Netflix - auf dem Weg zur Weltmarke

Freitag, 16. Juli 2010 13:49
Netflix

(IT-Times) - Die Aktien des Online-Video- und DVD-Verleihers Netflix (Nasdaq: NFLX, WKN: 552484) haben sich in den vergangenen 12 Monaten verdreifacht, nachdem das Unternehmen weiter im rasantem Tempo neue Nutzer hinzugewinnt. Inzwischen betreut Netflix rund 14 Millionen Abo-Kunden in den USA und dominiert damit de facto den Markt für DVD-Verleihservices im Internet.

Nachdem das Unternehmen den großen Konkurrenten Blockbuster niedergerungen hat, sieht sich das Netflix nunmehr einer neuen Herausforderung gegenüber. YouTube und Hulu machen mobil und wollen mit einem eigenen Film-Verleihangebot durchstarten. Während YouTube vergleichsweise zaghaft an den Markt herangeht, drängt Hulu mit seinem Abo-Angebot Hulu Plus aggressiver in den Markt.

Im Analystenlager ist man sich noch uneinig, welche Auswirkungen der neue Hulu-Service auf das Wachstum von Netflix haben wird. Nicht wenige Marktbeobachter, wie aus dem Hause Morgan Keegan, sind der Meinung, dass sich das Netflix-Angebot eher mit dem Hulu Plus Service ergänzen wird, da Netflix vielmehr Filmfans anspricht, während Hulu Plus vor allem auf TV- Enthusiasten abzielt.

Netflix baut Streaming-Angebot weiter aus
Dennoch hat sich Netflix bereits einen Wettbewerbsvorteil gegenüber YouTube & Co verschafft. Nach Abschlüssen mit den Hollywood-Studios Twentieth Century Fox Film und Universal Studios Home Entertainment, hat Netflix am Vortag sein Abkommen mit Warner Bros erweitert. Dadurch ist der gesamte Warner Bros TV- und Film-Katalog über Netflix bis 2011 verfügbar. Als Teil des Deals hat Netflix auch die Streaming-Rechte für eine Reihe populärer TV-Serien wie „Nip/Tuck“, „Veronica Mars“ und „Pushing Daisies“ erworben.

Das Netflix weiter im Aufwind ist, zeigen auch die jüngsten comScore-Zahlen. Während YouTube noch Marktführer ist, hat Netflix bereits das Videoportal Hulu im Juni überholen können. Laut comScore-Angaben verzeichnete Netflix im Juni 20,2 Millionen Besucher, während Hulu auf 19,7 Millionen Besucher kam.

Positiv wirkten sich die jüngsten Netflix-Deals mit Nintendo aus, wodurch das Streaming-Angebot des Unternehmens nicht nur auf Web-basierte TV-Fernseher, sondern zunehmend auch auf Spielekonsolen verfügbar ist, nachdem Netflix zuvor bereits einen ähnlichen Deal mit Microsoft (Xbox 360) schloss.

Netflix liebäugelt mit internationaler Expansion
Das Rekordwachstum nutzte Netflix-Chef Reed Hastings im Frühjahr 2010 über eine internationale Expansion laut nachzudenken. Möglichkeiten gebe es in China, Brasilien, Indien und Europa, so Hastings. Bereits in 2004 wollte Netflix in Großbritannien expandieren, sah sich aber im Heimatmarkt einem verschärften Wettbewerb von Blockbuster ausgesetzt - die Pläne wurden damals verworfen. Nunmehr könnte das Unternehmen diese Pläne wieder aus der Schublade holen, daraufhin deuten zumindest die jüngsten Stellenangebote auf Netflix hin, wonach das Unternehmen bereits nach einen Director für das internationale Geschäft sucht.

Dadurch scheint auch das langfristige Unternehmensziel in greifbare Nähe zu rücken, wonach das Unternehmen bis 2012 rund 20 Millionen Abonnenten betreuten will…

Kurzportrait

Gegründet im Jahre 1998, gilt Netflix heute als weltweit führender Online-DVD-Verleihservice für private Konsumenten. Das im kalifornischen Los Gatos ansässige Unternehmen betreute zuletzt knapp 14 Millionen registrierte Kunden, welche aus einer DVD-Datenbank bestehend aus über 100.000 Filmtiteln wählen können. Dabei stehen verschiedene Kategorien, von Actionfilme, bis Komödien, Erotik und Thriller zur Auswahl. Auch Nischenangebote, wie Naturfilme und Gesundheitsratgeber hat Netflix im Angebot. Das Geschäftsmodell von Netflix funktioniert denkbar einfach. Für 8,99 US-Dollar pro Monat haben Kunden bereits unbegrenzten Zugriff auf das Filmarchiv des Unternehmens. Die bestellten DVDs treffen innerhalb von ein bis drei Tagen bei der angegebenen Lieferadresse ein. Der Kunde kann die DVDs solange behalten wie er will und zahlt keinen Versäumniszuschlag oder dergleichen. Der Kunde kann dabei permanent maximal drei DVDs im Haus behalten. Erst wenn der Kunde eine DVD zurückgibt, sendet Netflix die nächste DVD auf dem Wunschzettel an den Kunden. Derzeit kann Netflix mehr als die Hälfte seiner Kundschaft über den Express-Zustellungsservice erreichen, so dass die ausgeliehenen DVDs bereits am nächsten Tag im Briefkasten liegen.

Nachdem das Unternehmen vor Jahren sein erstes Vertriebszentrum eröffnet hat, kann das Unternehmen heute zahlreiche US-Bundesstaaten erreichen. Insgesamt betreibt Netflix über 18 Vertriebszentren darunter in Atlanta, Boston, Dallas, Denver, Detroit, Fort Lauderdale, Houston, Los Angeles, Minneapolis, New York, Newark, Phoenix, Philadelphia, San Jose, Stamford, Seattle und Washington. Im Frühjahr 2005 übernahm Netflix die Kundenbasis des Mitbewerbers Walmart.com, nachdem der US-Einzelhändler aus dem DVD-Verleihgeschäft weitgehend ausstieg. Gleichzeitig unterzeichneten beide Unternehmen eine Marketingvereinbarung, die Services des jeweilig anderen Unternehmens zu promoten. Anfang 2007 rief Netflix seinen Online-Download-Service „Watch Now“ ins Leben, der kostenlos im Monatsabo enthalten ist.

Seinen Stammkunden bietet Netflix darüber hinaus durch seinen Datenbankservice CineMatch einen zusätzlichen Service an. Der Kunde kann für Filme ein entsprechendes Rating abgeben, so dass die Software automatisch andere mit dem gleichen Thema verwandten Streifen empfiehlt. Gleichzeitig hat Netflix nach eigenen Angaben ständig aktuelle Hollywood-Produktionen im Angebot.

Zahlen

Für das vergangene erste Quartal 2010 meldet Netflix einen Umsatzanstieg um 25 Prozent auf 494 Mio. US-Dollar. Dabei verdiente Netflix 32,3 Mio. Dollar oder 59 US-Cent je Aktie, nach einem Profit von 22,4 Mio. Dollar oder 37 US-Cent je Aktie in der Vorjahresperiode. Mit den vorgelegten Zahlen konnte Netflix die Gewinnerwartungen der Analysten um einen Cent je Aktie übertreffen.

Der Gewinnsprung erklärt sich insbesondere durch einen weiteren Kundenzulauf. So gelang es Netflix auch im jüngsten Quartal netto 1,7 Millionen neue Kunden zu gewinnen, womit das Unternehmen das Quartal mit 13,97 Millionen Abonnenten abschließen konnte. Damit konnte Netflix allein in den vergangenen 18 Monaten mehr als fünf Millionen neue Kunden gewinnen, die den DVD-by-Mail und Internetservice der Gesellschaft nutzen.

Die Bruttomargen zogen im jüngsten Quartal auf 37,8 Prozent vom Umsatz an, nach 34,2 Prozent im ersten Quartal 2009. Insgesamt konnte Netflix einen freien Cashflow von 35,8 Mio. Dollar im jüngsten Quartal erwirtschaften, nach 30,2 Mio. Dollar im vierten Quartal 2009. Der operative Cashflow summierte sich im jüngsten Quartal auf 75,4 Mio. Dollar.

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