haus behalten. Erst wenn der Kunde eine DVD zurückgibt, sendet Netflix die nächste DVD auf dem Wunschzettel an den Kunden. Derzeit kann Netflix mehr als die Hälfte seiner Kundschaft über den Express-Zustellungsservice erreichen, so dass die ausgeliehenen DVDs bereits am nächsten Tag im Briefkasten liegen.

Nachdem das Unternehmen vor Jahren sein erstes Vertriebszentrum eröffnet hat, kann das Unternehmen heute zahlreiche US-Bundesstaaten erreichen. Insgesamt betreibt Netflix über 18 Vertriebszentren darunter in Atlanta, Boston, Dallas, Denver, Detroit, Fort Lauderdale, Houston, Los Angeles, Minneapolis, New York, Newark, Phoenix, Philadelphia, San Jose, Stamford, Seattle und Washington. Im Frühjahr 2005 übernahm Netflix die Kundenbasis des Mitbewerbers Walmart.com, nachdem der US-Einzelhändler aus dem DVD-Verleihgeschäft weitgehend ausstieg. Gleichzeitig unterzeichneten beide Unternehmen eine Marketingvereinbarung, die Services des jeweilig anderen Unternehmens zu promoten. Anfang 2007 rief Netflix seinen Online-Download-Service "Watch Now" ins Leben, der kostenlos im Monatsabo enthalten ist. Seit September 2011 ist Netflix offiziell in Lateinamerika an den Start gegangen und nunmehr in 43 Ländern Lateinamerikas mit seinem Streaming-Service aktiv. Seit Anfang 2012 ist Netflix auch in England und Irland mit seinem Streaming-Service am Start.

Seinen Stammkunden bietet Netflix darüber hinaus durch seinen Datenbankservice CineMatch einen zusätzlichen Service an. Der Kunde kann für Filme ein entsprechendes Rating abgeben, so dass die Software automatisch andere mit dem gleichen Thema verwandten Streifen empfiehlt. Gleichzeitig hat Netflix nach eigenen Angaben ständig aktuelle Hollywood-Produktionen im Angebot.

Zahlen

Netflix beendete damit das Jahr 2011 mit 24,4 Millionen Abonnenten für seinen DVD- und Filmverleihservice, nach 23,8 Millionen Kunden Ende September. Der Netflix-Umsatz kletterte im vergangenen vierten Quartal 2011 um 47 Prozent auf 876 Mio. US-Dollar.

Der Nettogewinn schrumpfte allerdings auf 40,7 Mio. Dollar oder 73 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 47,1 Mio. Dollar oder 87 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode. Mit den vorgelegten Zahlen konnte Netflix die Markterwartungen der Analysten übertreffen, die im Vorfeld nur mit Einnahmen von 857 Mio. Dollar sowie mit einem Nettogewinn von 55 US-Cent je Aktie gerechnet hatten.

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