Infineon übt den Befreiungsschlag

Mittwoch, 30. Juli 2008 12:31
Infineon Technologies Unternehmenslogo

(IT-Times) Nach fünf verlustreichen Quartalen infolge hat sich der Münchner Halbleiterkonzern Infineon Technologies AG (NYSE: IFX, WKN: 623100) für eine Radikalkur entschieden. 3.000 Stellen der weltweit rund 30.000 Beschäftigten sollen gestrichen werden. Zwei Drittel der Arbeitsplätze sollen dabei in Deutschland wegfallen, wie es heißt.

Durch das Sparprogramm IFX 10+ will Infineon den Sprung zurück in die Gewinnzone schaffen. Die Gewinnmargen sollen durch effektives Portfoliomanagement, einer Senkung der Herstellungskosten sowie durch Effizienzverbesserung in der gesamten Organisation wieder steigen. Doch erst in 2010 wird das beschlossene Sanierungsprogramm seine volle Wirkung entfalten. Das EBIT-Margenziel von zehn Prozent rückt damit zunächst in weite Ferne und dürfte frühestens im Jahr 2010 zu erreichen sein.

Doch der anvisierte Befreiungsschlag kann nur gelingen, wenn Infineon den Problemfall Qimonda endlich lösen kann. Die Münchner halten immer noch 77,5 Prozent der Anteile an der Speichertochter. Allein im jüngsten Quartal summierten sich die Abschreibungen auf Qimonda auf 411 Mio. Euro. Weitere Abschreibungen drohen auch in den nächsten Quartalen, nachdem Infineon den Wert je Qimonda-Aktie bei 2,80 US-Dollar angesetzt hat, Qimonda-Aktien zuletzt aber auf 1,85 Dollar fielen.

Infineon verhandelt über Qimonda-Verkauf
Zwar verhandelt Infineon nach Angaben von CEO Peter Bauer schon mit potentiellen Interessenten im Hinblick auf einen Qimonda-Verkauf, doch bis ein Deal unter Dach und Fach ist, könnte dauern. Interessenten werden sicherlich den Verkaufsdruck und die niedrige Bewertung für sich nutzen und den Preis drücken wollen, da sich derzeit auch keine Besserung am Markt abzeichnet. Ganz im Gegenteil. Der Qimonda-Konkurrent Hynix will eine US-Fabrik in Eugene/Oregon Ende September schließen, um Überkapazitäten und Verluste einzugrenzen.

Im Zuge der sich eintrübenden Konjunktur in Europa kommt der Verkaufsdruck im Hinblick auf Qimonda zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für die Münchner. Doch Infineon hat keine Wahl. Wartet der Münchner Chipkonzern noch länger, könnte sich der Fall Qimonda zu einem Fiasko entwickeln und zwar dann, wenn der Infineon-Tochter das Geld ausgeht.

Qimonda verhandelt über Inotera-Verkauf
Noch aber ist es nicht soweit. Vielmehr verhandelt Qimonda derzeit über einen Anteilsverkauf an seinem Joint-Venture Inotera Memories mit Micron Technology, wie die Commercial Times berichtet. Damit könnte sich Qimonda wieder etwas Luft im Kampf gegen die erdrückenden Verluste verschaffen und sich gleichzeitig für einen möglichen Verkauf aufhübschen…

Kurzportrait

Die in München ansässige Halbleiterhersteller Infineon Technologies wurde im Jahre 1999 aus der Siemens-Unternehmensfamilie ausgegliedert. Der Geschäftsbereich rund um Dynamic Random Access Memorys (DRAMs) ist in der Speichereinheit Qimonda zusammengefasst. Hier gilt das Unternehmen hinter Samsung als einer der weltweit größten Hersteller. Mitte 2006 gliederte Infineon seine Speichersparte Qimonda aus, an welchem das Unternehmen zuletzt noch eine Beteiligung von rund 77,5 Prozent hielt. Langfristig will Infineon seine Beteiligung an Qimonda auf unter 50 Prozent zurückfahren.

Daneben entwickelt Infineon aber auch Sensoren, Microcontroller und Integrated Circuits (ICs) für den Unterhaltungselektronikbereich. Nach der Abspaltung von Qimonda will sich Infineon vor allem auf drei Bereiche konzentrieren: Energieeffizienz, Kommunikation und Sicherheit.

Mit seiner Produktpalette visiert das Unternehmen sowohl die Automobil- als auch die Elektronikindustrie an. Infineon agiert dabei nicht nur in Europa, sondern auch in Nordamerika, Asien und Japan. In Taiwan betreibt das Unternehmen das Joint Venture Inotera Memories, welches gemeinsam mit der taiwanschen Nanya Technologies im Jahre 2002 gegründet wurde. Das Joint Venture Inotera Memories wurde im März 2006 in Taiwan an die Börse gebracht. Im Jahr 2002 übernahm Infineon bereits für rund 400 Mio. Euro das Kerngeschäft von Ericsson Microelectronics. Im Jahr 2007 kaufte Infineon das Mobility-Geschäft des US-Chipspezialisten LSI. Zugleich wurden die DSL CPE Aktivitäten von Texas Instruments übernommen. Im Jahr 2008 kaufte Infineon den Power-Management-Spezialisten Primarion.

Die ehemalige Konzernmutter Siemens ist nach wie einer der größten Kunden Infineons. Weitere Großkunden sind Nokia, Bosch, Schlumberger, Samsung, LG Electronics, Motorola, Scientific-Atlanta und Sony. Auch der Redmonder Softwarekonzern Microsoft gehört zum Kundenkreis des Unternehmens. In der neuen Spielkonsole Xbox 360 finden sich gleich drei Chipsätze der Münchner. Auch beim iPhone aus dem Hause Apple ist Infineon als Zulieferer mit an Bord.

Zahlen

Infineon erwirtschaftete im dritten Quartal des Fiskaljahres 2008 einen Umsatz in Höhe von 1,03 Mrd. Euro und traf damit die Erwartungen. Im Vergleichsquartal 2007 waren dies 1,01 Mrd. Euro gewesen. Das entspricht einem Rückgang um zwei Prozent.

Das EBIT konnte hingegen gesteigert werden: So waren es im dritten Quartal 2008 rund 70 Mio. Euro, während es in 2007 etwa 13 Mio. Euro gewesen waren. Der Konzernfehlbetrag lag im dritten Quartal 2008 bei 592 Mio. Euro. Damit hat sich der Verlust im Vergleich zum dritten Quartal 2007 mehr als verdoppelt. 2007 war ein Minus in Höhe von 197 Mio. Euro verzeichnet worden. Das entspricht einem Konzernfehlbetrag pro Aktie in Höhe von 0,79 Euro im dritten Quartal 2008 und 0,26 Mio. Euro im Vorjahr. Der Grund für das schlechte Ergebnis bei Infineon liegt mitunter in dem hohen Verlusten der Tochtergesellschaft Qimonda.

Als Grund für die enttäuschenden Ergebnisse, gab Infineon an, dass insbesondere im Segment Automotive, Industrial & Multimarket weniger Umsatz erwirtschaftet werden konnte. Hier wurde im dritten Quartal des Geschäftsjahrs 2008 ein Umsatz von 712 Mio. Euro verzeichnet, der damit fünf Prozent unter dem Wert des vergleichbaren Vorjahresquartals lag. Im Segment Communication Solutions konnten 313 Mio. Euro ausgewiesen werden, was einer Steigerung von 21 Prozent gegenüber 2007 entspricht.

Meldung gespeichert unter: Infineon Technologies

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