Infineon - Zukunftsmarkt Automobilbranche?

Montag, 5. Oktober 2009 13:12
Infineon Technologies Unternehmenslogo

(IT-Times) - Der Münchner Halbleiterspezialist Infineon Technologies (WKN: 623100) sieht sich wieder im Aufwind. Das Unternehmen stoppte jüngst die Kurzarbeit in seinen Werken und hofft auf weitere Aufträge im vierten Quartal.

Die Chancen für Neuaufträge stehen nicht schlecht. Die Lagerbestände in der Halbleiterindustrie gelten als niedrig und der Halbleitermarkt dürfte im Jahr 2010 vor einer weltweiten Erholung stehen. Zudem hat sich die Finanzlage bei Infineon nach der Kapitalerhöhung von 725 Mio. Euro wieder merklich entspannt.

Dennoch könnte insbesondere die Erholung im Automotive-Geschäft wieder ein schnelles Ende finden. Die Abwrackprämie ist in Deutschland als auch in den USA (Cash for Clunkers) jüngst ausgelaufen. Marktbeobachter rechnen daher mit einem schwierigen Winter im Automobilsektor. Neben dem Mobilfunkgeschäft ist Infineon nach wie vor stark von der Auto- und Industriebranche abhängig. Allein im Automobilsektor erwirtschaftet das Unternehmen rund 30 Prozent seiner Umsatzerlöse.

Sorgenkind Automobilsektor
Eine Rabattschlacht am Automarkt könnte eine Preiswelle nach unten in Gang setzen. Dieser akute Preisdruck könnte sich dann entlang der gesamten Wertschöpfungskette fortsetzen und damit letztendlich auch Infineon treffen, glaubt Sal. Oppenheim Analyst Jürgen Wagner.

Allerdings bietet der Automobilmarkt für Infineon auch langfristige Chancen. Denn langfristig dürften immer mehr Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen zu finden sein, womit sich auch der Siegeszug der Elektronik weiter fortsetzen dürfte, denn diese ist in vielen Fahrzeugen heute schon unverzichtbar. Bis 2020 sollen in Deutschland eine Million Elektroautos fahren, so ein Beschluss der Bundesregierung, die erwägt, Elektroautos entsprechend finanziell zu fördern.

Rund 140.000 Arbeitsplätze könnten weltweit bei Firmen entstehen, die Batterien und Elektronik für Elektrofahrzeuge entwickeln, glaubt man bei der Unternehmensberatung McKinsey. Akkus und die dazugehörige Steuerungselektronik bereiten den Herstellern derzeit noch die größten Probleme. Genau darin liegt die Chance für Infineon, sich notfalls auch durch Zukäufe das entscheidende Know-how ins Boot zu holen.

Doch das ist zunächst mal Zukunftsmusik. Laut Infineon-Finanzvorstand Marco Schröter dürfte es noch drei Jahre dauern, bis Infineon das Umsatzniveau vor der Finanz- und Wirtschaftskrise erreicht. Solange muss sich das Unternehmen mit Sparprogrammen über Wasser halten und versuchen, ein Finanzpolster aufzubauen. Denn eines ist sicher: Die nächste Krise am Halbleitermarkt kommt bestimmt….

Kurzportrait

Die in München ansässige Halbleiterhersteller Infineon Technologies wurde im Jahre 1999 aus der Siemens-Unternehmensfamilie ausgegliedert. Der Geschäftsbereich rund um Dynamic Random Access Memorys (DRAMs) ist in der Speichereinheit Qimonda zusammengefasst. Mitte 2006 gliederte Infineon seine Speichersparte Qimonda aus, an welchem das Unternehmen zuletzt noch eine Beteiligung von rund 77,5 Prozent hielt.

Daneben entwickelt Infineon aber auch Sensoren, Microcontroller und Integrated Circuits (ICs) für den Unterhaltungselektronikbereich. Nach der Abspaltung von Qimonda will sich Infineon vor allem auf drei Bereiche konzentrieren: Energieeffizienz, Kommunikation und Sicherheit.

Mit seiner Produktpalette visiert das Unternehmen sowohl die Automobil- als auch die Elektronikindustrie an. Infineon agiert dabei nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika, Asien und Japan. Im Jahr 2002 übernahm Infineon bereits für rund 400 Mio. Euro das Kerngeschäft von Ericsson Microelectronics. Im Jahr 2007 kaufte Infineon das Mobility-Geschäft des US-Chipspezialisten LSI. Zugleich wurden die DSL CPE Aktivitäten von Texas Instruments übernommen. Im Jahr 2008 kaufte Infineon den Power-Management-Spezialisten Primarion. Gleichzeitig gab die Infineon-Tochter Qimonda den Verkauf seiner Inotera-Beteiligung an Micron bekannt. Anfang 2009 musste die Infineon-Tochter Qimonda Insolvenz anmelden. Inzwischen wurde das Insolvenzverfahren über das Vermögen von Qimonda eröffnet.

Die ehemalige Konzernmutter Siemens ist nach wie einer der größten Kunden Infineons. Weitere Großkunden sind Nokia, Bosch, Schlumberger, Samsung, LG Electronics, Motorola, Scientific-Atlanta und Sony. Auch der Redmonder Softwarekonzern Microsoft gehört zum Kundenkreis des Unternehmens. In der neuen Spielkonsole Xbox 360 finden sich gleich drei Chipsätze der Münchner. Auch beim iPhone aus dem Hause Apple ist Infineon als Zulieferer mit an Bord.

Zahlen

Für das vergangene dritte Fiskalquartal 2009 wies Infineon einen Umsatz von 845 Mio. Euro aus, was einem Rückgang um 18 Prozent gegenüber dem dritten Quartal 2008 entspricht. Es wurde ein Ergebnis aus fortgeführten Aktivitäten von minus 20 Mio. Euro bzw. minus drei Cent je Aktie ausgewiesen. Im Vorjahreszeitraum lag dieser Wert bei plus 50 Mio. Euro.

Meldung gespeichert unter: Infineon Technologies

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